Montag, 24.01.11 Harloff, Thomas

Opel Signum vs. Audi A6 : Opels Angriff auf die obere Mittelklasse

Mit dem Signum will Opel die Konkurrenten angreifen.

Sie sind die erste Wahl bei Außendienstlern. Kombis mit sparsamen Dieselmotoren, Drehmoment satt und natürlich Stauraum ohne Ende. Einer, der auf vielen Wunschlisten ganz oben steht, der Audi A6 Avant. Mit ihm treten die Ingolstätter den Kampf an gegen Marktführer Mercedes Benz T Modell. Diese Lastesel sind nicht nur praktisch, sie werten den Fahrer durch ihr hohes Image auf. Das soll auch für den soeben vorgestellten neuen BMW Fünfer Touring gelten. Nachteil der Platzhirsche: Der Preis. Unter 34.000 Euro geht gar nichts. Da stellt sich dem findigen Firmenchef die Frage, wie kommen meine Außendienstler günstiger und trotzdem gut ans Ziel. Eine Möglichkeit: Der Opel Signum, der klassenlose Rüsselsheimer hat die Gene, um im für Opel inzwischen ungewohnten Revier der Oberklasse zu wildern. Mit gut 200 Km/h Spitze und einem Kampfpreis von 25.000 Euro. Der übermächtige Gegner Audi A6, selbst mit der kleinsten Motorisier ung liegt er in fast allen Leistungsmerkmalen vor dem Opel, wenn auch nur knapp. Dazu kommt das enorme Image. Allerdings ist der A6 Avant auch ein Drittel teurer als der Rüsselsheimer. 8.600 Euro Preisvorteil! Eins zu Null für Opel. Im Unterhalt liegt der Rüsselsheimer, dann allerdings über dem ingolstätter. Null Komma Sechs Liter mehr Verbrauch, höhere Steuer, wegen des größeren Hubraums und eine um drei Stufen höhere Kaskoklasse relativieren den Preisvorteil etwas. Unterschiedliche Wege beim Design. Den schwungvoll abgerundeten Formen des A6 steht die massive  Optik des Signum entgegen. Unter der Haube ein Zwei Komma Zwei Liter Turbodiesel mit 125 PS. Und damit geht es ganz gut voran. Allerdings könnte die Gasannahme etwas spontaner sein. Und auch schnelles hoch drehen ist seine Sache nicht. Ein weiteres Manko ist die gefühllose und recht indirekte Lenkung. Gerade in schnellen Kurven kommt so kaum Fahrspaß auf. Die Schaltung dagegen biet et keinen Grund zur Klage. Weniger Hubraum und mehr Leistung gibts im Audi. 130 PS sorgen hier für Vortrieb. Obwohl die objektiven Unterschiede zum Opel gering sind, lassen die spontane Gasannahme und die Drehfreude den Audi subjektiv einfach agiler erscheinen. Die Lenkung setzt Befehle direkt um und kurvige Landstraßen sorgen für Fahrspaß. Für die Schaltung belibt eigentlich nur ein Wort: Perfekt! Zwischenstand Opel gegen Audi Eins zu Eins. Im Opel Innenraum erwartet den Fahrer für gut 2.300 Euro Aufpreis Ledergestühl, dass sich elektrisch perfekt auf jede Körpergröße einstellen läßt. Die Memoryfunktion merkt sich sogar die Position des innenspiegels. In Höhe und Länge verstellbar, das griffige Lenkrad. Obwohl der Vordersitz ganz hinten steht, bietet der Fond üppige Platzverhältnisse, das riecht nach S Klasse und Co. Wer's enger mag, kann die Rückbank verschieben. Die Audi Seriensitze lassen sich in der Höhe elektrisch v erstellen. Personen über Eins Neunzig finden jedoch erst nach längerer Suche eine passende Sitzposition. Standard auch hier: Das komplett verstellbare Lenkrad. In der zweiten Reihe bietet der A6 deutlich weniger Platz als der Signum. Punkt für Opel: Zwei zu Eins. Im Audi wirken Knöpfe und Schalter hochwertig und der aufpreispflichtige Tempomat ist am stabilen Blinkerhebel gut bedienbar. Anders beim Signum. Hier liegt der Tempomat fummelig am Blinkerhebel, der noch dazu keinen sehr stabilen Eindruck macht. Auch das blinken an sich ist sehr gewöhnungsbedürftig. Nur all zu leicht setzt man beim Versuch den Blinker auszumachen, diesen gleich wieder auf der anderen Seite. Denn dem Schalter fehlt ein Druckpunkt, der die Mittelstellung anzeigt. Zwei zu Zwei. Zwischen 360 und 1.410 Liter Stauraum finden sich im Heck des Opel. Dank der durchdachten Klappkonstruktion entsteht eine ebene, gut nutzbare, rechteckige Fläche. Bis zu 1.590 Liter passen in den A6, allerd ings ist der durch die Radhäuser eingeengte Stauraum schlechter nutzbar. Opel geht in Führung: Zwei zu Drei. Günstiger Pragmatiker oder eher stylischer Lifestyle Typ. Für welchen der beiden soll man sich nun entscheiden. Für den Audi sprechen ganz klar der starke und trotzdem sparsame Motor, gepaart mit der direkten Lenkung und dem guten Fahrwerk. Auch das gute Image darf man nicht vergessen, all das muss man aber auch teuer bezahlen. Der Signum überzeugt durch seine Raumausnutzung und dem günstigen Grundpreis. Detailschwächen, wie die indirekte Lenkung und der unspontane Motor nerven anfänglich, man kann sich jedoch schnell daran gewöhnen. Bei der Frage, welcher der Beiden ist der richtige für Außendienstler, heißt die Antwort daher schnell: Opel. Er ist günstiger und praktischer. Beim privaten Autokauf könnte es dagegen eher heißen: A6. Das nötige Kleingeld natürlich vorausgesetzt.

  • Thomas Harloff

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