| VW Rothe Motorsport Caddy 1,8 T | |
|---|---|
| Motor | Reihen-Vierzylinder mit Turboaufladung |
| Hubraum | 1781 ccm |
| Leistung | 400 PS/ 500 Nm |
| Drehmoment | 500 Nm |
| L/B/H in Meter | 4,20 /1,70/- |
| Gewicht | 1140 kg |
| Antrieb | Front |
| Getriebe | 6-Gang-Schaltgetriebe |
| Felgengröße | 7,5x17 Zoll |
| Bereifung | 215/45 R17 / 215/45 R17 Yokohama Advan A048 |
| Bremsen | Vo: Scheiben 323 mm / Hi: Trommeln |
| 0-100 km/h | 5,8 s |
| 0-200 km/h | 18,3 s |
| Vmax | 271 km/h |
| Bremsweg (100-0 km/h) | 36,3 Meter |
| Verbrauch | ca. 15 Liter |
| Grundpreis | unbekannt |
| Testwagenpreis | unbekannt |
| Versicherungsklassen | Individuelle Einstufung |
| Rundenzeit | 56,0 s |
| Teststrecke | Garching |
Warm-Up
Wenn Mike Rothe am Apparat ist, steigt beim handelsüblichen Motorvision-Testredakteur automatisch das Stimmungsbarometer. „Ich hab da was für Euch, da werdet Ihr Euren Spaß dran haben, VW Caddy Rennauto“, spricht der Rothe Motorsport-Chef am anderen Ende der Leitung. Wie jetzt? Caddy oder Rennauto? Angemessene Gegenfrage, wie ich finde. Der Chef bleibt stoisch gelassen: „Fahrt den mal, der macht echt Laune.“ Was dann ein paar Wochen später vor mir steht, verwirrt noch wesentlich mehr. Ein mausgrauer 1998er VW Caddy (ja richtig, ein Polo 6N mit Quasimodo-ähnlichem Buckel; ungefähr so cool wie Fußpilz) türmt sich vor mir auf. Rothe-üblich verzichtet der unattraktive Kleintransporter auf wilde Spoilerorgien. OZ-Felgen, dicke Movit-Bremsen, eine Lufthutze auf der Motorhaube und zwei Recaro-Schalen geben dennoch einen ersten Hinweis darauf, dass hier mehr unterwegs ist als Meister Müller auf dem Weg in seine Backstube. Wieviel mehr hier tatsächlich unterwegs ist und wie gut es funktioniert, klärt nun die Motorvision.de-Wertungsprüfung.
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- Die wahre Spaßgranate aber steckt unter der Haube. Rothe tauscht den 64 PS-Bummeldiesel gegen den aus dem VW-regal bestens bekannten 1,8-Liter-Turbo-Benziner. Dieser wird in der "Turbomanufaktur" nach allen Regeln der Kunst zu wahren Höchstleistungen getrieben.
Längs
Um es gleich mal vorweg zu nehmen: Dieser rasende Schuhkarton hat 400 PS und an die 500 Nm Drehmoment! Rumms, das sitzt! Dass diese Brachial-Werte aus einem Hubraum von 1,8 Litern generiert werden, macht die Sache zunächst nicht gerade vertrauenerweckender, überrascht uns bei einer Rothe Motorsport-Kreation aber auch nicht sonderlich. Die „Turbomanufaktur“ aus dem hessischen Schaafheim erzielt seit jeher Literleistungen wie sonst nur ein niederbayrischer Burschenverein auf dem Oktoberfest. Mit der üblichen Mixtur aus neuem Lader, Ladeluftkühler, Krümmer und spezieller Auspuffanlage scheinen VW-Motoren im Rothe-Speedlabor leistungsmäßig regelrecht zu explodieren. Gehalten haben die Maschinen bisher trotzdem immer und auch der Einsachter-Turbo in unserem Caddy machte alle Vollgastorturen ohne Murren mit. Dazu sollte erwähnt werden, dass wir uns für alle Tests auf abgesperrtem Terrain befanden, denn der 400 PS-Leistungsstufe blieb der Segen des TÜV bislang verwehrt (Anm. der Redaktion: mit anderem Steuergerät fährt der Caddy mit 272 PS und 400 Nm auch mit Straßenzulassung). Schon beim Anlassen des Turbo-Biests bekommt man eine Ahnung davon, warum ein biederer, um Recht und Ordnung bemühter Prüfer eventuell sein Veto einlegen könnte. Aus dem herrlich unauffälligen, wie beim Diesel nach unten gekrümmten Endrohr blasen die Trompeten von Jericho plus die aller Nachbarorte zusammen und im Innenraum brummt es wie ein Schädel nach drei durchzechten Nächten. Gibt man das erste Mal Gas, weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll. Lachen, weil man