Montag, 24.01.11 Harloff, Thomas

VW Passat Variant 2.0 TDI Dauertest - Wie schlägt sich Deutschlands Lieblingskombi

Wie schlägt sich Deutschlands Lieblingskombi im Motorvision-Dauertest? Der VW Passat Variant 2.0 TDI im Dauertest - Video.

Der VW Passat: einer DER Klassiker von VW. In 30 Jahren verkaufte er sich circa 4,5 Millionen mal. Genau der Richtige für zehn Monate Dauertest bei Motorvision. Sein Auftrag: Kilometer fressen. Erste Station: der Leistungscheck beim ADAC. Unser VW Passat Variant 2.0 TDI soll am Werk 103 KW, also 140 PS haben. Die Prüfung ergibt 102 KW, was der normalen Streuung entspricht.

Start im Januar 2005, mitten in einem langen, kalten Winter. Schnell überzeugt uns der Passat durch sein agiles Fahrwerk, dass den Wagen bei Schnee und Regen sicher auf Kurs hält. Auch innen fühlt man sich bei widrigsten Bedingungen pudelwohl. Sehr praktisch der große Kofferraum. Er verschlingt förmlich unser Filmequipment. Dazu noch Sitzplätze für fünf Personen. Genial für unsere Zwecke.

Eine der wichtigsten Aufgaben: die wöchentliche Fahrt zum DSF. Der Auftrag: Transport und Übergabe des Sendebands.

Wer ist der Sicherste im ganzen Land? Der ADAC-Schlossknacker rückt mit Zange und Dietrich dem langen Wolfsburger auf den Pelz. 30 Jahre Erfahrung, doch am neuen Passat beißt er sich die Zähne aus.

Bei dem Fahrzeug ist ein Überdrehschutz drin, damit man das Fahrzeug praktisch nicht von außen öffnen kann. Und hier dreht sich der Schließzylinder leer durch. Also ist eine Öffnung von hier aus nicht mehr möglich.

Ich mochte den Passat immer gern. So ein typisches Mittelklasse-Auto, mit dem wir als Kinder in den Urlaub gefahren sind. Aber ganz ehrlich, der neue ist mir nicht mehr so sympathisch. Er ist über sich hinausgewachsen, er ist so riesig, dass ich mit meinen 1,85m nie wieder an die Tür komme. Und dann ist er vollgestopft mit Leder und, ich muss es fast sagen, billig wirkendem Holz. Der Tacho geht bis 260, das ist eine richtige Angeberkiste geworden.

Der VW Passat Variant ist premium geworden. Und erwachsener. Der neue ist 9,2cm länger und 7,4cm breiter. Dies kommt vor allem den Hinterbänklern zugute. Wir gönnen uns die Ausstattungsvariante Sportline mit Sportfahrwerk und Sportsitzen. Macht schon mal schlappe 31.475 Euro. Damit nicht genug: Metallic-Lackierung und 17er Alus für zusammen 1000 Euro.

Ausstattungswahn auch in der Hütte: So viel Pappelmaserholz-Dekor ist schon S-Klassen-verdächtig. Der Preis: 790 Euro. Business-Paket mit Telefon, Navigationsgerät, Tempomat mit Abstandsregler und Reifendruckkontrolle.

Bei so viel Holz ist dann Klima inklusive. Na wenigstens etwas.

Ausdrücklich loben wollen wir die Übersichtlichkeit und die vielen Ablagemöglichkeiten Die Ledersportsitze verdienen das Prädikat langstreckentauglich, geben Halt und sind bequem.

Ein echter Knieschoner ist die Rückbank, sogar bei Körpergröße 1,90.

Insgesamt 10.000 Euros Extras stecken in unserem Passat. Macht in der Summe 41.000 Euro. Dafür kann man sich auch einen A6 Avant in die Garage stellen.

Mit so viel Schnickschnack an Board ist eine Fahrt im Passat sehr komfortabel. Doch bei sportlicher Fahrweise führt man das Sportfahrwerk schnell an seine Grenzen. Der Passat neigt dann leider zum Untersteuern. Gut, dass ESP serienmäßig an Board ist.

