Im Leben gibt es immer zwei Wege, um ans Ziel zu kommen.......den Harten und den Zarten.
Der harte Weg: Lotus Exige S. Der Lotus ist vom Charakter näher am Sport als an jeder Straßenzulassung. Ein böses Mittelmotor-Insekt mit Kompressor, das nur einen Gegner kennt: den Fahrer.
Der weiche Weg: Bentley Continental GT. Ein 318 km/h schneller Gran Turismo im Maßanzug. 12 Zylinder, zwei Turbolader und 560 PS! Da wird die Luft für die Konkurrenz verdammt dünn. Unterschiedlicher können zwei Autos kaum sein. Der Bentley: schwer, hoch und luxuriös. Lotus Exige: leicht, flach und für die Insassen eine einzige Pein.
Und doch verbindet diese Sportwagen eine Zahl, die in jedem Autoquartett und am Stammtisch alles sticht: das Leistungsgewicht: 4,2 Kilo pro PS! Die Folterkammer: wer in den Lotus einsteigt, sollte gleich einen Termin mit seinem Chiropraktiker vereinbaren. Sofern man aus den Sitzschalen wieder rauskommt.
Edle Hölzer, Leder ohne Mückenstiche und Chrom: Ein Innenraum wie ein britisches Clubhaus. Der Fahrer wird souverän und drückt das Gaspedal nur, wenn es unbedingt erforderlich ist, aufs Bodenblech.
Genauso unterschiedlich wie unsere englischen Sportwagen sind auch unsere deutschen Tester. Der Harte: Tim Schrick. Tim verputzt gern den Tracktest zum Frühstück, zum Mittagessen - die Nürburgring-Nordschleife. Tims Autos müssen alle ohne elektronischen Schutzengel auskommen. Sein Motto: ESP? – „Nein, danke.“ Der Zarte: Jumbo Schreiner. Jumbo mag lange romantische Spaziergänge bei Sonnenuntergang und klassische griechische Literatur. Aber wehe, wenn Sie ihm die Hand drücken. Jumbos Lieblingsspruch: Hubraum statt Wohnraum.
„Na, was wiegt er? – 2.385 kg, ohne mich. – Ok, 935 ohne mich. – Wie viel PS? – 221 PS – 560! – Ah ok, mir ist das hier lieber, auf jeden Fall! – Aber irgendwie hängst du ein bisschen! – Ja, das Auto fährt weg, außerdem kann ich nicht mehr!“ Erste Disziplin: der Sprint – 560 Bi-Turbo-PS aus 12 Zylinder gegen 221 Kompressor-PS aus vier Töpfen. „Das liegt wahrscheinlich daran, dass der Tim Schrick ein bisschen leichter ist wie ich. Und ich hab noch ein bisschen Kleingeld in der Tasche – ist noch zusätzlich Gewicht.“
„Jetzt zeig mal was so ein kleines, leichtes Auto hier auf dem Tracktest so kann. – Ja, leicht. Leicht ist das richtige Stichwort.“ Zweite Disziplin: der Tracktest. Jetzt heißts Pobacken zusammenzwicken und sich dem strengen Diktat des Mittelmotors hingeben. „Ja, auf dem engen Kurs hier ist wenig Gewicht einfach alles. Nicht umsonst sind zwei Lotus auf den Plätzen 1. und 2.“
„Das Auto hat eine Präzision, wie ein Rennfahrzeug. Das liegt natürlich auch an den Reifen.“
Dank Yokohama Semi-Slick-Reifen klebt der Lotus wie eine entsicherte Heißklebepistole auf dem Asphalt. Die weichen Zweieinhalbtonnen am Streckenrand berührt das wenig. „Aber wenig Gewicht und Doppelquerlenker-Aufhängung vorne und hinten – das ist das A und O.“ A und O ist auch die Rundenzeit: rund 19 Sekunden braucht der Harte für die Runde.
„So. – Und? – So, jetzt mach du das doch einmal hier. Ich hab den Sitz schon ganz zurückgestellt. – Ok. – Oh, mein Sender ist rausgefallen. – Du kannst den Dicken mal ein bisschen um die Ecke treten. – Jo. – Schlüssel steckt? – Ja, Schlüssel steckt. – So geht´s schon mal nicht. – Oh, ich komm gar nicht dran. Ah, wie liegt denn der hier im Auto? – Tim? – Das ist mein Schlafposition. – Ok. Scheiße. – Wo muss man hier draufdrücken? Ok, anschnallen. Dann versuchen wir das doch mal.“
2385 Kilogramm im Tracktest? Keine Sorge, wir tun dem Bentley nicht weh. Jedenfalls nicht mehr als nötig. „Oh, das ist ein krasser Unterschied zum Lotus. Das Auto wiegt 1,5 Tonnen mehr als der Lotus und das kann man auf diesen schönen, engen Kurs hier in Augsburg sehr gut merken.“ „Au. Also ich muss ungefähr da bremsen, wo ich mit dem Lotus noch 4,5 Sekunden auf dem Gas stehe ungefähr.“
Während die Exige unter Jumbo einknickt, kämpft Tim auf der Strecke mit der Massenträgheit.
„Aber wahrscheinlich wird nie ein Bentley-Kunde darauf kommen, seinen Bentley hier in Augsburg über den Handlingkurs zu dreschen. Die Reifen schreien ihr Klagelied.“ „Au, nee. Also mir tut das Auto leid. Das reicht schon!“ 23 Sekunden, vier Sekunden mehr langsamer als der Lotus.
