Montag, 15.03.10 Schwarz, Robert, T. Harloff

Ferrari Finali Mondiali : Ein Mythos feiert sich selbst

Ferrari Finali Mondiali

Beim "Ferrari Finali Mondiali" in Mugello, dem Ferrari-Weltfinale, hatten die Fans viel zu jubeln. Motorvision war mittendrin und hat mitgefeiert.

Deutschland, Ende Oktober: Die Tage werden kürzer, der Himmel grauer, das Wetter kälter, die Straßen nasser. Da kommt ein Trip in die Toskana gerade recht. Dort ist es milder und sonniger, einfach schöner - sollte man meinen. Tatsächlich zeigt sich Florenz, die toskanische Hauptstadt, bei unserer Ankunft von seiner grauen, kalten und nassen Seite. Aber wir sind ja nicht zum Sightseeing hier. Vielmehr ist das "Autodromo Internazionale del Mugello" unser Ziel, wo das "Ferrari Finali Mondiali", das Ferrari-Weltfinale stattfindet. Dort erwarten die Fans nicht nur zahlreiche F430 Challenge-Rennwagen, sondern auch die Boliden des FXX-Programms sowie legendäre Ferrari-Klassikern und ehemaligen Formel 1-Autos. Als Highlight soll eine Riesensause mit dem aktuellen F1-Team stattfinden. Schließlich hat Kimi Räikkönen eine Woche zuvor überraschend doch noch den Fahrertitel der Königsklasse nach Maranello geholt. Und dass Italiener feiern können, wissen wir spätestens seit der Fußball-WM im letzten Jahr...

Auf Tuchfühlung mit Fahrern und Mechanikern

Als das Event am Freitag startet, feiert die Scuderia noch für sich allein. Das gibt den Fahrern der anderen Serien die Gelegenheit, ihren Boliden auf der meist noch nassen Strecke Auslauf zu gewähren. In freien Trainings gehen sie auf die Suche nach dem passenden Setup, der richtigen Linie sowie auf die Jagd nach einer guten Startposition. Mancher Pilot geht dabei naturgemäß etwas über die Grenzen und versenkt sein Sportgerät in einem der zahlreichen Kiesbetten. Hektische Betriebsamkeit im Fahrerlager ist die Folge. Was für Fahrer, Mechaniker und Teamchefs großen Ärger bedeutet, wird für die Fans zur großen Show: Im offenen Fahrerlager kann man den Schraubern über die Schultern schauen und die Technik der aktuellen und historischen Ferraris aus nächster Nähe betrachten. So volksnah geht es bei den Rennen, speziell in der Formel 1, sonst nicht zu.Schon am Samstag zeigt sich das Wetter der Toskana von seiner freundlichen Seite. Gute Voraussetzungen also für spannende Rennen und ein großes rotes Fest. Schon ab neun Uhr dröhnen auf der Strecke die Motoren. Wenn die Boliden mit Höchstdrehzahl über die Start- und Ziel-Gerade jagen und das Trommelfell vibriert, schlägt das Herz eines jeden Autofans - egal ob Ferraristi oder nicht - unweigerlich schneller. Besonders faszinierend: Die verschiedenen Klangfarben der einzelnen Rennwagen. Während die aktuellen F430 Challenge-Renner sich im Vergleich recht gedämpft artikulieren, fliegen die Formel 1-Autos aus der Schumacher-Ära heißer fauchend durch die Berg- und Tal-Bahn in der Toskana. Einen perfekten Kompromiss zwischen beiden Extremen bieten die 800 PS starken Zwölfzylinder des FXX. Noch abwechslungsreicher klingen die Boliden der Shell Ferrari Historic Challenge, welche die komplette Bandbreite ehemaliger Rennwagen aus der 60-jährigen Ferrari-Historie präsentiert.

Italienische Spitzentechnologie im Kleinformat

Nach dieser Soundorgie tut Erholung Not. Diese finden wir bei der Vorstellung der Ferrari-Kollektion des exklusiven italienischen Uhrenherstellers Officine Panerai, einer der Hauptsponsoren der Historic Challenge. Seit 2006 besteht eine Kooperation der beiden italienischen Traditionsunternehmen. Die Kollektion umfasst zwei Linien (die elegante "Granturismo"- und die sportlich ausgerichtete "Scuderia"-Linie), die perfekt die Emotionen eines Ferraris in die wesentlich kleinere Dimension einer Armbanduhr übersetzen. Tatsächlich lassen sich zahlreiche Parallelen ziehen: Sowohl die Sportwagen als auch die Uhren paaren Kreativität mit atemberaubendem Design und Spitzentechnologie. Vergleichbar auch die Exklusivität: Einstandpreise von 6.000 Euro sorgen dafür, dass eine Panerai aus der Ferrari-Kollektion ähnlich selten zu bestaunen sein dürfte wie die Sportwagen aus Maranello.Aber die wahren Highlights folgen am Sonntag. Die Rennen der Ferrari-Klassiker und der F430 Challenge sowie die Trainingsläufe der F1 Clienti bilden dabei aber nur die Ouvertüre zur Feierstunde mit dem aktuellen Formel 1-Team. Erster Jubel der mehr als 30.000 Fans brandet gegen Mittag auf: Michael Schumacher, der Ferrari fünf Fahrertitel geschenkt hat, fährt mit dem brandneuen, nun 860 PS starken FXX den anderen Teilnehmern des Programms regelrecht um die Ohren. Am Nachmittag gibt sich das aktuelle F1-Team die Ehre: Die Scuderia präsentiert die in dieser Saison errungenen Titel, die Boxencrew demonstriert Pitstops in Rekordtempo, und Schumacher, Rennleiter Jean Todt sowie Präsident Luca di Montezemolo lassen sich an der Boxenmauer winkend von den Tifosi feiern. Als schließlich Weltmeister Kimi Räikkönen und die anderen Formel 1-Piloten Felipe Massa, Luca Badoer und Marc Gené mit den diesjährigen Boliden einige Showrunden in der Toskana drehen, kennt die Begeisterung keine Grenzen mehr. So überraschend Räikkönens Titelgewinn war, so überschwänglich war die Freude bei den Fans an der Strecke.

Wie war´s wohl bei Mercedes?

Als es wieder zurück in die Heimat geht, liegt ein Wochenende mit (zumeist) schönem Wetter, spektakulärer Renn-Action, orgiastischen Klangkulissen und grenzenlosem Jubel hinter allen Beteiligten. Ein Wochenende, an dem sich der eine oder andere Ferrari-Fan ganz bestimmt eine Frage gestellt hat: Wie wird wohl die Stimmung beim Stars & Cars-Tag sein, dem traditionellen Saisonabschluss von Mercedes eine Woche später in Stuttgart? Unsere Prognose: Wahrscheinlich ähnlich wie das Wetter Ende Oktober in Deutschland.