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GESCHICHTE

Renault - Drei Brüder

Seit der Allianz mit Nissan ist Renault einer der weltweit größten Automobilkonzerne. In Deutschland ist Renault mit einem Marktanteil von 5,9 Prozent im Jahr 2011 – allerdings im Verbund mit Dacia – der am stärksten vertretene ausländische Hersteller. Darüber hinaus kann der Konzern eine Reihe von bedeutungsvollen Patentanmeldungen auf seine Fahnen schreiben. Dazu gehören die Kardanwelle, die einzuschraubende Zündkerze, der Turbolader, der Sicherheitsgurt, die Trommelbremse sowie der erste V8-Motor für ein Flugzeug. Doch alles auf Anfang: die Brüder Louis, Fernand und Marcel Renault gründen die Société Renault Frères am 25. Februar 1899. Als eigentliche Geburtsstunde des Unternehmens gilt jedoch der Weihnachtsabend 1898. An diesem Tag ist Louis Renault mit seinem selbst zusammengebauten hölzernen Auto, welches später als Modell A bezeichnet werden soll, in Paris unterwegs. Seine Fahrt durch die Hauptstadt hat zwölf Aufträge zum Nachbau seiner Entwicklung zur Folge.

Kriegswirren

Das Familienunternehmen wächst schnell. Bereits 1900 hat Renault 100 Mitarbeiter. Für den Schritt zum Industriekonzern sorgt ein Großauftrag über 250 Taxis im Jahre 1906. 1913 produziert Renault bereits das zehntausendste Auto. An diese Produktionszahlen kommt nur Ford heran, in Europa sind sie einzigartig. Neben PKWs stellt das französische Unternehmen auch Nutzfahrzeuge, LKWs, Flugzeuge, Panzer, Munition, Bootmotoren und Lokomotiven her. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges gehören ebenso repräsentative Luxusautomobile zum Repertoire der Marke. Mit einer Länge von 1,5 Kilometern besitzt Renault die längste Fließbandstraße außerhalb der USA. Durch die volle Einbindung in das Motorisierungsprogramm der Wehrmacht kann Renault zwischen 1940 und 1942 seinen Umsatz verfünffachen. Nach Kriegsende kommt Louis Renault wegen Kooperation mit dem Feind in Haft. 1944 stirbt er an einer nie wirklich geklärten Ursache. Sein Bruder Marcel musste sein Leben bereits 1903 bei einem Autorennen lassen, Fernand stirbt 1909. 1945 wird das Unternehmen verstaatlicht.

Aufschwung

Der heimlich während des Krieges entwickelte 4CV wird 1946 zum Verkaufsschlager. Es gibt Lieferfristen von über einem Jahr. Die Produktion bricht bald die Vorkriegsrekorde. Renaults erstes wirkliches Weltauto ist der Renault 12. Noch bis zum Ende des Jahrtausends wird er in der Türkei und in Rumänien als Dacia gefertigt. In der Folgezeit expandiert Renault weiter und kauft kontinuierlich Unternehmen auf. So steht Renault nicht nur in Frankreich an der Spitze, sondern ist in ganz Europa sehr erfolgreich. In den 1960er Jahren steigen die Produktionszahlen auf über eine Million Einheiten pro Jahr. Der erste Exportmarkt ist 1962 Deutschland. Bereits 1970 besitzt Renault mit 170.000 Einheiten einen Marktanteil von sieben Prozent in Deutschland und ist so Deutschlands größter Autoimporteur. Zwischen 1970 und 1980 steigt die Zahl der produzierten Fahrzeuge von einer auf zwei Millionen pro Jahr an. Zu verdanken hat das der französische Konzern vor allem der fortschreitenden Automatisierung durch Industrie-Roboter und Modelle, die wie der Renault 5 absolut den Zeitgeist treffen. Neben den massentauglichen Vernunftsmodellen spricht Renault auch die Emotionalität an. Dafür sorgt die Alpine-Reihe, die ab 1976 im Renault Sport Werk in Dieppe gefertigt wird. 1979 fährt Renault einen Gewinn von einer Milliarde Francs ein und bricht damit alle bisherigen Produktions-, Export- und Inlandsverkaufsrekorde.

Krise und Ausweg

Doch so geht es nicht ewig weiter. Mitte der 1980er gerät Renault in eine schwere Krise und verbucht 1984 erstmals Verluste in Milliardenhöhe. Der Marktanteil geht auch in Deutschland auf 2,8 Prozent zurück. 1985 startet der neue Konzernchef Georges Besse einen drastischen Sanierungsplan inklusive massivem Stellenabbau und Verkauf einiger Firmenbeteiligungen. Die gesamte Produktpalette wird zudem erneuert und macht den Weg frei für den Renault 25 oder den Espace, der als Urtyp der Großraumlimousine in Europa gilt. Für den Durchbruch sorgt schlussendlich der Renault 19 im Jahre 1988. Er verhilft dem Unternehmen wieder zu Millionengewinnen. Fachkreise nennen ihn später den „Retter von Renault“. 1996 verkauft der französische Staat seine Anteile an Renault. Der Konzern ist wieder in Privathand.

Weg in die Zukunft

1999 geht Renault eine Allianz mit Nissan ein. Drei Jahre später beteiligen sich die Franzosen mit 44 Prozent an dem japanischen Traditionsunternehmen, zudem mit 20 Prozent an Volvo. Außerdem kauft Renault die Marken Dacia und Samsung Motors auf. Im April 2010 kommt es zu einer weiteren großen Allianz. Renault-Nissan schließt einen Kooperationsvertrag mit der Daimler AG. Diese Kooperation soll der gemeinsamen Entwicklung von Kleinwagen, dem Einsatz gemeinsamer Motoren und einer engeren Zusammenarbeit beim Nutzfahrzeugbau dienen. Darüber hinaus folgt Renault den aktuellen Automobiltrends. Im Zuge der Umweltdebatte entwickelt der Konzern den Elektrolieferwagen Kangoo Rapid Z.E und die Stufenhecklimousine Fluence Z.E. 2012 sollen mit dem Zweisitzer Twizy und dem Kleinwagen ZOE weitere Elektroautos folgen.

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