Mittwoch, 14.09.11 Wagner, Stefan

IAA 2011: Die Briten : Von Understatement keine Spur

IAA 2011

Die britischen Hersteller lassen ihre vornehme Zurückhaltung auf der Insel und brennen in Frankfurt ein wahres Feuerwerk an Sportwagenträumen und mitreißenden Concept-Cars ab.

Die Katze ist aus dem Sack

Ja endlich...das werden die meisten denken, die das atemberaubende Coupé-Konzept C-X16 heute auf dem Jaguar-Stand das erste Mal live bewundern durften. Welch Form, welch Präsenz. Designtechnisch ist der 4,45 Meter lange Zweisitzer für Jag kein Katzen- sondern ein Quantensprung. So flach, breit und begehrenswert, wie sich der lange ersehnte kleine Sportler an den Asphalt schmiegt, geht der Puls des Betrachters im Renntempo in ungesunde Höhen. Vor allem, weil dieses englische Aufputschmittel auch unter der Haube die Herzen höher schlagen lässt. Deren zwei um genau zu sein. Zu einem 380 PS starken Biturbo-V6 gesellt sich nämlich ein 70 PS/235 Nm-Elektromotor, der seine Kraft auf Knopfdruck wie beim Formel 1-KERS-System für jeweils 10 Sekunden zur Verfügung stellt. In 4,4 Sekunden geht der C-X16 im Bedarfsfall auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 300 Sachen. Marvellous. Von außen der Wahnsinn und innen…mit knallrotem Karbon-Chic keinen Deut schlechter - her mit dem C-X16 und zwar schnell! Ab 2013 könnte die Baby-Raubkatze Realität werden, es wäre ein Katzenjammer wenn nicht.

Defender hoch zwei

Nicht einmal einen Steinwurf vom C-X16 entfernt stampft Land Rover gleich das nächste Premieren-Highlight aus dem Boden. Klar, immerhin hat man mit der Studie DC100 nicht weniger als den ersten Blick auf die Nachfolge des legendären Defender versprochen. 2015 soll Schluss sein für das Urgestein und weil man es mit der Erbfolge für Legenden nicht so leicht hat, schicken die kraxelnden Briten gleich zwei potenzielle Kandidaten ins Rennen. Der DC100 rettet als kantiger Schlamm-Charmeur mit Kulleraugen und Seilwinden in den Kotflügeln einen Hauch Defender-Aura in die Neuzeit. Der aufreizend gelbe DC100 Sport mimt mit Faltdach, klappbarer Frontscheibe, flachem umlaufendem Fensterbandund einer Pickup-ähnlichen Ladefläche hinter den beiden Sitzen den trendigen Lifestyle-Athleten. Den Antrieb der Defender-Zukunft übernehmen Zweilliter-Vierzylinder-Aggregate (im DC100 ein Diesel, im DC100 Sport ein Benziner) mit Start-Stopp und optionaler Hybrid- oder Plug-in-Hybrid-Technik, natürlich über alle Viere. Die beiden mehr als auffälligen Konzepte sind der Anfang einer vierjährigen Design-Reise, an deren Ende 2015 der neue Defender stehen soll.

Lotus‘ Sturm vor dem Sturm

Ende 2012 soll es ja losgehen mit der kompletten Modell-Neuausrichtung bei Lotus. Fünf brandheiße Sportler werden dann nach und nach das Portfolio der Leichtbaugötter in Richtung unwiderstehlich umkrempeln. Das hält die Mannen um CEO Danny Bahar allerdings nicht davon ab, auf der diesjährigen IAA nochmal so richtig auf den Putz zu hauen. Die Quintessenz aus Frankfurt: Ein Lotus wiegt nicht nur nichts, er hat jetzt auch modellübergreifend richtig Dampf an der Kette. Die Elise S geht mit neuem aufgeladenen 1,8-Liter-Motor an den Start und liefert nun 220 PS sowie 250 Nm Drehmoment. Spannender wird es allerdings bei der komplett neu gestalteten Exige S. Außen und innen im radikal überarbeiteten Gewand, pumpt der nur 1.080 Kilo leichte Extremsportler nun mit der Kraft aus sechs kompressorbefeuerten Zylindern, 3,5 Litern Hubraum und 350 PS! In 3,8 Sekunden fliegt die Exige S auf Hundert, läuft 274 km/h Spitze! Woohoo! Natürlich haben Chapmans Erben selbst bei solchen Werten nicht genug und setzen ihrer Powershow mit dem racing-erprobten Evora GTE die Krone auf. Das quietschgelbe Brutalo-Coupé liefert mit massivem Karbon-Einsatz und 105 Kilo Gewichtsreduktion gegenüber der Standard-Evora, sowie einem sequentiellen Getriebe, Renntechnik für die Straße und katapultiert sich mit 444 PS direkt zum stärksten Serien-Lotus aller Zeiten. Cheers Mates, so lassen wir uns einen IAA-Auftritt gefallen.

