Montag, 24.01.11 Maier, Florian

VW Polo vs. Subaru Justy vs. Suzuki Ignis : Vergleich der Gelände-Kleinwagen

Vergleich der Gelände-Kleinwagen

Es gibt sie noch. Vierrädrige Zwerge mit Großstadtdschungel-Genen und Allradwühlperformance. Subaru GX3 Justy und Suzuki Ignis. Geballte Sandkastenpower im Partnerlook. Richtig gehört: Die japanischen Allradzwerge teilen sich aus Kostengründen nicht nur die Technik, sondern auch die Optik. 14.500 Euro kostet der blaue Subaru, der rote Suzuki 15.500. Doch aufgepasst! Mit dem Polo Fun wagt nun auch Wolfsburg ein augenzwinkerndes Offroad-Experiment. Volkswagen-Motto: Höher legen, üppig besohlen. Allrad brauch man nicht. Selbstbewusste 17.500 Euro kostet der Polo Fun mit 86 PS starkem SFI Triebwerk. Dennoch sollte man bei der Ampel nicht allzu dick auftragen, denn mit knapp einhundert PS und deutlich besserem Kampfgewicht sind die Japanzwerge richtige Asphaltbeißer. Tja, lieber Polo, da nutzt auch das Schalten nichts. Fun haben wir uns etwas anders vorgestellt. Naja, vielleicht kommt der ja noch in der Stadt. Knapp drei Meter achzig messen unsere rot-blauen Sushi Häppchen. Ganz nettes Parkplatzformat. Der VW Polo sprengt dagegen die klassenüblichen Abmessungen und kommt auf über drei Meter neunzig. Das war einmal Golf II Format. Dennoch im Volkswagen fühlt man sich sofort wohl. Gute Geräuschdämmung, satte Straßenlage, direkte Lenkung, agiles Fahrverhalten. Acht Komma fünf Liter Super Plus genehmigt sich der Wolfsburger im gemischten Betrieb. Nicht gerade wenig für einen Benzin-Direkteinspritzer. Doch auch im Land der aufgehenden Sonne ist nicht alles Gold, was glänzt, denn die Japan-Connection leistet sich ein paar deftige Schnitzer. Beispiel Subaru Justy. Trotz guten Allradantriebs ist das Fahrwerk hart und polternd, die Schaltung hakelig, die Lenkung gefühllos und die Sicherheitsausstattung aufgrund nicht lieferbaren ESP mangelhaft. Da werden stolze neun Komma zwei Liter Super Verbrauch auf einhundert Kilometer schnell zur Nebensache. Ein fauler Kompromiss ist er dennoch nicht. Die hohe Sitzposition, das angenehme Gestühl, der kleine Wendekreis und drei jahre Neuwagengarantie sprechen eindeutig für den Subaru. Mit 15.500 Euro kostet der Suzuki rund 1.000 Euro mehr als sein Plattformbruder, obwohl ihn im Grunde genommen, die gleichen Probleme plagen. Allerdings wirken sich die aufpreispflichtigen 175-er 14 Zoll Reifen deutlich positiv auf Agilität, Spurstabilität und Dämpfung aus. Ein empfehlenswertes Extra. Wirkliche Verwechslungsgefahr besteht nur bei unseren siamesischen Zwillingen, denn das Vieraugengesicht des Wolfsburgers fällt sofort auf. VW-s Offroad-Rezeptur ist leicht zu durchschauen. Man nehme einen Polo, bestücke ihn mit schwarzer Offroad-Beplankung und lege ihn 15 mm höher. Allrad gibts nicht. Fun steht beim Polo für Off-Optik nicht für Offroad. Beim Design riskieren Subaru und Suzuki nicht viel, um nicht zu sagen, gar nichts. Und das ist schade. Plattform- und Leichtteilestrategie hin oder her, dafür legen sie Wert auf elementare Dinge. Wo Allrad draufsteht, ist auch Allrad drin und zwar permanent. Beim Suzuki ebenfalls. Maximal 1.000 Liter Gepäckvolumen sind sehr gut. Die 1.050 des Polos kaum besser. Bei der Qualitätsanmutung im Polo-Innenraum gibts nichts zu meckern. Nur die Aufpreis-Gestaltung ist happig. Völlig anders dagegen der Suzuki. Hier trifft solides Plastik auf die Schaltereinheit des Opel Astra Anno 1991. Liebe Designer: Etwas freundlicher, wenns geht. Im Subaru siehts identisch aus, dafür überzeugt bei beiden die Ausstattung. CD-Radio, Bordcomputer und und und. Äh serienmäßig. Da muss Wolfsburg passen. Doch kommen wir nun zum Wichtigsten: Dem Antrieb. Und da gibt es Überraschendes zu vermelden. Die fernöstlichen Kampfzwerge jagen dem Polo auf und davon. Wegen des kräftezehrenden Allradantrieb ist allerding schon bei 170 Stundenkilometer Schluss. Da hat der Fun-Lenker gut lachen, denn mit etwas Geduld und Bleifuß krazt seine Tachonadel sogar an der Zweihunderter Marke. Gut, wirklich berauschende Fahrleistungen zaubert keiner der drei auf den Asphalt. Fürs Alltägliche reicht es aber allemal. Was bekommt nun ein potenzieller Lifestyle-Junkie für sein Geld. Beim Polo liegen die Tatsachen klar auf der Hand. Gute Verarbeitung, knackiges Fahrwerk und eine vorzügliche Sicherheitsausstattung sprechen für sich. Doch der hohe Preis, die magere Grundausstattung und der kürzere Garantieumfang, werfen die optische Offroad-Melange zurück. Anders der Subaru: Günstiger Preis, umfangreiche Ausstattung und drei jahre Garantie sind gute Kaufargumente. Weniger überzeugend, das Fahrwerk. Nicht zu verzeihen, ESP und Kopfairbags sind nicht lieferbar. Und der Suzuki? Auf Grund der etwas größeren Reifen und dem hubraumstärkeren Motor kann er alles, was der Subaru auch kann, nur eine Spur besser. Ansonsten gilt ebenfalls ESP und Kopfairbags schleunigst einführen. Fazit: Wer für die überdurchschnittlichen Qualitäten des VW bereit ist, auch einen überdurchschnittlichen Preis zu zahlen, der sollte den Polo nehmen. Wer allerdings weniger ausgeben möchte, der bekommt mit dem Suzuki Ignis oder dem Subaru Justy durchaus bodenständige Technik zu einigermaßen akzeptablen Preisen und mit dem serienmäßigen Allradantrieb kommt sogar echter Fun auf.

  • Florian Maier

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