Der 2-Liter-Diesel überzeugt nicht ganz, das volle Drehmoment von 203Nm liegt erst bei 2500 Umdrehungen an. Daraus resultiert eine notorische Anfahrschwäche. Das nervt, vor allem im Stadtverkehr. Das Navi arbeitet zuverlässig. Nur die langen Ladezeiten haben uns gestört.

Am VW Passat gefällt mir vor allem diese Größe. Damit ist es dem Segment zwar schon entschlüpft, aber Platz kann man eigentlich nie genug haben. Dazu kommt die Sitzposition, auf der man sich auf Anhieb wohlfühlt und die auch Langstrecken frisst, wie man an unseren Dauertests ganz gut sehen kann. Was mir nicht so gut gefällt, ist so mancher Materialmix hier innen: Allein am Lenkrad habe ich drei Materialien, die überhaupt nicht zusammenpassen.

Leider ist das Direktschaltgetriebe mit den 140-Diesel-PS unterfordert.

Sonst hat er noch ein paar ganz lustige Gimicks, unser Dauertester. Ein Abstandsradar, was in Deutschland eher weniger Sinn macht, muss ich sagen, weil einfach die Geschwindigkeiten, da funktioniert das nicht so gut. Aber wie ich immer nach Hause gefahren bin, bei 140 oder so, in Österreich, wenn man so schön dahincruist im Verkehr, dann passt das schon. 

Der VW Passat Variant 2.0 TDI ist ein richtig gutes Langstreckenfahrzeug. Die Autobahn ist sein Revier. Spurrillen lassen sich im Passat nur erahnen. Die Windgeräusche sind bis 170 km/h überhörbar, bei der Höchstgeschwindigkeit von 203 km/h akzeptabel. So bleibt einem nach langen Fahrten der Gang zum Chiropraktiker erspart.

Insgesamt sind nach zehn Monaten mehr als 50.000km zusammengekommen. Sehr viel für einen Dauertester. Stellt sich die Frage nach dem Verbrauch: VW gibt 6,8 Liter an. Unser Durchschnittsverbrauch lag bei 8 Litern.

Letzter Programmpunkt jeden Dauertests: der Leistungs- und Verschleiß-Test beim ADAC

Komisch: Unterwegs scheint der Passat ein paar PS verloren zu haben. Wie kommt's?

Bei der Messung im Januar haben wir 102KW festgestellt, der Hersteller gibt 103 KW vor. Jetzt, neun Monate später, bei circa 66.000km haben wir 99KW festgestellt. Das ist etwas weniger. Das kann sich aber durchaus durch das leichte Verrußen im Stadtverkehr ergeben.

Der Test der Stoßdämpfer ist einwandfrei. Auch die Bremsen haben den Dauertest gut überstanden.

Apropos Bremsen: Viele Zuseher haben uns geschrieben, dass schon nach einigen Tausend Kilometern die Bremsscheiben vorne abgefahren waren. Bei unserem Dauertester war dies nicht der Fall. 

Nach 14.000 km leuchtet bei unserem VW Passat Variant 2.0 TDI die Airbag-Leuchte. Also ab in die Werkstatt, hier erfolgt ein Komplettaustausch der Airbag-Elektronik im Sitz. Kostenpunkt: 209 Euro. Ärgerlich. Ganze drei Mal sind wir wegen des gleichen Problems beim Kundendienst.

VW Passat Variant 2.0 TDI Dauertest Fazit: 

Der VW Passat Variant 2.0 TDI hat uns im Dauertest überzeugt. Zuverlässigkeit und Fahrkomfort wussten alle Fahrer zu schätzen, die Übersichtlichkeit und das Platzangebot sind echte Kaufargumente. Negativ: Der 2.0 TDI in Verbindung mit ESG ist einfach nicht sportlich genug. Und ein Passat jenseits der 40.000 Euro ist eigentlich kein Passat mehr. In unserem Fuhrpark hinterlässt er trotzdem eine schwer zu schließende Lücke.

  • Thomas Harloff

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