einfach nicht begreift, wie dieses ulkige Hochdachmobil – das in einem früheren Leben einmal ein 64 PS-Saugdiesel war - einen gerade in andere Sphären schießt. Oder weinen, weil das Ganze in etwa so kontrollierbar ist wie Dynamo Dresden-Fans an der Autobahnraststätte. Wenn bei knapp unter 4.000 Touren der Turbo mit unbarmherzigen 1,7 bar laut pfeifend einsetzt, geht die Fuhre einfach durch und zwar egal ob im ersten, dritten oder fünften Gang der perfekt zu schaltenden Rothe-Sechsgangbox . Nach diversen reifenmordenden Versuchen, einen vernünftigen Beschleunigungswert zu ermitteln, steht dann letztlich hinter der 0-100-Zeile: 5,8 Sekunden. Die 200er-Marke knackt der Schnelltransport in etwas mehr als 18 Sekunden. Wäre dem knapp 1.150 Kilo schweren Caddy auf seinem so sicher nicht vorbestimmten Lebensweg kein Vorderradantrieb wie ein Knüppel zwischen die Beine geworfen worden, stünden sicher eine 4 bzw. eine 16 vor dem Komma. Irgendwann so ab 160 bis 180, wenn die mangelnde Traktion keine Rolle mehr spielt, ist diese Balla Balla-Schleuder dann richtig in ihrem Element. Das Auto vibriert bei diesen Tempi heftiger als die gesamte Auslage eines Beate-Uhse-Megastores und geht nach vorne, als gäbe es kein Morgen. 210, 220, 230, 240…im gefühlten Sekundentakt fliegen diese Werte einfach vorbei bis hinauf zur GPS-gemessenen Höchstgeschwindigkeit von 271 km/h. Um es nochmal zu verdeutlichen, wir sitzen in einem Auto mit dem CW-Wert einer Einbauküche. Dass er sich dabei 14-15 Liter im Schnitt gönnt, geschenkt! Längsdynamisch ist das Teil der Wahnsinn.
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- Dennoch muss man dem Rothe-Transporter generell ein hohes Potenzial bescheinigen, weil der Kasten in Kurven prinzipiell liegt wie das vielzitierte Brett und schön neutral durch selbige hindurchpflügt. Auch die Bremse kann in diesem Zusammenhang begeistern. Trotz hinterer Trommeln(!) agiert sie dank der Vier-Kolben-Movit-Anlage mit 323er Scheiben an der Front bissig und gut dosierbar.
Quer
Tja, was soll man von einem 13 Jahre alten Hochdach-Polo, dessen Vorderräder mit 400 PS malträtiert werden, querdynamisch erwarten? So gut wie gar nichts, will man meinen. Und tatsächlich tut man sich, trotz Drexler-Sperrdifferenzial an der Vorderachse, einem Koni-Sportfahrwerk und formidabler Yokohama Cup-Bereifung, extrem schwer, die jederzeit im Überfluss abrufbare Leistung vernünftig auf die Straße zu bringen. Die etwas indirekte Lenkung ist sehr schwer zu bändigen und diktiert dem Fahrer die Richtung ein gutes Stück mehr, als ihm das eigentlich lieb sein kann. Vor allem, wenn der Turbo einschlägt, ist das Biest kaum zu halten. Es braucht also einen extrem versierten Fahrer, um das zweifelsohne hohe Potential des Rothe-Caddy abzurufen. Hohes Potential, weil der Kasten in Kurven prinzipiell liegt wie das vielzitierte Brett und schön neutral durch selbige hindurchpflügt. Auch die Bremse kann in diesem Zusammenhang begeistern. Trotz hinterer Trommeln(!)agiert sie dank der Vier-Kolben-Movit-Anlage mit 323er Scheiben an der Front bissig und gut dosierbar. Minuspunkte gibt es allerdings für starke Schleifgeräusche im Radkasten bei vollem Kurveneinschlag. Man merkt recht zügig, dass es verdammt harte Arbeit ist, den „Baustellenexpress“(steht so auf dem Heck des Wagens) richtig schnell um einen Rundkurs zu jagen und so messen wir auf unserem verwinkelten Handlingparcours, wo der brachiale Turboschub nie so richtig zur Entfaltung kommt, lediglich eine Zeit von 56,0 Sekunden. Dass es dennoch geht, zeigte Rothe-Fahrer Jens Breitfeldt beim letztjährigen TunerGP, als er den Caddy in erstaunlichen 1:17,67 um den kleinen Kurs in Hockenheim fliegen ließ.