„Ja, aber man hat nicht so viel zu tun, wie im Lotus. Richtig angenehm, man fühlt sich so richtig herrschaftlich hier drinnen. Selbst auf so einem engen Handlingkurs. – Royal. – Ja, King Royal. – Schrick Royal. – Ich bin beeindruckt. Aber ich glaube, ich und Bentley, wir werden keine Freunde!“ Die Sucht nach Beweglichkeit treibt Schrick Royal wieder auf den Tracktest zurück. – Im Lotus – Hart, aber herzlich.
„Das war ja mal richtig fett jetzt! Sag einmal Alter, das hat ja richtig Klasse ausgesehen. Das krieg ich mit meinem nicht hin. Aber kann vielleicht mal eine Runde mit dir Mitfahren? – Na, klar steig ein. – Jetzt muss ich mich wieder mit Ganzkörpergleitcreme einreiben damit ich in die Karre reinpasse. – Jetzt gib mir mal ne Kamera. – Nicht ganz zu sonst ersticken wir.“ „Au. Also bei so einem Auto merkt man das schon, wenn dann noch jemand drin sitzt. – Ja, irgendwie schiebst ein bisschen. – Ja, ich glaube das liegt ein bisschen an deiner sportlichen Figur. – Ja? – Das Auto fährt ganz anders um die Kurve. – Schön.“ „Ich habe Angst, dass ich gleich sterben muss. – Mamaaa!“ „Alter, dass kostet dem Auto hier drei Sekunden. Au. “
„Ich glaube wir hören lieber auf. Ich hab Angst, dass hier irgendwas bricht. Au. – Wo soll denn was brechen? – Na, da! – Ich sitz auf der Handbremse, da kann nix brechen. – Lass uns mal was trinken gehen. Ich hab Durst. Die Lenkkräfte sind 50 Prozent gestiegen jetzt. – Fahr in die Kantine, wir trinken eine Apfelschorle. – Ja. Wir fahren in Kantine und trinken eine Apfelschorle. – Apfelschorle.“
Nach dem Boxenstopp, die letzte Disziplin: die Autobahn. 318 km/h Höchstgeschwindigkeit im Bentley gegen 238 km/h im Lotus. „Leichte Autos können auch nicht viel Dämmung haben und deshalb ist es hier herinnen dementsprechend laut.“ Ganz anders im Bentley. Jumbo gibt Vollgas!
„Im Bentley könnte man sich wahrscheinlich jetzt flüsternd unterhalten, denk ich mal.“
Die Autobahnwertung geht mit über 20 Liter Super Plus klar an den Continental GT. Gleiches Leistungsgewicht ist eben nur die halbe Wahrheit. „Beheiztes Lenkrad? – Nein. – Innenbelüftete Sitze? – Nein. – Navigationssystem? – Nein. – ESP? – Nein. Aber ich hab das gleiche Leistungsgewicht, wie dein Ofen – 4,2 Kilo pro PS? – Ja.“
Ein Vergleich der Extreme. Megaluxusliner gegen spartanische Sportflunder. Wie kann man das überhaupt vergleichen? In einen Punkt sind sie aber wirklich vergleichbar. Sie haben das gleiche Leistungsgewicht, denn ein PS muss bei beiden mit nur knapp 4,2 Kilogramm Auto fertig werden. Tim Schrick und Jumbo treten an und fühlen den beiden Briten auf den Zahn.
Im Leben gibt es immer zwei Wege, um ans Ziel zu kommen.... ...den Harten und den Zarten. Der harte Weg: Lotus Exige S. Der Lotus ist vom Charakter näher am Sport als an jeder Straßenzulassung. Ein böses Mittelmotor-Insekt mit Kompressor, das nur einen Gegner kennt: den Fahrer. Die Folterkammer Exige S: wer in den Lotus einsteigt, sollte gleich einen Termin mit seinem Chiropraktiker vereinbaren. Sofern man aus den Sitzschalen wieder rauskommt. Der weiche Weg: Bentley Continental GT. Ein 318 km/h schneller Gran Turismo im Maßanzug. 12 Zylinder, zwei Turbolader und 560 PS! Da wird die Luft für die Konkurrenz verdammt dünn. Edle Hölzer, Leder ohne Mückenstiche und Chrom: Ein Innenraum wie ein britisches Clubhaus. Der Fahrer wird souverän und drückt das Gaspedal nur, wenn es unbedingt erforderlich ist, aufs Bodenblech. Unterschiedlicher können zwei Autos kaum sein. Der Bentley: schwer, hoch und luxuriös. Die Exige: leicht, flach und für die Insassen eine einzige Pein. Und doch verbindet diese Sportwagen eine Zahl, die in jedem Autoquartett und am Stammtisch alles sticht: das Leistungsgewicht: 4,2 Kilo pro PS! Genauso unterschiedlich wie unsere englischen Sportwagen sind auch unsere deutschen Tester. Der Harte: Tim Schrick. Tim verputzt gern den Tracktest zum Frühstück, zum Mittagessen - die Nürburgring-Nordschleife. Tims Autos müssen alle ohne elektronischen Schutzengel auskommen. Sein Motto: ESP? – „Nein, danke.“ Der Zarte: Jumbo Schreiner. Jumbo mag lange romantische Spaziergänge bei Sonnenuntergang und klassische griechische Literatur. Aber wehe, wenn Sie ihm die Hand drücken. Jumbos Lieblingsspruch: Hubraum statt Wohnraum.