Freitag, 06.07.12 Harloff, Thomas

BMW 1er : Der blaue Bengel: BMW M135i im Erstkontakt

BMW M135i  Vorderansicht

BMW nutzt die Vorstellung des neuen 1er Dreitürers, um sogleich das Topmodell der Baureihe zu präsentieren. Und eines hat sich bei der ersten Testfahrt gezeigt: Der M135i, gesegnet mit Sechszylinder-Turbomotor und Hinterradantrieb, sollte so lange genossen werden wie nur irgend möglich.

Es wird nicht ewig so weitergehen

Wir sollten es genießen, so lange es noch geht. Sechszylindermotoren und Hinterradantrieb wird es in der Kompaktklasse nicht mehr lange geben. Auch nicht bei BMW. Die bayerischen Spatzen pfeifen ja schon länger von den Münchner Dächern, dass die nächste 1er-Generation auf einer Frontantriebs-Plattform basieren wird. Ob es dann noch Sechszylinder-Triebwerke im kompakten Bajuwaren geben wird? Fraglich ist das allemal. Doch genug der Zukunftsmusik, lieber beschäftigen wir uns mit dem Hier und Jetzt. Und das vereint die Lieblings-Antriebsquelle aller BMW-Enthusiasten, den Reihensechser, mit Hinterradantrieb. Die Rede ist vom flammneuen M135i, der Motorvision zu ersten Testfahrten zur Verfügung stand.

Weitreichende Detailarbeit

Doch allein damit sind die technischen Rahmenbedingungen noch lange nicht abgearbeitet. Natürlich wird der Dreiliter-Motor nicht sich selbst überlassen, sondern von einem TwinScroll-Turbolader unter Druck gesetzt. Und allein der Hinterradantrieb prädestiniert nicht für gute fahrdynamische Eigenschaften. Also haben die Ingenieure Hand angelegt. Beispiel Motor: Der stammt direkt vom Triebwerk des 335i ab, leistet dank einer optimierten Motorelektronik 320 statt 306 PS und presst 450 statt 400 Nm auf die neue Schmiedekurbelwelle. Beispiel Fahrwerk: Nicht nur, dass das M-Sportfahrwerk im M135i zum Einsatz kommt, es wurde weitreichend auf die veränderte Vorderachskinematik mit steiferen Gummilagern und größerem Sturz angepasst. Zudem bringt der vorläufige Top-1er von Haus aus Sportabgasanlage, -lenkung, -bremse und -mischbereifung mit.

Das Rüstzeug zur Agilitäts-Referenz

Liest sich ganz schön sportlich - und ist es in der Praxis auch. Obwohl der M135i kein reines M-Modell ist, sondern in die Zwitter-Kategorie "M-Performance" gehört, ist er alles andere als weichgespült unterwegs. Mit einem Kompaktknaller wie etwa dem Audi RS3 Sportback wird es der blaue Bengel also durchaus im direkten Duell aufnehmen können, denn Einlenkverhalten, Spurtreue, Straßenlage und Verbindlichkeit vonseiten des Fahrwerks sind jeweils vorbildlich herausgearbeitet und zudem äußerst harmonisch aufeinander abgestimmt. Die etwas weichere Abstimmung im Vergleich zum kompromisslosen und von uns so heiß und innig geliebten 1er M Coupé ist auf schlechten Straßen sogar von Vorteil, da die Räder stets Bodenkontakt halten, unfreiwilliges Versetzen somit ausbleibt. Entsprechend sicher fühlen sich hohe Tempi bei solchen Straßenverhältnissen an. Auch auf der Autobahn zeigt sich der Vorteil dieser Abstimmung: 250 km/h - natürlich elektronisch abgeregelt - reißt der M135i ebenso mühelos wie entspannt runter wie ein 3er oder 5er.

