Montag, 15.03.10 Schwarz, Robert, T. Harloff

Audi A5 und BMW 3er Coupé : Bayerische Coupé-Beautys im Vergleich

Audi A5 und BMW 3er Coupé

Zeitlose Eleganz gepaart mit Alltagsnutzen und sportlichen Ansprüchen: Audi A5 und BMW 3er Coupé erfreuen sich dank ihrer Allroundqualitäten großer Beliebtheit. Doch welches bayerische Sechszylinder-Coupé ist das bessere?

In Bayern ist nichts mehr, wie es mal war: Die CSU muss die Regierungsverantwortung teilen, der FC Bayern München ist unter Jürgen Klinsmann ins graue Fußball-Mittelmaß abgerutscht. Doch zum Glück gibt es auch im Freistaat noch Konstanten. Zum Beispiel, dass in München und Ingolstadt die besten und erfolgreichsten Mittelklasse-Coupés entstehen. Doch welcher unter weißblauem Himmel erbaute Zweitürer darf als Maßstab in dieser Klasse gelten - BMW 3er Coupé oder Audi A5? Ein Vergleich der 272 bzw. 265 PS starken Sechszylinder-Varianten gibt die Antwort.

Ähnliche Interpretationen des Themas "Mittelklasse-Coupé"

Offensichtlich ähneln sich in München und Ingolstadt die Vorstellungen, wie ein Coupé der Mittelklasse auszusehen hat. Auf Design-Experimente hat man hier wie dort verzichtet, die Coupés nahtlos in die eigene Modellpalette integriert und den stets eleganten Auftritt mit einem Schuss Aggressivität gewürzt. Manch einem mag die Kreativität fehlen, aber so sieht zeitloses Autodesign aus. 3er Coupé und Audi A5 werden zweifellos auch im Oldtimer-Alter noch gut aussehen und dürfen somit schon jetzt als kommende Klassiker gelten.Viele Kreuze in den Aufpreislisten vorausgesetzt, bieten sowohl der BMW als auch der Audi im Innenraum das volle Verwöhnprogramm. Trotz Einstiegspreisen von 42.800 (330i Coupé) bzw. 44.950 Euro (A5 3.2 FSI quattro) halten die Hersteller nur zu gern die Hand auf, wenn es um Extras geht, die das Fahren angenehmer gestalten und die Verhandlungsposition beim Wiederverkauf verbessern. Den hohen Qualitätsstandard gibt es in beiden Autos dagegen serienmäßig, wobei der Audi in punkto Cockpit-Design, Materialanmutung und Übersichtlichkeit das Maß der Dinge ist. Welches Bediensystem man bevorzugt, ist Geschmackssache: Sowohl BMWs iDrive als auch Audis MMI erfordern ein wenig Eingewöhnung, funktionieren dann aber logisch und selbsterklärend.

Klasse Sitze und ausreichend Platz

Die Sitze beider Kandidaten dürfen als perfekt gelten. Sie bieten genug Seitenhalt, ohne die Passagiere in ihrer Bewegungsfreiheit zu sehr einzuschränken. Zum Platzangebot: Vorne ist der BMW etwas enger - Fans meinen: sportlicher - geschnitten, hinten bietet er dafür mehr Kopf- und Kniefreiheit als der Audi. Die Kofferräume (430 Liter im 3er Coupé, 455 Liter im A5) reichen auch für die große Urlaubstour locker aus.Doch Coupés sind in erster Linie zum Fahren da. Und hier entfernen sich die bisher so ähnlichen Philosophien der bayerischen Hersteller voneinander. Im BMW reihen sich die sechs Zylinder brav zu einem Hubraum von drei Litern Hubraum aneinander. Im Audi stehen sich je drei Töpfe in V-Form gegenüber und können einen leichten Hubraumvorteil (3,2 Liter) in die Waagschale werfen. Den leichten Leistungsnachteil (265 zu 272 PS) sollte der Ingolstädter auf dem Papier durch sein etwas größeres Drehmoment-Maximum (330 zu 320 Nm) wettmachen. In der Praxis sieht das anders aus: Beim Thema Laufruhe hält das Audi-Triebwerk noch mit, doch mit seiner Antrittsstärke und Drehzahl-Gier hängt der Münchner Reihensechser den Ingolstädter V6 überraschend schnell ab.

BMW: Emotionaler und effizienter

Auch beim Sound hat der BMW die Doppelniere vorn: Bei gemütlicher Gangart ist genau wie im Audi fast nichts zu hören, doch beim Klettern auf den Drehzahlberg schlägt der Motor die kernigere, aber immer noch eine unaufdringliche Tonart an. Da er den Rivalen auch an der Tankstelle schlägt (sein Bordcomputer berichtet von 10,3 Litern im Schnitt, das Audi-Pendant meldet 11,9), entscheidet er das Motorenkapitel klar für sich. Daran ändert auch seine Vorliebe für das gute und teure Super Plus - der Audi begnügt sich mit 95er Sprit - nicht viel.Und die eigentliche Domäne der BMW, die Fahrdynamik, kommt erst noch. Hier nehmen die Kontrahenten ihre gewohnte Position ein: Das Audi-Fahrwerk findet den genauen Mittelweg zwischen Agilität und Komfort, die Lenkung bietet trotz leichtgängiger Auslegung viel Rückmeldung und arbeitet sehr exakt. Das Fahrwerk des BMWs greift straffer ein, die Lenkung verlangt einen beherzteren Griff. Zusammen mit der ausgewogenen Gewichtsverteilung und Heckantrieb sollte das gegen den im Grenzbereich frontlastig wirkenden Allrad-A5 zum Sieg im Fahrdynamik-Kapitel reichen - sollte...

Der BMW hat ein Reifenproblem

Das hier am Ende Gleichstand herrscht, liegt an den Runflat-Reifen: Das Plus an Sicherheit erkauft BMW mit einem unkomfortablen Abrollverhalten und subjektiv weniger Grip, weshalb das 3er Coupé BMW-untypisch recht früh über die Vorderräder schiebt. Schade, dass BMW - sonst eher für seine knausrige Ausstattungspolitik bekannt - seinen Kunden hier keine Wahl lässt und werksseitig nur die Notlaufreifen anbietet. Wer also Kurvenperformance über alles andere stellt, sollte diese möglichst entsorgen und sich konventionelle Pneus besorgen.Einen Sieger dieses Vergleichs zu küren fällt wahrlich nicht leicht. Im Innenraum unterscheiden sich die Rivalen nur um Nuancen. Beim Komfort erarbeitet sich der Audi einen Vorteil, gerät dafür motorseitig schwer ins Hintertreffen. So gesehen gewinnt der - überraschend auch ausstattungsbereinigt - etwas billigere BMW mit knappem Vorsprung. Mit der Option, die Runflat-Reifen gegen normale auszutauschen, wäre der Sieg allerdings deutlicher ausgefallen.

  • Robert Schwarz

    Robert ist seit 2009 bei Motorvision, er ist einer unserer Online-Redakteure. Seine Vorlieben liegen bei schnellen Sportwägen mit viel Leistung. Wenn Robert nicht gerade mit einem schnellen Wagen unterwegs ist, schraubt er auch gerne mal selbst an seinem BMW M3 E30.

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Inhaltsverzeichnis
  1. Ähnliche Interpretationen des Themas
  2. Klasse Sitze und ausreichend Platz
  3. BMW: Emotionaler und effizienter
  4. Der BMW hat ein Reifenproblem
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