Montag, 24.01.11 Harloff, Thomas

VW Fox 1.4 TDI vs. Fiat Panda 1.3 Multijet : Vergleich der Diesel-Knirpse

Vergleich der Diesel-Knirpse

Es tut sich was in der bedieselten Minimagerklasse. Wenn die Turbolust von vorne zieht und man mit zwei Knirpsen endlos flieht, ist sofort klar, der Spaß am Geiz ist heiß. Italiens munteres Common Rail Bärchen trifft auf Wolfsburgs knurrenden Pumpedüse Fuchs. Fiat Panda gegen VW Fox. Gerade einmal 11.500 Euro kostet der Panda mit seinem 70 PS Vier-Zylinder Turbodiesel. Noch größer werden die Augen beim Verbrauch. Vier Komma Drei Liter auf 100 Kilometer, Wahnsinn! Etwas rustikaler, das ebenfalls 70 PS starke Drei-Zylinder Pumpedüse-Aggregat im Fox. Der Grundpreis geht in Ordnung, der Verbrauch ist trotz Zylindervorteil mit Vier Komma Neun Litern höher. Panda und Fox, zwei Lifestyle-Artikel im Bonsai-Format. Vor allem der Fiat, gefällt mit seinen klaren Linien im One Box Design. Die schwarze Dachreling kostet 150 Euro Aufpreis. Frisch aus Brasilien, der neue Fox. Der Nachfolger des Lupo basiert auf der Bodengruppe des aktuellen Polo und wirbt mit seinem langen Radstand und der imensen Bodenfreiheit, viel wuchtiger als der Panda. Die Polsterstoffe im Markisenstyle sind hochwertig. Die Langstrecken-Qualität der Sitze überzeugt. Ein Fach unter dem Gesäßpolster des Fahrers sorgt für Ordnung. Doch spätestens beim Anblick des Cockpits hüpft das Spiegelei freiwillig aus der Pfanne. Ein bisschen schwarzes Plastik hier, noch mehr schwarzes Plastik da. Der Fox enttäuscht sein junges Publikum, ganz klar. Was für ein Licht, was für eine helle Freude, der Panda glänzt mit Herzenswärme. Die Kommandozentrale wirkt durchgestylt. Material und Verarbeitungsqualität toppen das Geisterbahnensemble des Fox bei Weitem. Beim Langstreckenkomfort müssen die Pandasesseln Federn lassen. Das Gestühl wirkt auf Dauer drahtig. Sehr zu empfehlen, das 850 Euro teure Skydome Glasgebilde. Sieger des Kapitels Emotion und Design: Der Fiat Panda. Dreizylindrige Pumpe-Düse trifft viertöpfigen Common Railer. Doch selbst mit 70 PS lassen sich vortrefflich Kilometer fressen.Allerdings mit unterschiedlichem Gewürz. Fast schon traktorenhaft setzt sich der scharf knatternde Dreizylinder des Fox in Bewegung. Die Leistungsabgabe erfolgt sehr gleichmäßig. Der TDI-typische Turbo-Schub bleibt völlig aus. So ist der Fox rein subjektiv kein potenter Reißer, sondern eher Drehzahl-Beisser. Besonderes Lob verdient die erwachsene Straßenlage und das agile Kurvengefühl. Ein weiterer Vorteil der Polo Bodengruppe. Doch, wenn der Panda mit seinem Multijet zum Angriff bläst, muss der Fox troz Hub- und Drehmomentvorteil den Italiener ziehen lassen. Ist das Mini-Turbolöchlein erst einmal überwunden, gehts nicht nur munter, sondern kultiviert nach vorn. Während der Fox auf geradem Autobahngeläuf bei etwas über 160 seine Segel streicht, marschiert der Panda bis auf 180 Sachen. Respekt! Lediglich beim Kurvenglätten hat der Panda aufgrund kleinerem Radstand und geringerer Spur keine Chance gegen den Fox. Zum Sieg des Performance Kapitels reicht es aber allemal. Wer mit beiden Knirpsen durch die City wieselt, stellt schnell fest, die Kombination aus kleiner aber hoch aufragender Nutzfläche, gepaart mit aufgebockter Sitzposition, hat im Verkehrsgewühl durchaus Vorteile. Übersicht ist praktisch überall vorhanden. Die Parkplatzsuche entwickelt sich zur Nebensache und dank extremer Wendigkeit, kann man im Urban-Getümmel lässig durch die Lücken dübeln. Doch spätestens beim Shopping, kennt der Konsumfreund keine Gnade. Ordert man beim Panda die verschiebbare Rückbank für 250 Euro, variiert zwar das Kofferraumvolumen, doch die Konstruktion frisst Stauraum. 370 Kilo Zuladung und 12 Wasserkisten sind nur mittelmäßig. Besser der Fox. Rückbank zweimal gefaltet, und schon stehen über 1000 Liter Gepäckvolumen zur Verfügung. 240 mehr als im Panda. Mit knapp 500 Kilo Zuladung und fast 18 Wasserkisten zeigt er schon fast Transporterqualitäten. Klarer Gewinner des Kapitels Alltagstauglichkeit: Der VW Fox. Mindestens 11.490 Euro kostet der Panda Dynamic mit 70 PS Diesel. Die Ausstattung samt Seitenairbags, Zentralverriegelung und elektrischen Fensterhebern vorn ist umfangreich. Die Versicherung mit Vollkasko Klasse 13 ist, wie der Testverbrauch von etwas über 5 Litern, ebenfalls sehr attraktiv. Zudem spart man rund 30 Euro Steuern pro Jahr, da der Hubraum des Fiat kleiner ist. Deutlich kostspieliger der 11.550 Euro Fox, denn im Basispreis des Eins Komma Vier Liter TDI sind weder Zentralverriegelung noch elektrische Fensterheber enthalten. Seitenairbags kosten nochmal extra.  Zudem gibt es den Fox nur als Dreitürer. Bei Steuer und Versicherungseinstufung muss er sich ebenfalls geschlagen geben. Klarer Sieger des Kapitels Kosten: Der Fiat Panda. Was für ein Einstand! Der Panda kann auf ganzer Linie überzeugen.  Kraftvoller Motor, anständiger Verbrauch, reichhaltige Ausstattung, netter Innenraum. Nur bei der Variabilität und bei den etwas zu schwach zu dimensionierten Sitzen muss er Farbe bekennen. Sattes Fahrwerk, günstiger Verbrauch, großes Raumangebot. Der Fox profitiert von Plattform oder (Prodo). Doch der Motor ist unkultiviert, die Ausstattung mager und die Kosten deutlich höher. Ach ja, ESP gibts bei beiden natürlich auch. Kostenpunkt bis 500 Euro.

  • Thomas Harloff

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