Donnerstag, 18.04.13 Schwarz, Robert, SID

Radsport: Doping : Holczer: Schumacher-Vorwurf "vollkommen gelogen"

Holczer bleibt seiner Linie treu: Er wusste nichts

Hans-Michael Holczer hat seine Position, nichts von den Dopingpraktiken seines einstigen Vorzeige-Radprofis Stefan Schumacher gewusst zu haben, erneut bekräftigt.

Stuttgart (SID) - Hans-Michael Holczer hat seine Position, nichts von den Dopingpraktiken seines einstigen Vorzeige-Radprofis Stefan Schumacher gewusst zu haben, erneut bekräftigt. "Das ist vollkommen gelogen", sagte Holczer als Zeuge im Betrugsprozess gegen Schumacher zu einer ihn belastenden Aussage seines ehemaligen Schützlings.

Schumacher hatte bei seiner Vernehmung am 10. April ausgesagt, Holczer habe nach Schumachers Sieg beim Klassiker Amstel Gold Race 2007 betont locker mit den Worten reagiert: "Ey Schumi, ich bin nicht blöd. Amstel gewinnt man nicht einfach so. Aber ich glaube, dass du für einen Weltklassefahrer relativ sauber bist." Holczer bestritt dies vehement.

Am zweiten von insgesamt acht Verhandlungstagen vor dem Stuttgarter Landgericht untermauerte Holczer seinen Standpunkt als "kompromissloser" Anti-Doping-Kämpfer. Im Dopingfall Danilo Hondo im Jahr 2005 sei beispielsweise "sieben Minuten, nachdem die positive B-Probe ankam" der Vertrag mit dem Rennfahrer gekündigt worden. "Ich habe ihm klar gesagt, dass er keine Hilfe von meiner Seite erwarten kann", sagte Holczer.

Das Verhältnis zu Schumacher sei ohnehin seit der Forderung des Weltverbandes UCI nach einer "Ehrenerklärung" äußerst zerüttet gewesen. "Was sich dann entsponnen hat, das hätte sicherlich dazu geführt, dass ich den Vertrag hätte auslaufen lassen - wenn ich gekonnt hätte", sagte Holczer zu den Vorgängen im Frühjahr 2007. Schumacher habe Holczer demnach anschließend per Anwaltsschreiben Erpressung unterstellt.

Holczers Vernehmung wurde am Donnerstag unterbrochen und wird am 23. April fortgesetzt. Der 59-Jährige wird anstelle des einstigen Profis und geständigen Dopingssünders Bernhard Kohl weiter vernommen. Kohl, Zeuge der Staatsanwaltschaft, wird aller Voraussicht nach nicht vor Gericht erscheinen.

Die Staatsanwaltschaft wirft Schumacher in dem Strafprozess vor, Holczer hintergangen und sich mit seinen Verfehlungen laut Anklageschrift einen "rechtswidrigen Vermögensvorteil" erschlichen zu haben. Es geht um 150.000 Euro. Ein Vorwurf, den Schumachers Anwälte entkräften wollen. Als vermeintlicher Mitwisser könne Holczer nicht betrogen worden sein.

In nachträglichen Analysen von Proben der Tour und der Olympischen Spiele 2008 war Schumacher positiv auf Cera getestet worden. Gerolsteiner kündigte ihm daraufhin im Oktober 2008. Die Geldsumme ergibt sich aus Schumachers Gehalt in den betreffenden Monaten, in denen er trotz vermeintlicher Unschuldsbekundungen gedopt gefahren ist.

  • Robert Schwarz

    Robert ist seit 2009 bei Motorvision, er ist einer unserer Online-Redakteure. Seine Vorlieben liegen bei schnellen Sportwägen mit viel Leistung. Wenn Robert nicht gerade mit einem schnellen Wagen unterwegs ist, schraubt er auch gerne mal selbst an seinem BMW M3 E30.

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