Mittwoch, 11.09.13 Wagner, Christian

Wahlprognose 2013: Wer gewinnt die Bundestagswahl 2013? : Forscher wagen Prognose: Schwarz-Gelb kann weiter regieren

Wahlprognose 2013 Angela Merkel

Am 22. September wird der 18. Deutsche Bundestag gewählt. In den aktuellen Umfragen kann sich die schwarz-gelbe Koalition um Angela Merkel über einen hauchdünnen Vorsprung freuen. Rückendeckung erhält die Regierung auch von den Wahlforschern. Sie gehen in ihrer Wahlprognose 2013 von einem Sieg für CDU/CSU und FDP aus.

Wahlprognose 2013: Forscher wagen sich an Wahlvorhersage

Knapp zwei Wochen vor der Bundestagswahl 2013 blicken viele Bürger gespannt auf die Sonntagsumfragen, die TV-Sender und Zeitschriften veröffentlichen. Diese Zahlen basieren auf Telefonumfragen, die regelmäßig durch Umfrageinstitute wie Emnid oder Forsa durchgeführt werden. Weniger bekannt ist, dass Wahlforscher sich auch an eine Wahlprognose 2013 wagen ohne überhaupt die Bürger zu befragen. In den USA haben solche Prognosen bereits eine lange Tradition. Gerne werden vor den US-Wahlen Modelle entwickelt, die die Gewinnwahrscheinlichkeiten der Kandidaten ermitteln. Dabei wird in diesen Prognosen weniger auf die aktuelle Meinung der Wahlberichtigten gelegt. Vielmehr stehen empirische Berechnungen im Mittelpunkt, bei denen es um frühere Wahlergebnisse oder auch die wirtschaftliche Leistung des Landes geht. Zur Bundestagswahl in Deutschland haben bisher drei Forscherteams solch eine Wahlprognose 2013 aufgestellt.

Chancellor Modell: 51,7% für CDU/CSU und FDP

Thomas Gschwend (Universität Mannheim) und Helmut Norpoth (Stony Brook University) haben das sogenannte "Chancellor Modell" entwickelt. Zwar wird der Bundeskanzler in Deutschland nicht direkt vom Volk gewählt, doch die Kanzlerkandidaten beeinflussen die Entscheidungen der Wahlberechtigten erheblich. Die Wahlprognose 2013 von Gschwend und Norpoth betrachtet daher den langfristigen Wählerückhalt der Parteien, die Kanzlerunterstützung und den Abnützungseffekt der Regierung. So greift bei Regierungen, die zwei Legislaturperioden im Amt war, ein Korrekturfaktor, der die vorhergesagte Stimmenanzahl etwas abmindert. Die mit dem Chancellor Modell durchgeführte Wahlprognose 2013 sagt so ein Wahlergebnis von 51,7% für CDU/CSU und FDP voraus. 2002 führten Gschwend und Norpoth bereits eine Wahlvorhersage mit ihrem Modell durch und sagten 47,1% für Gerhard Schröders rot-grüne Regierung hervor und widersprachen damit den Meinungsforschern, die einen Sieg von Edmund Stoiber vorhersagten. Das tatsächliche Ergebnis von SPD und Grünen lag bei 47,5%. Auch bei den folgenden Bundestagswahlen konnten Gschwend und Norpoth die Regierungsparteien korrekt vorhersagen.

Wahlprognose 2013 mit dem Benchmarking-Modell: Sieg für Merkel

Auch die Hertie School of Governance versucht, die Ergebnisse der Bundestagswahl 2013 vorherzusagen. Für ihre Berechnungen verwenden sie unter anderem frühere Wahlergebnisse und die Eigenschaften von Regierung und Wählern. Dazu gehören die Anzahl der Legislaturperioden, die die aktuelle Regierung im Amt war sowie die Identifikation der Wähler mit den Parteien. Im Grunde ist das Modell also recht ähnlich zum Chanceller Modell. Neu ist hier allerdings, dass auch ein Vergleich der Wirtschaftsleistungen von Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien in die Wahlprognose 2013 der Hertie School einfließt. Entsprechend haben Mark Kayser und Arndt Leininger von der Hertie School of Governance ihr Modell auch "Benmarking-Modell" getauft. Glaubt man dieser Berechnung, kommt die Regierung von Angela Merkel bei der Bundestagswahl 2013 am 22. September einen Stimmenanteil von 47,05 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, dass CDU, CSU und FDP ihre gemeinsame Regierungsarbeit fortsetzen können, beziffern die Wissenschaftler mit 83,18 Prozent. 45,5 Prozent der Stimmen seien laut Kayser und Leininger nötig, um die Wahl zu gewinnen. Um ihre Wahlprognose 2013 und das System dahinter auf ihre Glaubwürdigkeit zu überprüfen, hat die Hertie School of Governance das Modell bei früheren Wahlen angewendet. Die Abweichung lag stets zwischen einem Zehntelprozent und 1,8 Prozentpunkte.