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- Die Recaro-Schalen sind wie immer über jeden Zweifel erhaben. Seitenhalt und Sitzkomfort könnten besser nicht sein.
Alltag
Naja, theoretisch könnte man mit dem Rothe-Caddy seinen eigenen Handwerksbetrieb aufmachen, einen Umzug stemmen oder sich auf jeder längeren Reise das Hotel sparen (Liegefläche hinter den beiden Recaros mehr als ausreichend vorhanden). Die Frage ist, ob man mit ihm wirklich handwerken, umziehen oder länger verreisen will. Der Wolf im Schafspelz ist nämlich einfach nur unsäglich laut, unglaublich hart und hat eine Kupplung, die in einem 20-Minuten-Stau locker zwei Jahre intensives Beintraining ersetzt. Lobend erwähnen muss man in diesem Fall aber definitiv auch - und zwar die bequemen Recaros und dass der Caddy tatsächlich über eine sehr effektive Klimaanlage verfügt. Ein Radio ist ebenfalls vorhanden, aufgrund des bereits beschriebenen Geräuschniveaus in diesem Über-Lieferwagen hört man es aber nicht. Alles in allem taugt der Caddy also eindeutig besser zum genialen Spaßmobil für besondere Anlässe (zum Beispiel um dem benachbarten Porschefahrer auf der Autobahn alle Gesichtszüge entgleisen zu lassen) als zum Rundum-Sorglos-Begleiter für jeden Tag.
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- Hinter den schwarzen 17-Zöllern von OZ Racing lugt eine 4-Kolben-Movit-Bremsanlage mit 323er Scheiben hervor.
Geld
Wie soll man bei diesem Auto an das Kapitel „Geld“ herangehen? Ein 98er Caddy ist grundsätzlich schweinebillig zu haben – sprich, keine zwei Riesen und das Teil wechselt den Besitzer. Um aus einem stockbiederen, elend langsamen VW-Lastesel allerdings eine Rennfeile Marke Rothe zu machen, muss der geneigte Interessent schon wesentlich tiefer in die Tasche greifen. Machen wir’s kurz und schmerzlos: 15.000 Euro verschlingt allein der Motorumbau. Das Fahrwerks-Setup (mit Bremsen, Rädern und Drexlersperre) schlägt mit gut 9.000 Euro zu Buche, dazu kommen die Karosseriearbeiten, das Recaro-Gestühl und diverse andere Kleinigkeiten. Am Ende steht – je nachdem, was der Kunde sonst noch wünscht – eine Zahl irgendwo zwischen 30.000 und 35.000 Euro. Kann man natürlich auch einen neuen GTI dafür haben, der geht allerdings nicht halb so gut. Die Versicherungskosten können wir beim Rothe-Caddy leider nicht bewerten oder beurteilen, da es sich um eine Individual-Einstufung handelt. Den Spritverbrauch hingegen schon: Gute 15 Liter im Schnitt, natürlich vom zum Heulen teuren 102-oktanigen Nobel-Benzin.
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- Trotz aller Tücken hat uns der Rothe Renn-Caddy, das hessische Autobahn-Ungeheuer, mit seiner restlos unkonventionellen Art verblüfft und begeistert. „Da werdet Ihr Euren Spaß dran haben“, sagte Mike Rothe. Danke Chef, den hatten wir.
Wahre Werte
Wenn man – wie wir das gemeinhin bei unserem Kriterium „Wahre Werte“ vorhaben – Parameter wie „Fahrspaß“, „Coolness“ oder „Power fürs Geld“ untersucht, dann kann der Rothe-Caddy hier nur ganz weit vorne landen. Wirklich jeder, der in diesem verrückten Gefährt gefahren oder mitgefahren ist, musste entweder grinsen, laut lachen, jubeln oder ungläubig mit dem Kopf schütteln. Dass die seltsame Schüssel dabei auch noch so dermaßen unscheinbar daherkommt, lässt sie in unserem Ansehen weiter steigen. Der Caddy von Rothe Motorsport ist sauschnell, viel zu laut, bockhart, nicht ohne List, völlig unangepasst und hat damit eine absolute Top-Bewertung in unseren „Wahren Werten“ sicher.
| Kriterien (je max. 10 Punkte) | VW Rothe Motorsport Caddy 1,8 T |
|---|---|
| Gesamtergebnis (max. 50 Punkte) |
29 |
| Längs | 10 |
| Quer | 04 |
| Alltag | 03 |
| Geld | 04 |
| Wahre Werte | 08 |

