Montag, 24.01.11 Maier, Florian

Lada Niva vs. Suzuki Jimny : Offroad-Zwerge im Vergleich

Offroad-Zwerge im Vergleich

Jäger haben es heutzutage nicht leicht: Die Pacht wird immer teurer und die Wildschweine immer seltener.
 
Sparen lautet die Devise, vor allem beim Fuhrpark. Billig, klein und handlich muss der Untersatz des Waidmanns sein. Und natürlich mit Nehmerqualitäten. Ein Blick über den Horizont kann da nicht schaden. Wie wäre es zum Beispiel mit einem luftigen Tierchen aus Japan? Oder dem urigen russischen Zebra?
 
Der Lada Niva und der Suzuki Jimny sind nicht nur robust, sie sind vor allem eins: billig. Für rund 10.000 Euro gibt es den Lada. Der Suzuki kostet gut 4000 mehr. So preisgünstig sieht des Jägers Liebling von heute aus.
 
Obwohl der Lada Niva schon mehr von Gestern ist. 1976 in Russland entwickelt bleibt dieser Held der Arbeit heute fast unverändert und auch von den 40 Prozent Marktanteil in den 80er Jahren ist nichts mehr übrig.
 
Der jetzige Suzuki Jimny ist der Urenkel des legendären LJ 80. Seit 1998 auf dem Markt bietet der Kleine für 200 Euro Aufpreis Frischluft-Feeling. Damit ist der Jimny eines der preiswertesten viersitzigen Cabrios mit zusätzlichem Geländespaß.
 
Schon nach wenigen Kilometern im Lade wird klar, wie verdammt verwöhnt wir sind in unseren modernen Hightech-Autos. Mit dem Niva zu fahren bedeutet den Rückfall in die technische Steinzeit: keine Servolenkung, kein ABS, keine Airbags, nur dieses ständige Vibrieren und Rütteln, vor allem bei höheren Geschwindigkeiten.
 
Schuld ist nicht der Lada, sondern der kapitalistische Fortschritt. Er hat das russische Urgestein um Lichtjahre altern lassen.
 
Geradezu modern ist man im offenen Suzuki unterwegs. Das fühlt sich in jedem Fall schon mehr nach Auto an. Kurze Schaltwege und eine Kugelumlauf-Lenkung mit Servo sorgen für ein Minimum an Komfort. Von Luxus ist trotzdem keine Rede: Die schraubengefederten Starrachsen beschränken sich auf das Wegfiltern des Allergröbsten.
 
Trotz dieser Schwächen ist der Suzuki auf der Straße dem russischen Oldie um Längen überlegen. Das Kapitel 'Wir haben fast eine Performance' geht somit an den Jimny.
 
Der Suzuki Jimny sieht zwar zerbrechlich aus, hält aber mehr aus als viele Große. Ohne jegliche Elektronik wieselt der Offroad-Mini mit seinem simplen, lediglich starr zuschaltbaren Allradantrieb durch den Schlamm. Größter Vorteil: die 1000kg Leergewicht. Dank Geländeuntersetzung und toller Achsverschränkung muss sich der Suzukifahrer vor fast gar nichts fürchten.
 
Nur vor den unscheinbaren und tückischen Pfützen im Offroad-Park Langenaltheim müssen wir den straßenbereiften Jimny-Piloten warnen. Aber zum Glück ist unser russisches Zebra mit von der Geländepartie.
 
Lässt der Lada auf der Straße auch viel vermissen, im matschigen Gelände wird er zum souveränen Helden. 65Cm Wattiefe sagen alles, der permanente Allradantrieb und die Geländeuntersetzung mit sperrbarem Zentraldifferential sorgen für stetiges Vorankommen auf jeglichem Untergrund.
 
Bei der letzten Prüfung für Mensch und Maschine flattern die Nerven: der gefürchtete Steilhang. Dieser Berg aus Geröll und Schotter kostet dermaßen viel Überwindung. Also, Erster rein und Vollgas. Und bitte, bitte bloß nicht stehenbleiben.
 
Umso verständlicher ist das Glücksgefühl am Gipfel.
 
Doch auch der Suzuki lässt sich nicht lumpen. Ohne Fehl und Tadel schafft der Jimny den Steilhang. Für den Sieg im Kapitel Offroad reicht es aber dann doch nicht. Der Lada Niva gewinnt diese Wertung knapp.
 
Unschuldig und knuffig sehen sie beide aus. Nett hochgelegt auf ihren dünnen Reifchen. Dabei haben es die Kleinen faustdick hinter den Ohren ihrer Spezialversionen. Rock am Ring bring neben der üblichen Rundumverschwellerung und CD-Radio die richtige Musik in den Jimny.
 
In der Safari-Edition zeigt sich das Lada von der wilden und ungezügelten Seite. Zusätzlich zur dezenten Lackierung sollen diverse Schutzbügel und Dachträger für mehr Respekt bei den modernen und gestriegelten SUV's sorgen.
 
Der Innenraum des Niva versprüht den Charme eines russischen Busbahnhofs. Wenigstens funktionieren die Schalter. Das speckige Plastik stammt noch aus den Anfängen der sibirischen Kunststoffproduktion.
 
Dagegen sind die Kunststoffe im Suzuki sorgfältig verarbeitet. Wertvolle Materialien und üppige Platzverhältnisse sind in dieser Preisklasse nicht inklusive. Je ein Airbag für den Piloten und seinen Co im Fond schon. Die Gäste hinten dürfen dafür draußen sitzen. Der Sieger in dieser Rubrik steht fest und heißt: Suzuki Jimny.
 
Unerklärlich beim Suzuki gleibt, dass man bei einem Offroader erst die lackierten Schweller abmontieren muss, bevor man ins Gelände fahren kann.
 
Und über den Ganghebel im Lada Niva sagen wir lieber nichts.
 
Für den Lada Niva sprechen zwei Dinge: die Offroad-Eigenschaften und der Preis. Gegen den Niva spricht die Uralt-Technik von 1976, er ist der neue Oldtimer.
 
Sicher und besser verarbeitet ist man im Suzuki unterwegs. Das Platzangebot und der Komfort bleiben jedoch auf der Strecke und machen den Unterschied zu einem richtigen Auto deutlich. Trotzdem zieht der Jimny mit seiner Kombination aus offenem und urigen Fahrspaß am sympathischen Lada Niva vorbei. Der Held der Arbeit ist eben in die Jahre gekommen.
 
Und schließlich hat sich auch die Wildsau für den Suzuki entschieden.

  • Florian Maier

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