Montag, 15.03.10 Schwarz, Robert, Mario-Roman Lambrecht

Cadillac CTS : Von Grund auf ehrlich: Cadillac CTS 3,6 V6

Cadillac CTS Silhouette

Er ist weg. Zwei Wochen war er mein. Zwei viel zu kurze Wochen. Jetzt wurde er mir wieder geraubt, die Liebe auf den ersten Gas-Tritt. Mein Cadillac wurde mir entrissen. Nun blutet mein Herz und ich kann nur noch erzählen, was mal war und was nicht mehr ist.

Es begann in Düsseldorf. Nach der Präsentation des Hummer H3 V8 in den Niederlanden ging es direkt nach Düsseldorf, wo ER stand. Der Cadillac CTS 3,6 V6. Irgendwie anders. Markant und eigenständig. Nicht so metroluschig wie manch eine europäische Limo. Nein, ehrlich und männlich.

Das Design: Born in the USA

Die hochkant angebrachten Frontleuchten geben dem Cadi ein eigenes Gesicht. Zusammen mit dem monströsen schwarzen Kühlergrill deutet er schlicht und einfach an: "Weg da, Du störst!". Die Seitenlinie gibt eine leicht keilförmige Silhouette frei und geht in einer leicht Coupé-like angesiedelten Schusslinie zum finalen Heck über.Das wiederum schaut richtig saftig nach Ami aus. Zwei Endrohre, eine große Bremsleuchte und leicht herausragende, ebenfalls hochkant angebrachte Rückleuchten spielen mit den Designelementen aus den klassischen Zeiten. Polarisieren tut er. Herausheben aus dem Einheitsbrei will er sich. Und das ist ihm gelungen.

Das Interieur: Endlich eine edle Verarbeitung

Kaum Platz genommen in den ordentlichen Ledersitzen, gibt sich der Cadillac so, wie er schon immer war. Man fühlt sich einfach sauwohl. Überraschend ist, dass die Verarbeitung hier auch auf einem hohen Level ist. Die Haptik passt - alles fühlt sich gut an. Die Carbon-Optik in den Armaturen gibt dem CTS noch ein zusätzliches Rennflair. Es ist deutlich zu merken: Cadillac ist es ernst mit Europa.Besonderes zu beachten ist der ausfahrbare Touchscreen-Monitor. Im Normalzustand gibt er nur eine kleine Fläche zum Bedienen der Musik frei. Werden Elemente wie Navigation benötigt, fährt der Monitor in voller Größe aus der Mittelkonsole heraus. Die Auflösung ist aber nicht mehr up to date. Hier sind Europäer und Japaner mittlerweile allesamt weiter und glänzen mit knackig scharfen Displays.

Volle 6 - Start your engine!

Schlüssel umgedreht. 311 PS erwachen zum Leben. 3,6 Liter Hubraum lassen dem Auspuff einen sonor klingenden Sound entlocken - und das schon im Stand. Der V6 will nicht nur spielen, der will jagen. Soll er. Also ab auf die Autobahn nach Hamburg. Zack auf die Beschleunigungsspur, Sportmodus rein gepfeffert und runter das Pedal.Die Automatik arbeitet exzellent, sie reagiert sofort auf Gasschub. Der Cadi stürmt in 6,3 Sekunden von 0 auf 100 und macht dabei ordentlich Lärm. Dabei stemmen die Pneus 374 Nm in den Asphalt. Bei 241 ist laut Hersteller Schluss mit lustig. Laut Tacho sprintet der CTS allerdings noch bis Tempo 264 voran. Danach wird er leider abgeregelt. Und eines kann ich Ihnen sagen: ALLE machen Platz. So schön aggressive, wie der Ami von hinten angeschoben kommt, bleibt den meisten nur der Rechts-Blinker.

Kurvengummi vom Feinsten

Wer nun die These glaubt, dass Amis nur geradeaus können, der irrt sich beim CTS. Auf dem Nürburgring wurde er geschliffen. Und bekam ein Europa-gerechtes Fahrwerk verpasst. Straff gefedert und dennoch komfortabel gibt der CTS ein sauberes Fahrgefühl wieder. Kurven werden sauber und mit ordentlichem Grinsefaktor überwunden. Gepaart mit der präzisen und Feedback wiedergebenden Lenkung kann man nur sagen: Respekt!Doch das Beste an diesem sportlichen Cadi ist, dass er von Grund auf ehrlich zum Fahrer ist. Gaukeln sportliche Limos anderer Premiumhersteller trotz des hohen Gewichts mit viel Elektronik und Aktivlenkung ein leichtes Produkt vor, gibt sich der Cadi gelassen wahrheitsgetreu. Ja, er wiegt 1,8 Tonnen und ja er muss/will geprügelt werden in den Kurven. Aber das Wie ist einfach nur "geil".

