| Mercedes G 55 AMG | |
|---|---|
| Motor | V-Motor |
| Hubraum | 5439 ccm |
| Leistung | 373 kW (507 PS) bei 6100 U/min |
| Drehmoment | 700 Nm bei 2750 U/min |
| L/B/H in Meter | 4662 mm/1864 mm/1931 mm |
| Gewicht | 2550 kg |
| Antrieb | Allrad perm. |
| Getriebe | Automatikgetriebe |
| Felgengröße | 9,5x19 Zoll ringsum |
| Bereifung | 275/55R19 / 275/55R19 |
| Bremsen | Scheibe / Scheibe |
| 0-100 km/h | 5,6 s |
| 0-200 km/h | 25,2 s |
| Vmax | 210 km/h |
| Bremsweg (100-0 km/h) | 39,8 m |
| Verbrauch | ca. 20 l |
| Grundpreis | 129936 Euro |
| Testwagenpreis | 142.770 Euro |
| Versicherungsklassen | HP 24/ VK 30/ TK 26 |
| Rundenzeit | 1:03.7 min. |
| Teststrecke | Garching |
Warm-Up
Als die Testwagen-Bestätigung aus Stuttgart kommt, lässt sich ein schelmisches Grinsen nicht einmal im Ansatz verhehlen. Zu groß ist die Vorfreude auf den ultimativen Gelände-Veteranen, den AMG seit 2004 unvernünftigsterweise mit einem 5,5-Liter-Kompressor-V8 zum King Kong-Sportler formt. Groß wie China, kantig, bleischwer, sauschnell und mit mehr Testosteron im Körper als der letzte Bulle – der G55 AMG ist männlicher als ein ganzes Schwein vom Grill plus 50-Liter-Fass zum Deutschlandspiel. Die Gelände-Eigenschaften des G sind –auch mit dem AMG-Tiger im Tank – seit jeher unbestritten und bedürfen wohl auch von unserer Seite keiner weiteren Unter-die-Lupe-nahme. Wie sich der aufgeladene Hinkelstein allerdings in der motorvision.de-Wertungsprüfung schlägt, interessierte uns umso mehr. Ob die stärkste G-Klasse tatsächlich sportliche Talente zur Entfaltung bringt, klären wir jetzt.
-
- Das Prunkstück sitzt ganz vorne, hat acht Zylinder, 5,5 Liter Hubraum, einen Kompressor und schmeißt über vier armdicke Sidepipes einen archaischen Klangteppich in die Umwelt, der selbst Ami-V8-erprobten Naturen die Kinnlade gen Süden drückt. 507 PS und 700 Nm Drehmoment machen sogar aus einem 2,6-Tonnen-Dampfer ein längsdynamisches Freudenfest.
Längs
Das Prunkstück – man kann es nicht anders sagen – sitzt ganz vorne, hat acht Zylinder, 5,5 Liter Hubraum, einen Kompressor und schmeißt über vier armdicke Sidepipes einen archaischen Klangteppich in die Umwelt, der selbst Ami-V8-erprobten Naturen die Kinnlade gen Süden drückt. Diese seltsam anmutende Grimasse hat dann auch beim ersten Tritt aufs Alupedal lediglich geringe Chancen auf Normalisierung, kann es einen doch nur erschüttern mit welcher entfesselten Vehemenz dieser rasende Tresor nach vorne schiebt. Wenn King Kong drückt, verfällt die Besatzung in kollektiven Jubel. Oder anders ausgedrückt: 507 PS und 700 Nm Drehmoment machen sogar aus einem 2,6-Tonnen-Dampfer ein längsdynamisches Freudenfest. Lustigerweise ist der Silberrücken dabei gerade „untenrum“ eine Macht, schießt vom Start weg los wie Roseanne Barr beim All-You-Can-Eat. In nackten Zahlen bedeutet das eine 0-100-Zeit von 5,6 Sekunden und das Knacken der Viertelmeile in unter 14 Sekunden. Der blanke Wahnsinn für eine Offroad-Schrankwand mit einem cw-Wert von 0,54, die nach „normalen“ Gesichtspunkten seit 20 Jahren im Museum stehen müsste. Gott sei Dank tut der muskelbepackte Mercedes-Opa das noch nicht und rennt weiter unbeirrt mit einem Affenzahn die linke Spur entlang. Erst ab etwa 180 Sachen merkt man langsam, dass dem Hochdach-Bodybuilder Schnellkraft vor Ausdauer geht. Sich über knapp 25 Sekunden von 0 auf 200 km/h ernsthaft zu beschweren, nimmt uns aber auch keiner ab und so freuen wir uns lieber über 220 Sachen Topspeed laut Tacho (echte abgeregelte 210 km/h) und – wohl aus blanker Furcht der übrigen Verkehrsteilnehmer - mehr Überholprestige als bei einem Lamborghini Murciélago. Wir halten fest: Geradeaus steht das „G“ beim 55er für „Granate“.
