Donnerstag, 15.12.11 Schwarz, Robert, Marcel Sommer

Renault Twingo : Renault Twingo Facelift im Erstkontakt: Frauenauto reloaded

Renault Twingo

Es ist nicht so, dass der Renault Twingo jemals vor Männlichkeit gestrotz hätte. Trotzdem soll der Kleinwagen wieder weiblicher werden. Ob das Vorhaben gelungen ist, zeigt der Fahrbericht.

Das Ziel: Verschreckte Frauen zurückgewinnen

Ein großes Logo in der Mitte, zwei überdimensionierte Nebelscheinwerfer daneben und ein großer Lufteinlass darunter - der aktualisierte Renault Twingo will auffallen. Der seit 1993 deutschlandweit über 620.000 Mal verkaufte Kleinwagen wirkt nun größer und massiver, als er in Wirklichkeit ist. Dabei soll er in erster Linie die mit der Einführung der zweiten Twingo-Generation 2006 vernachlässigte Frauenwelt zurückerobern. "Wir sind deutlich weiblicher geworden", verrät Produktmanager Marc Osseux. " Mit den Farben Orchideen-Weiß, Türkis und Himbeere sowie einer Make-Up-Box wollen wir den Frauenanteil wieder zurückerobern, den wir durch das zu männliche Auftreten der noch aktuellen Version verschreckt haben."

Nicht ohne das berühmte Faltdach

Dem knapp eine Tonne leichten Frauenhelden wurde aber nicht nur das neue Markengesicht gegeben, auch am Hinterteil wurde ummodelliert. Neugestaltete Rücklichter, eine stärker gewölbte Heckklappe mit integrierten Rückfahrscheinwerfern und in Wagenfarbe gehaltene Seitenschutzleisten wollen gefallen. Heckspoiler, verchromtes Auspuffendrohr und Rennstreifen sind ausschließlich dem Twingo Gordini vorbehalten. Im Innenraum wurden dem 3,68 Meter kurzen Twingo neue Polsterstoffe, ein Zentraldisplay und unterschiedliche Türinnenverkleidungen spendiert. Optional steht ein elektrisches, zweigeteiltes Panorama-Glasschiebedach zur Auswahl. Das bekannte Faltdach steht beim Twingo Liberty ab Werk zur Verfügung. Anders als beim Vorgänger öffnet sich dies jetzt zeitgemäß elektrisch.

Warten auf den neuen RS

Dass Mann mit dem von Renault wieder als Frauenauto titulierten Twingo auch vor der Einführung des 98 kW / 133 PS starken RS-Modells im März Spaß haben kann, zeigt sich schon auf den ersten Metern im Topmodell, dem 102 PS starken Gordini. 9,8 Sekunden reichen dem ab 14.200 Euro teuren Zwerg für den Sprint auf 100. Auf freier Autobahn sind 185 km/h möglich. Die Geschwindigkeit wird nach wie vor digital in der Mittelkonsole dargestellt. Bei spritziger Fahrweise sorgt der kernige Sound mit hoher Drehzahl für das eine oder andere Lächeln bei den maximal vier Insassen. Doch während in der ersten Reihe die Kopf- und Beinfreiheit auch für Sitzriesen kein Problem darstellt, macht das Hintensitzen auch beim neuen Twingo keinen Spaß. Schon gar nicht, wenn aus Platzgründen die beiden Einzelsitze um 22 Zentimeter Richtung Motorhaube geschoben werden. Das beengte Sitzen gleicht der 1,66 Meter breite und 1,47 Meter hohe Fronttriebler mit einer sehr guten Rundumsicht durch die großen Fenster nur in Ansätzen aus.

Mehr Platz als gedacht

Bei Fahrten über Kopfsteinpflaster oder Bremshügel zeigen sich die Schattenseiten der Sportlichkeit. Die Federung verzeiht wenig und leitet das meiste direkt an den zu kurz geratenen Sportsitz weiter. Ärgerlich: der Renault Twingo Gordini verfügt nur über fünf Gänge - spätestens ab Tempo 120 wird es daher recht laut. Bei verhaltener Fahrweise kommt der 1,2 Liter-Vierzylinder-Turbomotor mit knapp sechs Litern aus. Der Tank fasst klassenübliche 40 Liter. Dass auch in der kleinsten Hütte auf den zweiten Blick mehr Platz verborgen ist als gedacht, zeigt der anfangs nur 165 Liter große Kofferraum. Durch das Verschieben der beiden Einzelsitze im Fond vergrößert sich das Gepäckvolumen auf stattliche 285 Liter. Wem das noch nicht reicht, der verschafft sich durch einfaches Umklappen der Rücksitze bis zu 959 Liter. Und auch für die vielen kleinen Dinge wie Mobiltelefon, Handtasche oder Bonbontüten hält der Renault bis zu 20 Liter an Staufächern parat. Allein das Handschuhfach fasst 13 Liter.

Großer Sicherheits-Fauxpas

Damit die Passagiere nicht nur voll bepackt, sondern auch sicher ans Ziel gelangen, verfügt der serienmäßig auf 15 Zöllern fahrende Twingo ab Werk über zwei Airbags für Fahrer und Beifahrer, zwei Seitenairbags in den Vordersitzen und gegen Aufpreis über zwei vorhangähnliche Fensterairbags, welche die Köpfe in beiden Sitzreihen schützen. ESP gibt es beim Gordini serienmäßig dazu. Peinlich: bei allen anderen Ausstattungsvarianten werden dafür 300 Euro fällig. "Uns war das Risiko zu groß, durch einen Preis über 10.000 Euro zu viele Kunden zu verlieren", begründet Marc Osseux das Fehlen des ESP in den ab 9.990 Euro kostenden Einstiegsvarianten. Der im Januar an einem Freitag dem 13. an den Start gehende Twingo wird im Rahmen einer Rabatt-Aktion bis zum 31. Januar in seiner Basisversion für 8.990 Euro inklusive Klimaanlage und CD-Radio angeboten. Ein kleiner Versuch, die mittlerweile auf 15 Marken und 26 Modelle an angewachsene Konkurrenz wie Fiat Panda, Citroen C1 oder auch VW up zumindest für eine kurze Zeit zu unterbieten.