Von Hemmschwellen und Ambitionen

Richtig spaßig wird es jedoch dann, wenn das Geläuf kurvenreich und der Untergrund weitgehend eben ist. Klickt man die von BMW etwas euphorisch "Fahrerlebnisschalter" genannte Taste auf "Sport+", liegt die Hemmschwelle der Stabilitätskontrolle nach regulierenden Maßnahmen weiter oben und ist die dynamische Traktionskontrolle in ihrer ambitioniertesten Ausprägung aktiv. Jetzt lenkt das Heck freudig mit, schwenken die Vorderräder nahezu verzögerungsfrei auf die Ideallinie ein und ist sowieso alles eine Spur zackiger zu handhaben. Zwar kann und will der M135i die mopsfidele bis hyperaktive Agilität des 1er M nicht bieten, trotzdem ist das Spaßpotenzial des "Hot Hatchbacks" riesengroß.

Leistungsbereiter Prachtmotor

In einem Punkt können aber noch nicht einmal die Fahrwerksingenieure von BMW bzw. der M GmbH Wunder vollbringen: In Sachen Traktion ist der M135i zeitweise überfordert. Bei heftiger Leistungsabfrage kriegt er ganz gerne Hummeln im Hintern, was auch die eigens entwickelten 245er Michelin Pilot Super Sport-Hinterreifen nicht immer ausgleichen können. Mit dem Antrieb hat die Motoren-Crew ihren Kollegen aber auch eine ordentliche Aufgabe gestellt, denn der aufgeladene Reihensechser kann immer, will immer und klingt dabei auch noch herrlich dumpf und grummelnd. BMWs Null-auf-Hundert-Versprechen (4,9 Sekunden) sagt eigentlich alles über die Leistungsbereitschaft dieses Prachtmotors aus. Zudem harmoniert das Triebwerk formidabel mit der 2.320 Euro teuren Achtgang-Sportautomatik, die in ihrer Perfektion die Frage aufwirft, warum es je nötig war, Doppelkupplungsgetriebe zu erfinden. Das Getriebe verfügt selbstverständlich über einen Sportmodus und kann auch manuell bedient werden. Apropos: Serienmäßig gibt es eine Sechsgang-Handschaltung.

Wem die Stunde schlägt

Wer es bei dieser belässt, kommt theoretisch mit dem Einstiegspreis von 39.850 Euro hin. Für einen BMW ist der M135i dann sogar anständig ausgestattet, denn neben den bereits erwähnten Sport-Features bringt er von Haus aus noch 18-Zoll-Felgen, optische Akzente in "Ferric Grey metallic", Sportsitze mit einem Stoff/Alcantara-Bezug sowie diverse andere M135i-exklusive Interieurdetails mit. Obwohl den von BMW angegebenen Durchschnittsverbrauch von 7,5 Litern nur diejenigen erreichen werden, die ausschließlich im EcoPro-Modus unterwegs sind - und selbst das ist keine Garantie! -, ist der über 1er auch aus finanzieller Sicht ein gutes Angebot. Und wer weiß, vielleicht ist er in absehbarer Zeit ein beliebter Klassiker. Denn die letzte Stunde von Sechszylindermotoren und Hinterradantrieb in dieser Fahrzeugklasse - wir erwähnten es -, die schlägt bereits.

  • Thomas Harloff

    Thomas ist von 2004 - 2013 bei Motorvision und als Chefredakteur für das Printmagazin und den Onlineauftritt zuständig. Nach dem erfolgreichen Studium der Medienkommunikation an der TU Chemnitz wollte er unbedingt journalistisch tätig sein. Am besten in den Themenbereichen „Auto“ oder „Sport“. Ziemlich schnell ist der Erzgebirgler bei Motorvision gelandet, wo er als Praktikant, Volontär und schließlich als Redakteur stets beide Leidenschaften miteinander verbinden konnte. Privat ist Thomas eher ein gemütlicher Typ, den man entweder auf seiner Couch, auf dem Fußballplatz, im Stadion oder an/auf der Rennstrecke findet.

Mehr zum Thema auf www.motorload.de

Inhaltsverzeichnis
  1. Es wird nicht ewig so weitergehen
  2. Weitreichende Detailarbeit
  3. Das Rüstzeug zur Agilitäts-Referenz
  4. Von Hemmschwellen und Ambitionen
  5. Leistungsbereiter Prachtmotor
  6. Wem die Stunde schlägt
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