Freitag, 06.08.10 Schwarz, Robert, Holger Holzer

Suzuki Jimny : Fahrbericht Suzuki Jimny: Für Jäger und junge Leute

Suzuki Jimny

Zwischen all den aktuellen Lifestyle-SUVs und Luxus-Geländewagen wirkt der Suzuki Jimny wie aus der Zeit gefallen. Der kantige Offroad-Mini verzichtet auf jeden trendigen Schnickschnack und setzt auf großes Klettertalent und einen kleinen Preis.

Zwischen all den aktuellen Lifestyle-SUVs und Luxus-Geländewagen wirkt der Suzuki Jimny wie aus der Zeit gefallen. Der kantige Offroad-Mini verzichtet auf jeden trendigen Schnickschnack und setzt stattdessen auf großes Klettertalent und einen kleinen Preis. Lediglich 14.600 Euro werden fällig - billiger kommt man kaum ins schwere Gelände.

Als der Einstiegs-Geländewagen von Suzuki 1998 in Produktion ging, steckte das SUV-Phänomen noch in den Kinderschuhen. Allrader waren vor allem fürs Gelände gedacht, nicht für den Boulevard. So auch der Jimny: Praktische, schnörkellose Offroader-Karosserie, nüchterne Cockpit-Materialien, robuster Leiterrahmen mit Starrachse und ein zuschaltbarer Allradantrieb mit zweistufigem Verteilergetriebe. Das Resultat ist eine hervorragende Übersichtlichkeit, ein pflegeleichter Innenraum und eine Geländegängigkeit, die modische SUV alt aussehen lässt.

Preis hoher Kompetenz abseits befestigter Straßen ist in der Regel eine schwächere Leistung auf dem Asphalt von Städten und Fernstraßen. Auch der Jimny macht da keine Ausnahme und fährt sich deutlich weniger komfortabel und agil als ein normaler Kleinwagen. Der kurze Radstand, verbunden mit dem hohem Schwerpunkt und der Schlecht-Wege-Federung macht die Fahrt zu einer leicht unruhigen Angelegenheit. Wer sich erst einmal daran gewöhnt hat, kommt aber schnell gut klar und empfindet sogar einen gewissen Fahrspaß. In der Stadt überzeugt der kurze Allrader mit Wendigkeit und guter Übersicht. Und selbst auf der Autobahn hält er sauber die Spur, übermäßiges Korrigieren der Fahrtrichtung ist trotz Starrachse nicht nötig. Einziger Motor im Programm ist ein Vierzylinderbenziner, der aus 1,3 Litern Hubraum 63 kW/86 PS schöpft. Trotz lediglich 110 Nm Maximal-Drehmoment hat das Triebwerk mit dem recht leichten und kleinen Allrader keine Probleme, in der Stadt geht es recht flott voran. Eher gemütlich gestaltet sich die Fahrt auf Landstraße und Autobahn: Eine Spurtzeit von 14,1 Sekunden von null auf 100 km/h macht für Überholmanöver eine gute Vorbereitung nötig, 140 km/h Höchstgeschwindigkeit lassen die rechte Autobahnspur zum Stammplatz werden. Trotz der mäßigen Leistung ist der an ein manuelles Fünfganggetriebe gekoppelte Motor jedoch nicht sparsam; die vom Hersteller angegebenen 7,2 Liter werden in der Praxis locker zu acht Litern Super.

Während der Alltagsnutzen bei Antrieb und Fahrwerk eingeschränkt, aber akzeptabel ist, bietet der dreitürige Jimny in Sachen Raumangebot und Variabilität deutlich weniger als moderne Kleinwagen. Schon vorne geht es trotz aufrechter Sitzposition und hohem Dach eher beengt zu, auf den zwei Sitzen im Fond haben Erwachsene und ältere Kinder nur im äußersten Notfall Platz. Häufig lohnt es sich daher, die Lehnen ständig umgeklappt zu lassen. Dann bietet der Wagen zumindest einen einigermaßen akzeptablen Kofferraum. Bei voller Bestuhlung hat jedoch kaum mehr als ein schmaler Aktenkoffer Platz.

Der Suzuki Jimny ist eben kein Alleskönner. Und das will er mit seinem Basispreis von 14 600 Euro auch gar nicht sein. Für das Geld bekommt man ein nur mit dem Allernötigsten ausgestatteten Fahrzeug. Extras wie Drehzahlmesser, Klimaanlage und CD-Radio gibt es erst in der höheren Ausstattungslinie für 17 000 Euro. Trotzdem bleibt der kleine Japaner ein Preisbrecher unter den Geländewagen. Billiger ist nur der 9 500 Euro teure Lada Niva. Der Russe kann es in Sachen Technik, Verarbeitung und Komfort mit dem Japaner aber nicht einmal ansatzweise aufnehmen. An laufenden Kosten kommen beim Suzuki für die Kfz-Haftpflicht beispielsweise 450 Euro bei der AXA und 130 Euro für die Steuer hinzu.

Jäger und junge Leute - das sind die beiden Zielgruppen für den Suzuki Jimny. Erstere erhalten einen robusten und wendigen Geländewagen für Wald und Flur, letztere ein preiswertes Freizeitfahrzeug, das aus dem Kleinwageneinerlei heraussticht - vor allem in der für 2.400 Euro Aufpreis angebotenen Cabrio-Version.

Bewertung:

Plus: hohe Geländegängigkeit, relativ geringer Preis

Minus: wenig Platz für Passagiere und Gepäck, eingeschränkter Komfort auf befestigten Straßen

Teststeno:

Viersitziger Geländewagen, Länge/Breite/Höhe/Radstand: 3,63 Meter/1,60 Meter/1,67 Meter/2,25 Meter, Leergewicht 1 120 kg, Kofferraumvolumen 113 Liter - 778 Liter, Zuladung 285 kg, Wendekreis 9,80 Meter

1,3-Liter-Ottomotor mit 63 kW/86 PS, max. Drehmoment 110 Nm bei 4.100 U/min, null bis 100 km/h in 14,1 Sek., Höchstgeschwindigkeit 140 km/h, Normverbrauch 7,2 Liter/100 km, CO2-Ausstoß 171 g/km, Euro 4, Kfz-Versicherung bei der Axa: HF 450 Euro (Typklasse 13, SF 1, Zulassung Düsseldorf, 100 Mio. Euro pauschal mit Schutzbrief), VK: 535 Euro (Typklasse 18, SF 1, 300/150 Euro SB), TK 73 Euro (Typklasse 18, SF 1, 150 Euro SB); Preis ab 14.600 Euro.