-
- Dass das ESP bei wirklich jeder Gelegenheit mit harter Hand den Rettungsanker wirft, verbuchen wir in diesem besonderen Fall als absoluten Pluspunkt, denn ohne das Stabilitätsprogramm hätte in etwas schneller gefahrenen Kurven wohl einzig die nackte Angst das Regiment.
Quer
Ja, irgendwie irre fanden wir die Idee auch, den Kult-Offroader mit den Affalterbacher Superkräften auf unseren kleinen Handlingkurs in Garching zu verfrachten. Ein bescheideneres Umfeld für die Offenlegung seiner Talente kann es für den G 55 AMG nämlich wirklich nicht geben. Und so wundert es nur wenig, dass der Gelände-Macho auf dem eng gesteckten Kurs hilflos umher taumelt als hätte Mike Tyson ihm gerade mit einem Haken das Fahrwerk rausgeprügelt. Die reichlich wenig Gefühl vermittelnde Lenkung, die einem nie so ganz genau sagt, wo man als nächstes hinfährt, hilft einem dabei ebenso wenig wie starke und ständige Wankbewegungen der am höchsten Punkt 1,93 Meter messenden Karosserie. Dass das ESP bei wirklich jeder Gelegenheit mit harter Hand den Rettungsanker wirft, verbuchen wir in diesem besonderen Fall als absoluten Pluspunkt, denn ohne das Stabilitätsprogramm hätte in etwas schneller gefahrenen Kurven wohl einzig die nackte Angst das Regiment. Mit gesperrtem Mittelachsdifferenzial lässt sich das ESP übrigens auch abschalten. Dann sind wir aber glücklicherweise auf Stock und Stein und nicht auf Curbs unterwegs. Leider kann auch die Bremsanlage des G auf unserer Rennstreckenübung nicht restlos überzeugen. Ein etwas schwammiges Pedalgefühl kombiniert mit spürbar abbauender Bremsleistung nach wenigen Runden, lässt den Verdacht aufkommen, dass eine Nummer größer für die schiere Masse des Fahrzeugs durchaus angebracht wäre. Alles in allem ist es also eine –wie vermutet –überschaubar kluge Entscheidung, den bulligen Allradler auf einen Rundkurs (vorausgesetzt er ist geteert und nicht aufgeschüttet) zu entführen. Die gemessene Rundenzeit von 1:03,70 bestätigt diese These nur all zu treffend. Zur Ehrenrettung des Power-Routiniers sei gesagt, dass im Erscheinungsjahr der G-Klasse anno 1979 wohl wirklich niemand im Sinn hatte, das mittlerweile auf gut 500 PS erstarkte Ungetüm 32 Jahre später auf einem kleinen Handlingkurs hinsichtlich seiner Sporttauglichkeit zu überprüfen.
-
- Kaum zu glauben, dass dieses Auto bereits seit 32 Jahren gebaut wird. Dank wiederholter Retuschen präsentiert sich der Innenraum des G 55 AMG in Topform. Die Ausstattung ist vollständig, der Qualitätseindruck hervorragend.
