Donnerstag, 25.09.14 Schwarz, Robert, SID

Fredi Bobic Entlassung 2014 : VfB-Bosse: Bobic-Trennung war erst nach Dortmund-Spiel geplant

Nach Aufkommen diverser Medienberichte über die Trennung von Sportvorstand Fredi Bobic ging es beim VfB Stuttgart ganz schnell. Noch vor dem Spiel gegen Dortmund wurde der 42-Jährige entlassen. Der Aufsichtsratsvorsitzende Joachim Schmidt und Präsident Bernd Wahler dankten Bobic für die langjährige Zusammenarbeit.

Ein Neubeginn mit Mister X: Nach der Trennung von Fredi Bobic soll ein neuer Sportchef die Dauerkrise bei Fußball-Bundesligist VfB Stuttgart beenden und den fünfmaligen deutschen Meister endlich wieder nach oben führen. "Was ich mir verspreche, ist ein Neubeginn, eine neue Perspektive", sagte Aufsichtsratschef Joachim Schmidt am Donnerstag. Der Klub wolle endlich "Ruhe haben", ergänzte Präsident Bernd Wahler - "und mit dem Abstieg nichts zu tun".

Wer der neue, starke Mann beim VfB werden soll, ließ die Vereinsspitze aber zunächst offen. Einem Bericht des Fachmagazins kicker zufolge ist der frühere Nationaltorhüter Jens Lehmann einer der Kandidaten. Lehmann, zwischen 2008 und 2010 im VfB-Tor, passe als Ex-Stuttgarter und nach absolviertem Fernstudium in Sportmanagement ins Profil.

Wahler wollte Namen jedoch nicht kommentieren. Der Neue brauche in erster Linie Fußballkompetenz, sagte er, außerdem müsse er "Management- und Führungsaufgaben" wahrnehmen können. Und, für den Präsidenten ganz wichtig: Der Neue "muss dazu beitragen, Vertrauen in meine Person zurückzugewinnen." Denn auch Wahler war zuletzt in die Kritik geraten. Viele Anhänger hätten den "Schönwetter-Präsidenten" am liebsten gleich mit in die Wüste geschickt.

Überhaupt sei die Stimmung bei "Sponsoren, möglichen Investoren, Dauerkarten-Besitzern und Mitgliedern" zuletzt nicht gut gewesen, fügte Chef-Aufseher Schmidt an. Mit der Demission von Bobic solle sich das ändern. Bis ein Nachfolger gefunden ist, werden Trainer Armin Veh und Sportdirektor Jochen Schneider dessen Aufgaben übernehmen, laut Wahler "in enger Abstimmung mit mir".

Einige Kandidaten für eine langfristige Lösung haben bereits signalisiert, dass sie kein Interesse haben. "Ich bin hier und ich bin gerne hier", sagte Ralf Rangnick nach dem 3:1 seines RB Leipzig gegen den Karlsruher SC am Mittwochabend. Der frühere VfB-Coach galt als (allerdings wenig realistische) Traumlösung. Der ehemalige VfB-Profi Michael Zeyer, seit September 2013 bei Stadtrivale Kickers in der 3. Liga Sportdirektor, winkte ab. Und Karlsruhes Jens Todt sagte bei Sky: "Wir beschäftigen uns hier mit anderen Dingen. Ich werde das nicht kommentieren."

Nach Informationen Stuttgarter Medien könnte auch der ehemalige U21-Nationaltrainer Rainer Adrion, der derzeit "sportlicher Leiter Nachwuchs" ist, aufrücken. Oder Veh, sofern es dem VfB gelingt, seinen ehemaligen Jugendtrainer Thomas Tuchel zurück an den Neckar zu holen. An Veh als Coach rütteln will der VfB aber derzeit nicht. "Für mich ist klar: Armin Veh passt zum VfB", sagte Wahler. Das hätte das Unentschieden in Dortmund gezeigt: "Das war kein Zufall, da steckt systematische Arbeit dahinter. Ich bin überzeugt, dass das so weitergeht."

Nach nur zwei Punkten aus fünf Spielen mit Platz 17 ist dies auch ein Muss. Vehs neuer Vorgesetzter soll daher auch dazu beitragen, dass der VfB "besseren Fußball" spielt, wie Schmidt betonte. Bobic habe man das nicht mehr zugetraut. Mit einem Etat von 40 Millionen Euro liege der Klub auf Platz sechs bis acht, sagte Schmidt, "es ist unser Anspruch, in der Bundesliga in diesem Bereich abzuschneiden". In vier Jahren unter Bobic gelang dies nur einmal."

Ein paar gute Transfers, ein gutes Händchen", verspricht sich Schmidt zudem vom Neuen - auch dies war eine Ohrfeige für Bobic. Der, versicherte Doppeltorschütze Daniel Didavi am Mittwoch, sei auch nur "der nächste Sündenbock" und nicht alleine für die laut Veh "vergiftete Stimmung" verantwortlich. Der Coach sieht sportlich trotz des Achtungserfolgs "noch keinen richtigen Neuanfang". Auf Mister X wartet viel Arbeit.

Joachim Schmidt, Aufsichtsratsvorsitzender VfB Stuttgart

  • über die Trennung von Sportvorstand Fredi Bobic: "Die Gründe sind maßgeblich im sportlichen Bereich zu sehen. Wir haben in den letzten Jahren nicht so abgeschnitten, wie wir uns das vorgenommen haben"
  • über den vorgezogenen Zeitpunkt der Entlassung: "Wenn die Medienberichte nicht erschienen wären, hätten wir uns nach dem Dortmund-Spiel von ihm getrennt"
  • über die Zukunft des VfB: "Ich wünsche mir einen Neubeginn"

Bernd Wahler, Präsident VfB Stuttgart

  • über den vorgezogenen Zeitpunkt der Entlassung: "Es war klar, dass Fredi Bobic am Mittwoch vor dem Spiel mit den Gerüchten um seine Entlassung konfrontiert worden wäre"
  • über die Reaktion von Fredi Bobic: "Er hat sehr professionell reagiert"

 

  • Robert Schwarz

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