Montag, 24.01.11 Maier, Florian

Jaguar X-Type D vs. BMW 320d : Vergleich in der Diesel-Mittelklasse

Wir haben den X-Type gegen sein bayerisches Pendant den 3er BMW antreten lassen. England gegen Deutschland. Wer hat die Nase vorn?

Jaguar im Wandel. Zuerst der Diesel dann der Kombi. Puristen fürchten schon den Untergang der guten alten Welt. Anstatt jedoch ein zu stimmen in den Chor der Empörten, bleiben wir lieber bei der Sache. Und lassen den  X-Type Diesel gegen den Klassenprimus antreten: Den BMW 320 D. Das Rezept in der Mittelklasse ist einfach:Ohne Diesel, kein Markterfolg. Und was einem Bayern oder Schwaben recht ist, wird einem Briten doch wohl billig sein dürfen. So waren die Vorgaben für Jaguar klar. Und ein Motor aus dem Konzernregal rasch gefunden. In der ersten Diesel Raubkatze nagelt ein 130 PS starker Vierzylinder aus dem genetisch nahen Ford Mondeo. 20 PS mehr leistet die verkaufsstärkste Variante der BMW Dreier Reihe. Der 320 D setzt die Maßstäbe im Segment. Geschenkt bekommt man übrigens hüben wie drüben nichts. Die Preise starten bei rund 27 beziehungsweise 28.000 Euro. Neu am Kampf zwischen BMW und Jaguar ist auch das Duell BMW Hec k- gegen Jaguar Frontantrieb. Bisher hatte eine echte Katze stets auf vier Pfoten unterwegs zu sein. Schnee bietet die ideale Grundlage, um die Kontrahenten auf die Probe zu stellen. Ohne elektronische Helfer hat der Jaguar klar die Schnauze vorne. Der Dreier hingegen schwänzelt mit seinen 150 Pferdchen hinterher. Mit eingeschalteter Elektronik siehts für den Hecktriebler besser aus. Die Technik hält das üppige Kraftangebot dosierter im Zaum. Bei Slalom zeigt sich im Jaguar, dass viel Drehmoment und Frontantrieb nicht unbedingt harmonieren. Die Grenzen sind an der leichtgängingen Lenkung deutlich zu spüren. Pluspunkte gibts für hohe Kurvenstabilität und ausgeprägte Handlichkeit. Handlichkeit ist auch das Stichwort beim Dreier. Eine Dosis Strafheit gepaar mit einer perfekten Abstimmung führen zur markentypischen Dynamik. Lenkung und Kurvenhandling sind in dieser Klasse nach wie vor das Maß aller Dinge. Den Jaguar deshalb aber als unsportlich a bzustempeln, wäre übertrieben. Zu handlich und zu präzise sind seine Fahreigenschaften. Dennoch hat der Bayer hier die Nase vorn. Rund und knuffig der eine, eckig und kantig der andre. Die Akzente in Chrom sind beim Briten geschickt gesetzt und sollen den Premium-Anspruch verstärken. Diese Formensprache der Kontrahenten setzt sich auch am Heck fort. Nach wie vor ungewohnt beim Briten, ein Diesel Typen Schild. Gar nicht Premium like, die aufgeklebte Einparkhilfe. Stauraumtechnisch hat der BMW das Nachsehen. 440 Liter Ladevolumen bedeuten 12 Liter weniger als beim X-Type, der noch dazu die größere Klappe hat. Reichlich Platz gibts beim Jaguar sowohl hinten, als auch vorne. Für rund 2.000 Euro sorgen Leder und andere edle Materialien für Wohlfühlatmosphäre. Hier macht den Briten so schnell keiner was vor. Verarbeitungstechnisch, naja, bei uns war die Lüftungsabdeckung lose, ansonsten Wohnzimmerfeeling pur auf den breiten Sofas. Deutlich enger ge schnitten ist das Gestühl im BMW. Im Land der kostenspieligen bayrischen Aufpreise ist fast nichts unmöglich. Ergonomie und Verarbeitung verstärken den gehobenen Qualitätseindruck im Dreier Cockpit. Das gute Platzangebot wird durch die geringe Zuladung von 380 Kilo eingeschränkt. Das Sahnestück sitzt unter der Haube. Kraft, Temperament und Laufkultur sprechen für den Vierzylinder. Einziger Vermutstropfen: Die Euro Drei Einstufung ohne Partikelfilter. Der 130 PS starke Diesel von Ford fällt auch im X-Type nicht unangenehm aus der Rolle. Außer durch Schadstoffklasse Euro Drei, ansonsten passt das dieseln zum Jaguar. Doch Raum für Verbesserungen bleibt. So währt der Dieselschub nur relativ kurz und lässt uns öfter durch die Fünf Gänge schalten. Das wirkt sich auch auf den Verbrauch aus: Sieben Komma Sieben Liter im Test. Mit einem Gang mehr kann der BMW aufwarten. Das fordert nicht nur die Agilität in allen Lebenslagen, sondern mi ndert auch den Verbrauch bei langen Autobahnfahrten. Die rund Sieben Liter Diesel sprechen eindeutig für das präzise Sechsganggetriebe im Dreier. Angesichts dieser Qualitäten wird die Luft dünn für den Konkurrenten aus England. Denn der Dreier glänzt in fast allen Disziplinen, wie Handling, Motor und Qualitätsanmutung. Minuspunkte kassiert der BMW für die happige Aufpreispolitik und die dreckige Luft. Verstecken muss sich deswegen der Jaguar mit seinem Dieselherzen nicht. Seine ausgeprägte Handlichkeit und das gute Raumangebot sprechen für die Raubkatze. Der fehlende, verbrauchsschonende sechste Gang und nur Euro Drei trüben jedoch das Bild. Fazit: Der BMW Dreier ist noch immer Maß der Dinge in der Mittelklasse. Er kann fast alles und vieles einfach ein bisschen besser. Eine exklusive Alternative ist X-Type Diesel aber allemal. Profitiert er doch vom Image der viel größeren Raubkatze.

  • Florian Maier

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