Radikales von Radical Sportscars

Lotus ist Euch zu fett, zu weichgespült? Zum Glück gibt's im Land der Trackdays noch genug Liebe für kompromisslose Kleinserienhersteller. Hersteller wie Radical Sportscars zu Beispiel. Die Purismus-Gurus haben den SR3 SL mit nach Hessen gebracht, einen Rennsport-Torpedo wie er im Buche steht. 675 Kilo, 300 Turbo-PS, sequentielles Getriebe mit Quaife-Differentialsperre - so werden Helden geboren. Knapp 80.000 Euro will Radical für seinen gerade noch legalen Racer sehen. Mal abwarten, wie er in Deutschland ankommt...

Exklusives aus Gaydon

Kommen wir von Extremsport zu gediegener Herrenfahrer-Atmosphäre. Richtig erkannt, wir sind bei Aston Martin angelangt. Die Nobelschmiede hat als absolutes Messe-Highlight natürlich die Serienversion des V12 Zagato im Gepäck. 517 prachtvoll-elegante Pferde einmal durch den italienischen Racing-Fleischwolf gedreht und fertig ist ein auf 150 Exemplare limitierter, knapp 376.000 Euro teurer Traum aus Aluminium und Kohlefaser. Apropos Karbon: Das zweite IAA-Mitbringsel der Gaydoner hört auf den Namen DBS Carbon Edition. "Flame Orange" und "Ceramic Grey" sind bei dieser Beauty nicht nur Farben, sondern in sieben Schichten aufgetragene Lacke, die anschließend 25 Stunden lang von Hand poliert werden. Für den Innenraum ist ein Arbeiter mehr als 70 Stunden beschäftigt. Hochglänzende 10-Speichenfelgen und jede Menge Sichtkarbon innen wie außen gehören für 257.912 Euro (Coupé) oder 272.913 Euro (Cabrio Volante) ebenfalls zum Lieferumfang.

Luxus-SUV aus dem Nichts

Kurz vor IAA-Beginn gab's die ersten vagen Informationen zum neuen Londoner Luxus-Label Eterniti, jetzt buhlt deren Erstlings-SUV Hemera um die Gunst möglichst solventer Käuferschaft. Ob dieses Vorhaben allerdings mit einer Wuchtbrumme gelingt, die eher nach ludenhaft getuntem Cayenne als nach echter Eigenentwicklung aussieht, ist fraglich. Die Gene des Zuffenhausener Erfolgstitanen sind dann doch ein wenig zu offensichtlich. Immerhin ballert der Hemera mit einem 4,8-Liter-Twin-Turbo-V8 und strammen 630 PS sowie angepeilten 290 km/h Topspeed auf den High End-SUV-Markt zu. Luxus pur versprechen die Engländer im Innenraum. Elektrische Einzelsitze mit Heizung und Klimatisierung hinten, iPads und eine gekühlte Bar schaffen lässige Lounge-Atmosphäre. Knapp 174.000 Euro will Eterniti sehen, wenn der Hemera 2012 an die ersten Kunden übergeben wird. Auch wenn wir Bedenken haben ob der Idee hinter dem Porsche-Klon, Sorgen wird sich Eterniti wohl keine machen müssen. Luxus-SUVs gehen irgendwie immer - komische Entwicklung eigentlich.

"Rule Britannia!" Aber nicht nur IAA 2011thewavesIAA 2011, sondern vor allem die 2011er IAA. UKs Autobauer, so unser Fazit, präsentieren sich in Frankfurt bärenstark und topfit für die meist sportliche Zukunft. Kreative, innovative Konzepte und traumhafte Sportwagen - das passt. Die britischen Hersteller sind gut aufgestellt. Wenn sie jetzt auch noch ihre Nationalelf hinbekommen...

  • Stefan Wagner

    Steff ist seit 2009 bei Motorvision, er ist für den Bereich Redaktion Online/ Print zuständig. Nach seinem BWL-Studium an der Universität Regensburg wusste der unheilbar Autoverrückte sofort: "Lasst mich mit Zahlen in Ruhe, ich will über edles Blech berichten." Wenn Steff nicht gerade über Autos schreibt, dann sitzt er meistens in einem drin und versucht es möglichst schnell über Pisten oder leere Landstraßen zu jagen. Ansonsten regt er sich viel und gerne über Politik oder seinen Lieblingsverein, die Münchner Löwen, auf.

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Inhaltsverzeichnis
  1. Die Katze ist aus dem Sack
  2. Defender hoch zwei
  3. Lotus‘ Sturm vor dem Sturm
  4. Radikales von Radical Sportscars
  5. Exklusives aus Gaydon
  6. Luxus-SUV aus dem Nichts
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