Gummivernichtung vom Feinsten

Bei meiner Lieblingsdisziplin, dem sinnlosen Grillen von Pneus auf der Hinterachse durch Drifteinlagen in den Kurven und sinnbefreiten Donut-Ballett auf Parkplätzen kommt der Cadi nie ins Schwitzen. Selten hat es soviel Spaß gemacht, sich von einer Limo mit diesen Ausmaßen schwindelig zirkeln zu lassen.Selbst mit deaktivierter Elektronik hat man immer das Gefühl, Herr über das Fahrzeug zu sein. Die 3,6 Liter Hubraum geben genug dem Fahrer Freiraum, um aus jeder Drehzahl genug Saft auf die Räder zu bringen. Zudem werden hier erst wirklich die Stärken des Fahrwerks sichtbar.

Kritik muss sein

Natürlich darf man bei aller Liebe nicht vergessen, dass hier und da noch Verbesserungen nötig sind. So sind zum Beispiel die Fensterheber umständlich zu erreichen. In der Nacht führt die Mittelkonsole einige negative Details vor Augen. Jetzt fällt einem erst die viel zu überflutete Knopf-Ansammlung auf.Ebenso hätte der analogen Uhr hochwertiger Kunststoff oder gar Glas durchaus gut getan. Durch die Hintergrundbeleuchtung wirkt sie zu später Stunde nicht sehr edel. Doch seien wir mal ehrlich: Egal ob Ami, Italiener oder Brite, wenn es bei diesen Nationalitäten nichts zu meckern gäbe, wäre doch der ganze Charme weg.

Reisekomfort mit straffem Fahrwerk

Ein Urlaubstrip mit dem CTS? Kein Problem. Der Kofferraum gibt mit 373 Litern genug Volumen für einen Trip nach Italien frei. Die Außenmaße des CTS sind mit denen eines 5er BMW zu vergleichen, dementsprechend sind die Platzverhältnisse auch im Innenraum hervorragend. Bei V-Max gab es dann doch weibliche Kritik an das für Langstrecken etwas zu harte Fahrwerk. Hier wäre ein optionales Fahrwerk mit verschiedenen Dämpfungsgraden ein sinnvolles Gimmick.Das Beste am CTS V6 ist der Verbrauch. Nach 1.300 teils sehr rabiaten Testkilometern, begnügte sich der Ami dennoch nur mit einem Durchschnittsverbrauch von 13 Litern. Das ist in der Klasse ein hervorragender Wert und widerlegt somit nochmals ein Klischee der Amis, das des brachialen Spritsaufens. Mit einem nicht ganz so lockeren Gasfuß sollten zehn bis elf Liter problemlos möglich sein.

Fazit

Dieser Ami hat das gewisse Etwas. Ein Auto mit soviel Charakter habe ich schon lange nicht mehr unter meinem Gasfuß bewegen dürfen. Auch im Design gibt sich die amerikanische Edelmarke selbstbewusst - Cadillac hat sich Mühe gegeben, dem CTS ein eigenes Gesicht zu verleihen - und das war aus meiner Sicht die richtige Wahl. Es ist frisch, es ist markant und es richtig maskulin. Viele Autos standen in meiner Garage, aber selten hab ich eins so sehr ins Herz geschlossen wie diesen Racker.Cadillac-Mama General Motors ist sich bewusst, welche große Hürde sie mit Europa zu nehmen hat. Wenn die Qualität ihrer Automobilkreationen weiterhin so zunimmt, ist alles nur noch eine Frage der Zeit, bis die Akzeptanz auch hierzulande da ist. Zurzeit dreht das Top-Modell mit V8-Motor, der CTS-V Series, seine letzten Runden auf dem Ring und brennt einen Rundenrekord nach dem anderen auf die Zielgerade. Wetten, dass es eine ganz große Liebe werden wird?

Technische Daten (Werksangaben):

Leistung: 229 kW (311 PS)

  • Robert Schwarz

    Robert ist seit 2009 bei Motorvision, er ist einer unserer Online-Redakteure. Seine Vorlieben liegen bei schnellen Sportwägen mit viel Leistung. Wenn Robert nicht gerade mit einem schnellen Wagen unterwegs ist, schraubt er auch gerne mal selbst an seinem BMW M3 E30.

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Inhaltsverzeichnis
  1. Das Design: Born in the USA
  2. Das Interieur: Endlich eine edle Verarbeitung
  3. Volle 6 - Start your engine!
  4. Kurvengummi vom Feinsten
  5. Gummivernichtung vom Feinsten
  6. Kritik muss sein
  7. Reisekomfort mit straffem Fahrwerk
  8. Fazit
  9. Technische Daten (Werksangaben):
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