Montag, 15.03.10 Schwarz, Robert, C. Fulk

Audi TT : Die Evolution des Vier-Ringe-Coupés

Audi TT

Lange wurde über ihn gerätselt und spekuliert, nun ist es endlich offiziell: Das ist der neue Audi TT. Nun fand in Berlin die Weltpremiere statt.

Der TT ist der Dauerbrenner in der aktuellen Audi-Modellpalette. Bereits seit 1998 sorgt das seitdem kaum veränderte Sportcoupé für Fahrspaß. Der entsprechende Roadster bereichert ein Jahr später das Ingolstädter Angebot. Der Grund, warum sich Audi mit dem Nachfolger bis jetzt Zeit gelassen hat, liegt auf der Hand: Der TT verkauft sich nach wie vor wie die berühmten warmen Erzeugnisse vom Bäcker nebenan. Selbst zwischenzeitliche Negativschlagzeilen (heikles Fahrverhalten, daraus resultierende Unfälle, optische und technische Änderungen als Konsequenz) konnten daran nichts ändern. Doch nun hat die lange Karriere der ersten TT-Generation ein Ende - der heißersehnte Nachfolger feierte jetzt in Berlin Premiere.Beim ersten Blick auf den TT "Nummer zwei" können wir eine gewisse Enttäuschung nicht verhehlen. Kaum etwas ist geblieben von der spektakulären Kombi-Coupé-Studie "Shooting Brake Concept", die im letzten Jahr auf der Tokyo Motor Show für Aufsehen sorgte und dort bereits als seriennaher TT-Nachfolger gehandelt worden ist. Klar, auch das Coupé trägt nun den obligatorischen Single Frame-Kühlergrill, und er steht ihm wirklich gut. Wirkte die Front des Vorgängers noch eher brav und niedlich, kommt der Neue im Rückspiegel deutlich aggressiver daher. Aber sonst hätte man sich von den Designern ein wenig mehr Mut erwartet, als nur die bisherige TT-Formensprache zu modernisieren. Die hohe Gürtellinie bleibt, ebenso die ausgestellten Radhäuser (in denen Felgen von 16 bis 19 Zoll ihr Zuhause haben), die auf der Taille stehenden Rückspiegel und das ausladende Hinterteil à la, na ja, Sie wissen schon...Stattlicher WachstumsschubEinzige Neuerung, die auf den ersten Blick heraussticht, ist die weiter ins Heck gezogene C-Säule. Das verleiht dem Blechkleid eine klassischere Coupéform als beim Vorgänger. Dadurch kommen die 13,7 Zentimeter, um die der Ingolstädter in die Länge gewachsen ist, besser zur Geltung. Ebenfalls neu: Ein Heckspoiler, der bei 120 km/h automatisch ausfährt. Alles in allem ist der TT optisch erwachsener geworden, wenn auch nicht unbedingt spektakulärer. Aber hübsch ist er allemal.Was dem Betrachter verborgen bleibt: Bei der Zusammensetzung der Karosserie geht Audi beim TT komplett neue Wege. Erstmals kommen beim Aufbau verschiedene Materialien nebeneinander zum Einsatz. Während der Vorderwagen größtenteils aus Aluminium besteht, verbauen die Ingenieure hinten Überwiegend Stahl.

Das macht Sinn, da Antrieb und Motor vorne sitzen und so eine bessere Achslastverteilung in Richtung Heck erzielt werden kann.Zum Start zwei MotorenZur Markteinführung stehen für die zweite Generation des TT zwei Benziner zur Auswahl. Basismotorisierung ist vorerst der aus dem VW Golf GTI bekannte 2.0 Turbo-FSI-Vierzylinder, der wie im Wolfsburger Konzernbruder 200 PS leistet. Mit Sechsgang-Schaltgetriebe beschleunigt das Coupé in 6,4 Sekunden von 0 auf Tempo 100, bei 240 km/h ist Schluss. Zwei Töpfe und 50 PS mehr hat der 3,2-Liter-V6 zu bieten. Der Standardsprint gelingt mit diesem reinen Saugmotor in 5,7 Sekunden. Bei 250 Sachen wirft der TT - wie bei den deutschen Herstellern üblich - den elektronischen Anker. In der Serie verfügen beide Versionen über sein manuelles Sechsgang-Getriebe, auf Wunsch sortiert das Doppelkupplungsgetriebe "S tronic" die Gänge. Unterschiede gibt´s dagegen beim Antriebskonzept: Während der Zweiliter die Motorkraft an die Vorderräder schickt, verfügt der Sechszylinder über den Quattro-Antrieb.Wie bei der Einführung des ersten TT wird auch die neue Generation vorerst nur als 2+2-sitziges Coupé angeboten. Frischluftfans müssen sich noch gedulden: Der Roadster folgt laut Audi im nächsten Frühjahr. Das Cockpit ist nicht mehr ganz so eigenständig wie das des Vorgängers, Audi rückt das Design mehr in Richtung der Markenbrüder. Charakteristisch sind dagegen die Sportsitze, das unten abgeflachte Lenkrad, die runden Luftausströmer - davon drei über der Mittelkonsole - und die zum Fahrer orientierte Instrumententafel. Verschiedene Aluminium-Applikationen unterstreichen den sportlichen Anspruch des neuen TT. Jenen Interessenten, die auch bei einem Coupé auf die praktischen Seiten achten, sei gesagt: Der Kofferraum fasst im Normalzustand 290 Liter und lässt sich auf 700 Liter erweitern.Hightech-Fahrwerk für viel FahrspaßUm mit dem neuen TT kein Fiasko wie beim alten zu erleben, haben die Audi-Ingenieure das hauseigene Dynamikfahrwerk überarbeitet. Eines seiner Kennzeichen soll ein lange neutrales bis leicht untersteuerndes Fahrverhalten sein. Auf Wunsch ist aber auch Hightech pur zu haben: Das Dämpfersystem "Magnetic Ride" arbeitet mit winzigen magnetischen Partikeln, die im Öl der Dämpfer zirkulieren. Durch Anlegen einer Spannung verändern sie binnen Millisekunden die Dämpfungscharakteristik und sorgen je nach Fahrsituation oder Wahl des Fahrers für die richtige Fahrwerkshärte.Zu den Preisen: Mit Sechsgang-Schaltgetriebe kostet der neue TT mindestens 31.900 Euro (2.0 TFSI). Wer V6-Power haben möchte, muss noch einmal 8.000 Euro drauflegen. Ab September rollt das Coupé dann auf unseren Straßen, es kann aber bereits jetzt bestellt werden.