Donnerstag, 05.09.13 Harloff, Thomas

Peugeot 308 Test | Preise und Daten Peugeot 308 : Peugeot 308: Das kann der neue VW Golf 7-Konkurrent

Peugeot 308: Das kann der neue VW Golf 7-Konkurrent

Peugeot will zur Premiummarke aufsteigen und der neue 308 soll ein erster Schritt auf diesem Weg sein. Deshalb macht der Franzose (fast) alles anders als sein Vorgänger und überrascht mit unkonventionellen Lösungen. Motorvision.de hat ausprobiert, ob der neue Peugeot 308 das Zeug dazu hat, für eine französische Revolution in der Kompaktklasse zu sorgen.

Alles neu beim Peugeot 308

Wenn man bei Peugeot über den neuen 308 spricht, schwingt in den Worten vor allem Stolz mit. Kein Wunder, denn der VW Golf 7-Konkurrent kommt einer französischen Revolution gleich. Er ist zwar das erste Peugeot-Modell überhaupt, das die Nummernfolge seines Vorgängers übernimmt, aber der Neuling macht doch vieles anders. „Wir haben noch nie so viel Energie in eine Neuentwicklung gesteckt und insgesamt etwa 750 Millionen Euro in den neuen Peugeot 308 investiert“, sagt Maxime Picat, der Markendirektor von Peugeot. Ein Großteil des Geldes wurde in das Bedienkonzept gesteckt, das für ein Novum sorgt: Der neue Peugeot 308 kommt fast ganz ohne Knöpfchen aus. Ein 9,7 Zoll großer Touchscreen dient als Kommandozentrale, über die sich fast jede Funktion steuern lässt. Navigationssystem, Radio, Klimaanlage und sogar der Geschwindigkeitsregler mit Abstandsregeltempomat lassen sich über den Monitor bedienen. Das ist anfangs ungewohnt, geht aber nach einiger Zeit in Fleisch und Blut über. Weniger gelungen ist die nach oben verlegte Position der Instrumente, denn deren unterer Bereich wird gerne vom Lenkradkranz verdeckt. Der Drehzahlmesser mit gegenläufig ausschlagender Nadel folgt endgültig dem Motto „Funktion folgt Form“. Trotzdem herrscht ein angenehmes Ambiente im neuen Peugeot 308.

Fahrspaß und Agilität im neuen Peugeot 308

Das nächste Aha-Erlebnis folgt nach den ersten gefahrenen Kilometern: Das Fahrwerk zeigt sich angenehm straff abgestimmt, der neue Peugeot 308 ist alles andere als eine wabernde Sänfte. Im Gegenteil: Auf den sehr abwechslungs- und kurvenreichen Straßen der Vogesen und des Elsass zeigt sich der Kompaktklässler von seiner dynamischen Seite. In punkto Einlenkverhalten, Spurtreue, Traktion und Stabilität macht dem neuen Peugeot 308 in seiner Klasse kaum einer etwas vor. Das Fahrwerk gehört definitv zu den besten im C-Segment und vernachlässigt trotz seiner herzhaften Abstimmung keinesfalls das Thema „Komfort“. Einziges kleines Manko: Die etwas zu leichtgängige Lenkung des Peugeot 308 könnte mehr über die Fahrbahnbeschaffenheit mitteilen.

Licht und Schatten bei den Motoren des neuen Peugeot 308

Die Fahrwerks-Reserven sind also groß, können aber selbst von der vorläufigen Top-Motorisierung des neuen Peugeot 308 nur angekratzt werden. Der 1,6-Liter-Turbo-Benziner mit 156 PS und maximal 240 Nm bei 1.400 Umdrehungen tritt in den unteren Gängen zwar flott an, zeigt sich dann aber weder besonders drehfreudig noch elastisch. Mit dem ebenfalls 1,6 Liter großen Turbodiesel (115 PS und maximal 270 Nm bei 1.750 Touren) wirkt das Paket bereits deutlich stimmiger. Der Selbstzünder kann ein Turboloch zwar nicht ganz verhehlen und bleibt akustisch stets präsent, zieht ab knapp unter 2.000 Umdrehungen aber kraftvoll an. So lässt sich der neue Peugeot 308 ebenso dynamisch wie schaltfaul bewegen. Und bleibt dabei sehr sparsam: Trotz sportiver Kurvenhatz in niedrigen Gängen errechnet der Bordcomputer einen Durchschnittsverbrauch von 5,2 Litern. Laut Datenblatt sollten es zwar nur 3,8 Liter sein, aber das geht völlig in Ordnung. Auch der Durst des Benziners (5,8 Liter laut Hersteller, 7,4 Liter laut Bordrechner) hält sich in Grenzen.

Peugeot 308: Neue Plattform sorgt für Gewichtsersparnis

Hier zeigt sich, welchen Beitrag das Thema „Leichtbau“ sowohl beim Fahrspaß als auch bei der Effizienz leistet. Im Vergleich zum Vorgänger spart der neue Peugeot 308 satte 140 Kilogramm ein – allein die Hälfte der Gewichtsersparnis geht auf das Konto der neu entwickelten EMP2-Plattform. Diese wird im kommenden Frühjahr zudem mit neuen Dreizylinder-Turbobenzinern und Vierzylinder-Dieselmotoren kombiniert, welche die Effizienz weiter steigern sollen. Aber auch mit den derzeit verfügbaren Triebwerken bietet der neue Peugeot 308 ein ansprechendes Gesamtpaket, das es jedoch nicht zum Schnäppchenpreis (die Tarife starten bei 16.450 Euro für den 82 PS starken Basis-Benziner, der 115 PS-Diesel kostet mindestens 20.750 Euro, der Benziner mit 156 PS startet bei 24.300 Euro) geben wird. Fazit: Der neue Peugeot 308 wird vielleicht nicht für eine französische Revolution, aber ganz sicher für frischen Wind in der Kompaktklasse sorgen.

Technische Daten und Motorvision-Erstcheck: Peugeot 308

Motor: 1,6-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel bzw. 1,6-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner; max. Leistung: 85 kW (115 PS) bei 3.600 U/min bzw. 115 kW (156 PS) bei 6.000 U/min; max. Drehmoment: 270 Nm bei 1.750 U/min bzw. 240 Nm bei 1.400 U/min; Getriebe: 6-Gang-Handschaltung; Leergewicht: 1.395 bzw. 1.375 kg; Fahrleistungen: 0-100 km/h: 10,2 bzw, 9,3 s; Topspeed: 191 bzw. 213 km/h; Verbrauch laut Hersteller: 3,8 bzw. 5,8 l/100 km; Verbrauch laut Bordcomputer: 5,2 bzw. 7,4 l/100 km Preis: ab 20.750 bzw. 24.300 Euro

Bewertung: 3,5 von 5 MV-Punkten
+ gelungenes Bedienkonzept; erstaunlich hohes Fahrspaß-Level
- müde Topmotorisierung; eigenwillige Lösungen erfordern Eingewöhnung