Mittwoch, 24.08.11 Wagner, Stefan

Markus Gedlich-Coaching : Rennstrecken-Coaching mit Markus Gedlich Teil 1: Anneau du Rhin

Markus Gedlich

Was kann es für einen echten Autonarren Schöneres geben, als ein sportliches Gefährt über einen abgesperrten Rundkurs zu jagen? Nun ja, eventuell im Stande zu sein, dies auch möglichst rasant und souverän zu erledigen! Genau dafür gibt es Menschen wie Markus Gedlich. Wir begleiten den Personal Coach und lernen mit ihm Schritt für Schritt, wie man richtig schnell Auto fährt.

Lernen mit dem Champion

Markus Gedlich ist eine imposante Erscheinung. Das gilt nicht nur für seine Statur von gut zwei Metern Größe, sondern vor allem für seine über 20-jährige Rennkarriere mit zahlreichen Erfolgen in diversen Klassen, unter anderem dem Meistertitel in der Deutschen Tourenwagen Challenge. Als wir uns am Rande eines Events in Hockenheim kennenlernen stimmt die Chemie sofort und am Ende des Gesprächs mit dem baumlangen Rennstrecken-Trainer steht eine Übereinkunft, die mich aus Redakteurs-Sicht brennend interessiert und persönlich diebisch freut: Der erfahrene Rennfahrer und Coach verspricht, mich von der Pieke auf pistentauglich zu machen und wir begleiten das Ganze ebenso häppchenweise auf unserer Seite Motorvision.de.

Grau ist alle Theorie?

Schnell wird man sich einig, dass der Startschuss für meine hoffentlich nachhaltige Rennsportkarriere auf dem kleinen, von einem überaus solventen Privatsammler idyllisch ins Elsass (unweit von Freiburg) verpflanzten Kurs von Anneau du Rhin ertönen soll. Wir entscheiden uns zum Einstieg für ein Gruppentraining und ich bin erleichtert, als sich meine wesentlich erfahreneren "Kollegen", der von Gedlich mit Bedacht sehr klein gehaltenen Gruppe - wir sprechen von maximal fünf Fahrern pro Coach - als überaus offen und herzlich herausstellen. Dass auf dem Hotel-Parkplatz nur hochgezüchtete Porsches und sogar ein Audi R8 GT stehen, bietet also keinen Grund zur Sorge, schließlich sind wir alle aus dem gleichen Grund hier, nämlich an unserem Fahrstil zu arbeiten. Nach kurzem Beschnuppern geht das Training vor dem eigentlichen Training dann auch schon los. In einem angenehm kurzweilig gestalteten Theorie-Teil bringen Markus Gedlich und sein Co-Coach Nico Bastian - derzeit zweiter im Gesamtklassement der Mini-Challenge - den Teilnehmern die 2,9 Kilometer lange Strecke von Anneau du Rhin mit all ihren Tücken und kniffligen Eigenheiten Kurve für Kurve näher. Hier gut aufzupassen, erleichtert den Einstieg in die Praxis am nächsten Tag bereits ungemein. Im Anschluss an die virtuelle Streckenbegehung entscheide ich mich wie einige andere zu einem weiteren optionalen Vortrag, der der Erlangung meiner Rennlizenz dient. Ein gemeinsames Abendessen mit angeregten Benzingesprächen lässt den ersten Tag des Gedlich-Coachings entspannt ausklingen. Die Vorfreude, die eben in der Theorie erlernten Kurven endlich auch real abzubrennen, steigt unterdessen gewaltig.

Aller Anfang ist schwer

Früh am nächsten Morgen bricht der insgesamt zehn veritable Sportwagen enthaltende Trainings-Tross dann endlich auf zu dem malerisch anmutenden Renn-Areal des Circuit del‘Anneau du Rhin. Gerade eben so in Frankreich gelegen bietet der 13 Kurven umfassende Rundkurs einen spannenden Mix aus sehr schnellen und langsamen, technisch anspruchsvollen Passagen. Coach Gedlich packt mich mit vier weiteren Schülern in die Kolonne, in der wir den frisch asphaltierten Kurs nun auch praktisch kurvenweise erkunden. Dabei bezieht der Profi seine Racing-Schäfchen ständig in die Diskussion mit ein und erarbeitet gemeinsam mit ihnen die optimale Kurven-Strategie. Ist diese final festgelegt, geht es mit Gedlich an der Spitze auf die ersten Guide-Runden. Hier gibt der Rennfahrer die Ideallinie vor, die Gruppe folgt ihm und versucht bereits so gut wie möglich das richtige Gefühl für die Strecke zu bekommen. Das klappt nach wenigen Runden schon sehr ordentlich und als Gedlich die Strecke verlässt und damit das freie Fahren einläutet, bin ich das erste Mal quasi auf mich allein gestellt. Dass die Strecke plötzlich größer und weniger greifbar wirkt und dass die Ideallinie auf einmal meilenweit weg erscheint, ist wohl normal für den Anfang. Die Horde leistungsgestählter Porsches in meinem Rücken - auch wenn sie sich jederzeit absolut fair und auf Sicherheit bedacht verhalten - macht mir die Angelegenheit auch nicht gerade einfacher. Ich kann eine gewisse Nervosität nicht verhehlen und benötige ein bis zwei Runden ehe der Kurs langsam beginnt, mir in Fleisch und Blut überzugehen. Während das Vertrauen in das Auto und meine eigenen Fähigkeiten nach und nach ansteigt, beschließe ich es jetzt mal richtig fliegen zu lassen und gehe dabei mehr nach Gefühl als nach den von Coach Gedlich festgelegten Anhaltspunkten. Ein selten dämlicher Anfänger-Fehler, wie sich relativ zügig herausstellt, denn eingangs der schnell gefahrenen Links-Rechts-Links-Kombination schieße ich einen kapitalen Bock…

