Montag, 15.03.10 Schwarz, Robert, I. Liebler

Porsche Cayman S : Gran Turismo brutal

Porsche Cayman S Front

Schneeweiß, aber alles andere als unschuldig: Der TechArt GTsport macht aus dem Porsche Cayman S ein regelrechtes Rennstreckentier!

Was TechArt aus dem Cayman S-Triebwerk herausholt, verdient Respekt. Der GTsport leistet 90 PS mehr als das Original - und das ohne Turbo- oder Kompressoraufrüstung. Des Tuners Maßnahmen beschränken sich auf detaillierte Feinarbeiten. Wichtigster Schritt ist die Erhöhung des Hubraums von 3.387 auf 3.824 Kubikzentimeter, welche die TechArt-Ingenieure durch eine größere Bohrung (und damit verbunden: größeren Spezialkolben) und den Einbau einer Spezialkurbelwelle erreichen. Hinzu kommen eine Sportnockenwelle und ein geändertes Motormanagement. Damit dem Mittelmotor nie die Luft ausgeht, installiert TechArt ein modifiziertes Saugrohr samt speziellem Luftfiltersystem sowie eine Ansaugspinne aus Aluminium. Die Abgase pustet der GTsport fröhlich trompetend durch eine Edelstahl-Hochleistungs-Auspuffanlage mit Fächerkrümmer und zwei zentral angeordneten Endrohren.In Sachen Fahrleistungen legt der Serien-Cayman S die Latte richtig hoch. 275 km/h Topspeed und ein Beschleunigungswert von Null auf Tempo 100 in 5,4 Sekunden sind eine klare Ansage. Und was innermotorische Verbesserungen angeht, wird bei Boxermotoren dieser Hubraum- und Leistungsklasse die Luft für Verbesserungen ganz einfach dünn. So nimmt der GTsport die Hürde denn auch nur knapp - trotz Mehrleistung und einem maximalen Drehmoment von 407 Newtonmetern bei 4.600 Touren (der Cayman S schafft 340 Newtonmeter bei ähnlichen Drehzahlen). Beim Topspeed mit 285 Sachen nur zehn km/h schneller, schlägt der TechArt das Zuffenhausener Vorbild beim Beschleunigungsduell von Null auf Hundert deutlicher: Mit 4,9 Sekunden ist er eine halbe Sekunde schneller als der Cayman S.Das Lastenheft für das TechArt-Bodykit enthielt zwei Prämissen: Erstens eine aufregende Optik, zweitens eine ausgefeilte Aerodynamik. Was die Optik angeht, ist den Leonbergern ihr Vorhaben auf jeden Fall gelungen. Die Serienstoßstange ersetzt TechArt durch eine komplette Frontschürze mit riesigen Lufteinlässen inklusive Zusatz-Scheinwerfern. Für Anpressdruck sorgt ein ausziehbarer Carbon-Splitter. An der Flanke machen neue Seitenschweller sowie Spiegelabdeckungen aus Carbon den Unterschied zum Serienmodell aus. Doch die Schokoladenseite des GTsport ist auf jeden Fall das Heck: Dort thront ein XXL-Flügel über den Dingen und generiert in Zusammenarbeit mit dem ausziehbaren "Gurney-Flap" und einer Diffusor-Heckschürze (beides aus Carbon) massenhaft Abtrieb auf der Hinterachse.Tiefgreifende Änderungen auch beim Fahrwerk und den Rädern. Die 20-Zoll-Felgen im Fünfspeichendesign haben in den Radhäusern kaum noch Platz zum Atmen. Die passenden Reifen der Dimension 235/30 ZR 20 (vorne) und 305/25 ZR 20 (hinten) liefert Continental. Um das Auto noch brutaler in die Kurven werfen zu können, rüstet TechArt Porsches PASM-Fahrwerk mit dem hauseigenen "VarioPlus"-Gewindefahrwerk auf. Damit hat der Fahrer nicht nur die Möglichkeit, die Karosserie individuell bis zu 25 Millimeter tiefer zu legen, sondern einfach per Knopfdruck zwischen einer normalen und einer sportlichen Dämpferabstimmung zu wählen. Doch damit nicht genug: Lässt es der Pilot trotz normaler Einstellung allzu sportlich angehen, erkennt dies das PASM und strafft automatisch die Dämpfung.Auch im Innenraum setzt TechArt sportliche Akzente. Accessoires wie Airbag-Sportlenkräder sowie Pedale, Schalthebel und Fußstütze aus Aluminium helfen dem Piloten dabei, den Sportler jederzeit fest im Griff zu halten. Zudem erhöhen Edelstahl-Einstiegsleisten und ganz nach Kundenwunsch gefertigte Vollleder-Ausstattungen den Wohlfühlfaktor.Bleibt festzuhalten: Der TechArt GTsport ist weniger GT, dafür viel mehr Sport. Doch eines hat er mit seinen Gran Turismo-Vorbildern gemeinsam: Den hohen Preis. Mit 115.000 Euro möchte TechArt mal eben das Doppelte überwiesen haben als Porsche für einen Cayman S in der Basisausstattung. Da trifft es sich ganz gut, dass der Tuner nur eine Kleinserie des Boliden plant.

"GT" steht für "Gran Turismo" und bezeichnet ursprünglich die souveränen Gleiter unter den sportlichen Coupés. Ein GT ist ein schnittiger Zweitürer mit Frontmotor, der dem wohlhabenden Pärchen als schneller Reisewagen dient. Nicht umsonst bedeutet Gran Turismo frei übersetzt "großartiges Reisen". Ob der neue Bolide aus dem Hause TechArt der ideale Reisewagen für zwei ist, wissen wir nicht. Wir bezweifeln es sogar. Auch das Kriterium des Frontmotors greift bei dem im Unschulds-Weiß lackierten Leonberger nicht: TechArts neueste Errungenschaft basiert auf dem Porsche Cayman S und wird somit von einem Mittelmotor befeuert. Doch nicht umsonst trägt der Ex-Zuffenhausener den Namenszusatz "Sport" im Namen: Mit 385 PS (bei 6.600 Umdrehungen) und 285 km/h Spitze besitzt der Zweisitzer die uneingeschränkte Lizenz zum Kurvenplätten.