Political Economy Model: Sieg für Merkel, aber Ende von Schwarz-Gelb

Eine dritte Wahlprognose 2013 wurden von den Forschern Bruno Jérôme (Universität Paris), Véronique Jérôme-Speziari (University Paris) und Michael S. Lewis-Beck (University of Iowa) erstellt. Das Political Economy setzt dabei auf die politische und wirtschaftliche Leistung einer Regierung. Daher schauen sich Jérôme, Jérôme-Speziari and Lewis-Beck in ihrem Modell ein halbes Jahr vor der Wahl die Arbeitslosenzahlen an. Anders als beispielsweise das Chancellor Modell verzichtet das Political Economy Model auf Umfragen, wen die Wahlberechtigten lieber als Kanzler sehen wollen. Eine Besonderheit dieses Modells ist außerdem, dass für jede Partei im Bundestag ein Wahlergebnis vorhergesagt wird, wobei jeweils verschiedene Annahmen in die Berechnungen einfließen. So hat die wirtschaftliche Lage einen größeren Einfluss auf CDU/CSU und SPD als auf die FDP, die Grünen oder die Linke. Folgende Ergebnisse sagt die Wahlprognose 2013 für die Parteien vor: CDU/CSU: 41,86%, SPD: 28,60%, FDP: 4,90%, Grüne: 9,82%, Die Linke: 8,82%, sonstige: 5,95%. Daher ziehen die Forscher der Universität Paris und Iowa den Entschluss, dass Angela Merkel die Welt zwar gewinnen wird, zusammen mit der FDP jedoch eine Absolute Mehrheit knapp verfehlen wird. Die Forscher weisen zudem darauf hin, dass sie 1998 und 2005 mit ihrer Prognose richtig lagen, 2002 aber falsch lagen.

Wie steht die Wahlprognose 2013 zu den Sonntagsfragen?

Zur Beantwortung dieser Frage wollen wir uns auf die aktuellste Umfrage von Forsa beschränken, die im Auftrag von RTL und Stern durchgeführt wird. Hier verteilen sich die vorhergesagten Stimmen (am 11. September 2013) wie folgt: CDU/CSU: 39%, SPD: 25%, Linkspartei: 10%, Die Grünen: 9%, FDP: 6%. AfD und Die Piraten wären mit jeweils 3% nicht im 18. Bundestag vertreten. Weitere Wahlumfragen 2013 findet ihr auf der Seite wahlrecht.de. Gelistet sind die Daten vom Allensbach Institut für Demoskopie (im Auftrag der FAZ), Emnid (im Auftrag der Bild am Sonntag), der Forschungsgruppe Wahlen (im Auftrag des ZDF) und Infratest Dimap (im Auftrag der ARD). Die schwarz-gelbe Koalition käme damit auf 45 Prozent der Stimmen und bliebe damit weiterhin an der Regierung. Allerdings hätte sie weniger Sitze als bei den drei vorgestellten Modellen zur Wahlprognose 2013. Interessant ist im Übrigen auch die Übersicht, die der Suchmaschinen-Gigant Google ins Netz stellt. Dort könnt ihr sehen, wie häufig die Parteien und Spitzenkandidaten bei Google News genannt werden und wie häufig sie genannt werden (zu den Bundestagswahl 2013-Trends von Google). Auch für Erwähnung bei Twitter gibt es ein entsprechendes Wahlbarometer 2013. Eine verlässliche Wahlprognose 2013 lässt sich damit allerdings nicht erstellen.