Abhaken, besser machen

Dank einer Kombination aus schlechter Linie, viel zu spätem Einlenken und zu hoher Geschwindigkeit bugsiere ich meinen Audi mit gut 120 Sachen und einer unschönen Flugeinlage ins Kiesbett. Glücklicherweise bleiben Fahrer und Auto (bis auf ein paar unschöne Kratzer in der Felge und der Frontschürze) unversehrt und so kurve ich den TT zwar ein Stück weit erleichtert aber sichtlich demoralisiert zurück an die Box. Es wird definitiv Zeit für das 1:1-Coaching. Mit aufbauenden Worten bringt mich Markus Gedlich dann auch schnell wieder auf Temperatur und versorgt mich auf meinen nächsten Runden vom Beifahrersitz aus mit den Tipps, die aus einem Greenhorn einen ernstzunehmenden Fahrer machen. "Enger an die Kurbs","Später, dafür kräftiger bremsen", "Nicht so unruhig am Gas", "Achte auf deine Linie". Zusätzlich zeichnet die im Auto installierte Video-Datenbox jeden erdenklichen Parameter meiner Fahrt auf. Ein Muss für die spätere Analyse am Laptop, in der Gedlich nochmal ganz gezielt auf meine Stärken und Schwächen eingeht und mir glasklar signalisiert, wo ich mich noch verbessern sollte. Zu verbessern gibt es schließlich jede Menge bei gefahrenen Durchschnittszeiten von etwa 1:45.00. Und so ist es nur logisch, dass der Coach und ich die Plätze wechseln und er mir in drei bis vier optimal gefahrenen Runden noch einmal alle idealen Brems-, Einlenk- und Scheitelpunkte des ostfranzösischen Nobelkurses vor Augen führt. Von meinem Privatunterricht gestärkt und bis in die Haarspitzen motiviert, gehe ich in die letzten Runden des viel zu kurzen Renntages. Wie Gedlich es mir empfohlen hat, achte ich nicht auf eine möglichst schnelle Rundenzeit (das kommt später von alleine, sagt der Coach), sondern auf eine perfekte und flüssige Linie. Die Ratschläge meines Trainers fruchten schon auf den ersten Metern bombig, ich durchfahre einige Kurven ohne es überhaupt zu merken um bis zu 25 km/h schneller als zuvor und durch den stimmigen Fahr-Rhythmus macht das Ganze auch noch wesentlich mehr Spaß. Mehr Spaß bereiten mir auch meine neuen Rundenzeiten, die sich wie von selbst bei 1:37.00 einpendeln. Über acht Sekunden schneller dank des Coachings und nur etwa vier bis fünf Sekunden langsamer als meine streckenerprobten Gruppen-Spezis auf ihren Porsches, die sich im Schnitt bei 1:32.00 bis 1:33.00 einpendeln - das kann sich, wie ich finde, durchaus sehen lassen.

Effekt: enorm

Mit dem Überreichen meines Trainingszertifikats und der DVD meiner aufgezeichneten Fahrten geht ein spannender, faszinierender und überaus lehrreicher Tag zu Ende. Durch das Gedlich-Coaching habe ich mich fahrerisch innerhalb kürzester Zeit signifikant verbessert und zwar in einem Maße, das ich vorher nicht für möglich gehalten hätte. Der kleine Kurs von Anneau du Rhin sitzt nun nahezu perfekt und die richtige Linie ist dank der mitgelieferten Aufzeichnungen jederzeit reproduzierbar. Auch die Organisation, meine "Mitschüler" und das ganze Drumherum haben ihren Teil zu einer überaus gelungenen Veranstaltung beigetragen. Ich kann es jedenfalls kaum erwarten, in Teil 2 unserer Coaching-Serie mit Markus Gedlich den Hockenheimring unsicher zu machen. Wer nun, wie ich, richtig Racing-Blut geleckt hat und seine Rennstrecken-Performance aufpolieren möchte, findet alle Informationen zum Markus Gedlich-Coaching unter gedlich.com

  • Stefan Wagner

Bildergallerie
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