Alltag
Seinen horrenden Trinksitten (mehr dazu im Kapitel „Geld“) zum Trotz, empfiehlt sich der G 55 beinahe uneingeschränkt als ehrlicher, über die Maßen souveräner und erstaunlich luxuriöser Begleiter für den Alltag. Bei all der überbordenden Üppigkeit in Sachen Ausstattung (vor allem mit dem designo-Leder- und Holz-Paket), vergisst man völlig, eigentlich in einer Militär-Wuchtbrumme aus der Hochzeit des kalten Krieges zu sitzen. Auf den Lederpolstern der ersten Reihe thront man schlicht perfekt und auch drei Hinterbänkler nimmt der G mit äußerster Gelassenheit auf. 480 bis 2.250 Liter Kofferraumvolumen sprechen ebenso für sich wie eine maximale Anhängelast von 3,5 Tonnen. Kritik – und zwar erheblich – gibt es dagegen für den restlos unbefriedigenden Federungskomfort. Dass ein Geländewagen dieses Ausmaßes – AMG hin oder her – über die Piste hoppelt wie ein getunter Kleinwagen, kann nicht ins Bild passen, dass Mercedes vermitteln möchte und bestätigt den Eindruck eines etwas unglücklichen Fahrwerks-Setups. Dennoch geht vom AMG-Schlachtschiff auch im täglichen Umgang eine Faszination aus, der man sich so leicht nicht entziehen kann. So begeistert wir waren, als der Daimler-Koloss in der Redaktion eintraf, so wehmütig waren wir, als er wieder ging.
Geld
Prinzipiell ist das Thema Geld in einem Satz abzuhandeln: Wer die Kohle nicht im Überfluss hat, sollte sich den G 55 AMG schleunigst aus dem Kopf schlagen. Etwas breiter ausgeführt und mit Zahlen garniert heißt das: 142.770 Euro Testwagenpreis, eine Versicherungseinstufung jenseits von Gut und Böse und AMG-typische Wartungskosten stören nur den nicht, den finanziell ohnehin nichts aus der Ruhe bringt. Ein Spritverbrauch von 18,5 Litern bei gemütlicher Fahrt und gut 22 bis 24 Litern wenn man etwas ambitionierter unterwegs ist, ist leider auch nicht dazu angetan, die Kostenbilanz des Über-G aufzupolieren. Aber es muss ja schließlich einen Grund geben, warum der 55er bei uns ein Schattendasein fristet, während er sich in den USA und dem Nahen Osten allergrößter Beliebtheit erfreut.
Wahre Werte
Auf der nach oben offenen Maskulinitäts-Skala steht der G 55 AMG ungefähr auf einer Stufe mit der Vorstellung von Bud Spencer und Steve McQueen beim Erlegen eines Löwen mit den bloßen Händen – das honorieren wir zutiefst. Aus sportlich-fahraktiver Sicht ist beim Affalterbacher Riesen aber eher Flaute angesagt. Im Prinzip ist das keine große Überraschung, schließlich geht eine Zweieinhalb-Tonnen-Mauer nicht von selbst ums Eck. Etwas mehr Feinschliff am Fahrwerk würde einem Boliden, der AMG auf dem Deckel trägt, dennoch ganz gut tun. Fahrspaß bietet der Testosteron-Kraxler freilich trotzdem im Überfluss, weil man auch nach der hundertsten Beschleunigungs-Orgie noch nicht wahrhaben kann, wie diese Kiste abgeht. Kleiner Tipp am Rande: Einmal mit offenen Fenstern im Tunnel zum Kickdown ansetzen – man will nie wieder etwas anderes hören. Und seien wir mal ehrlich, den Kurvenkönig wird der G 55 in diesem Leben eh nicht mehr geben und soll er auch gar nicht. Dafür wird in Kürze der G 63 AMG zuständig sein. Ohne Witz. Wir freuen uns jetzt schon…
| Kriterien (je max. 10 Punkte) | Mercedes G 55 AMG |
|---|---|
| Gesamtergebnis (max. 50 Punkte) |
29 |
| Längs | 09 |
| Quer | 02 |
| Alltag | 07 |
| Geld | 02 |
| Wahre Werte | 09 |

