Sportliche Knirpse im Vergleich

Wertungsprüfung Mini Cooper S vs. Audi A1: Sportliche Minimalisten? Abwarten!

Wer einen Einstiegs-Sportler sucht, sieht sich zwangsläufig in der Kategorie Mini Cooper S und Audi A1 1.4 TFSI um. Deshalb liegt es nahe, die beiden Lifestyler im Westentaschen-Format in unsere Wertungsprüfung zu schicken. Wir geben die Antwort, welcher Knirps mehr (Fahr-)Freude bereitet. ( , 14.10.2011)

TECHNISCHE DATEN
Mini Cooper SAudi A1 1.4 TFSI
MotorReiheReihe
Hubraum1.598 ccm1390 ccm
Leistung135 kW (184 PS) bei 5.500 U/min136 kW (185 PS) bei 6200 U/min
Drehmoment240 Nm (260 bei Overboost) bei 1.600 U/m250 Nm bei 2000 U/min
L/B/H in Meter3,73 m/1,68 m/1,41 m3954 mm/1740 mm/1417 mm
Gewicht1.215 kg1265 kg
AntriebFrontFront
GetriebeSchaltgetriebeAutomat. Schaltgetriebe (Doppelkupplung)
Felgengröße7 x 17 Zoll7,5 x 17 Zoll
Bereifung205/45 R 17 V / 205/45 R 17 V215/40R17 / 215/40R17
BremsenScheibe / ScheibeScheibe / Scheibe
0-100 km/h7,2 s7,2 s
0-200 km/h------
Vmax228 km/h227 km/h
Bremsweg (100-0 km/h)35,2 m35,5 m
Verbrauch8,4 Liter8,3 Liter
Grundpreis23.650 Euro24250 Euro
Testwagenpreis33.470 Euro32.685 Euro
VersicherungsklassenHP 14/ VK 19/ TK 23HP 15/ VK 20/ TK 23
Rundenzeit53,6 s53,8 s
TeststreckeGarchingGarching

Warm Up

Wir reisen in der Zeit ziemlich genau 35 Jahre zurück: Da erblickt ein Auto das Licht der Welt, das drei Türen und Vorderradantrieb hat sowie 3,70 Meter lang, 810 Kilo leicht und 110 PS stark ist – der VW Golf GTI. Mit 182 km/h Topspeed und einem Sprintwert von Null auf Hundert in 9,2 Sekunden gilt er als Sportwagen für jedermann, verkauft sich formidabel und entwickelt sich zur Legende. Von diesem Status sind der Mini Cooper S und vor allem der Audi A1 1.4 TFSI noch weit entfernt. Allerdings sind diese kleinen Knaller gute Belege dafür, wie sich die Zeiten doch ändern. Denn nicht nur die Bevölkerung ist in der Zwischenzeit im Schnitt deutlich schwergewichtiger geworden, sondern auch Autos im Allgemeinen und Kleinwagen im Speziellen. Gerade deshalb zieht man mit 110 PS heute nicht mehr die Wurst vom Teller. 184 (Mini) bzw. 185 PS (Audi) müssen es schon sein, um sich als Sportwagen für jedermann zu empfehlen. Doch welcher Bonsai hat die besseren athletischen Anlagen? Die aktuelle Wertungsprüfung gibt die Antwort.

Audi A1 1.4 TFSI vs. Mini Cooper S
Schau mir unter die Haube, Kleiner: Mini Cooper S und Audi A1 1.4 TFSI treten beide mit aufgeladenen Vierzylindern an, die ihre Power an die Vorderräder schicken.

Längs

Der Ur-GTI bezog seine Kraft damals noch ausschließlich über Hubraum und Drehzahl. Aktuell ist Zwangsbeatmung das Gebot der Stunde. Hier wie da sind turbogeladene Vierzylindermotoren am Werk, wobei der kleinere Mini das größere Triebwerk zu bieten hat. In Sachen Hubraum steht es 1,6 zu 1,4 Liter zugunsten des Knallbonbons aus Oxford, allerdings kann der A1 diesen Nachteil - zumindest auf dem Papier - locker ausgleichen. Sowohl bei den Leistungsdaten als auch bei den Fahrwerten schenken sich die Knirpse nichts, weshalb letztlich der subjektive Eindruck entscheidet. Und hier hat der Mini die Kulleraugen leicht vorne. Der Cooper S reagiert spontaner auf den Gasbefehl wie Lothar Matthäus auf einen Heiratsantrag und zieht verbissen bis zum roten Bereich durch. Schon bei 1.600 Touren steht das Drehmoment-Maximum von 240 Nm (260 bei Overboost) in voller Blüte zur Verfügung. Der A1 hat „erst“ bei 2.000 Umdrehungen alle 250 Nm mobilisiert. Zudem unterstreicht das serienmäßige Doppelkupplungsgetriebe, das die Gänge zwar sauschnell und sehr verschliffen wechselt, sich beim Kickdown aber recht viel Zeit lässt, den - im Vergleich - etwas behäbigeren Charakter. Im Mini schaltet man klassisch mit einer manuellen, kurzwegigen und exakt geführten Sechsgang-Box, die wegen des ebenso breiten wie hohen Drehmoment-Berges aber nicht allzu oft bemüht werden muss. Alles in allem bietet der Mini Cooper S einen Antriebsstrang, der in dieser Klasse nur von einem getoppt wird – dem 211 PS starken Bruder John Cooper Works.

Mini Cooper S
Der Mini Cooper S scharrt auch beim frühen Herausbeschleunigen nicht übermäßig mit den Vorderhufen. Dafür freut er sich schon riesig auf die nächste Kurve.

Quer

Kann der A1 1.4 TFSI auf der Teststrecke sein kleines Antriebsmanko wettmachen? Um es vorweg zu nehmen: Nein, kann er nicht. Im Gegenteil, der Mini zeigt ihm ab der ersten Kurve die mittig angeordneten Auspuffrohre von hinten. Frei von sämtlichen Elektronikfesseln lenkt der Engländer zackig ein, schmeißt das kurze Heck freudig mit ins Eck, hält verbindlich die Spur und scharrt auch beim frühen Herausbeschleunigen nicht übermäßig mit den Vorderhufen. Dafür freut er sich schon riesig auf die nächste Kurve, die er so neutral umrundet, dass dem Piloten Zweifel an der Frontantriebs-Architektur aufkommen. Die wird beim A1 schneller offensichtlich, denn im Grenzbereich kündigt er zwar spät, aber merklich mit Untersteuern an, dass ihm die Gangart nun etwas zu heftig wird. Ein weiteres Manko des Ingolstädters: Die Stabilitätskontrolle bleibt stets aktiv, was im Grenzbereich das eine oder andere Zehntel kostet. Somit gewinnt der Mini dieses Kapitel klar, auch wenn er sich die Agilität mit spürbaren Komforteinbußen beim Fahrwerk erkauft.

Audi A1 1.4 TFSI
Das Cockpit des Audi A1 1.4 TFSI: Hochwertig, schick gestaltet und narrensicher zu bedienen – der A1 bietet das beste Cockpit im Kleinwagensegment.

Alltag

Womit wir bei der Alltagstauglichkeit wären. Und in diesem Kapitel schlägt die Stunde des A1 – jedenfalls in diesem Vergleich. Nicht, dass einer auf die Idee kommt, der Audi wäre ein vollwertiges Familienauto – aber er reicht in punkto Platzangebot zumindest an den derzeit gültigen Kleinwagenstandard heran. Klar, er ist immerhin 22 Zentimeter länger als der Brite, der jedoch sein Image als Spaßgerät für zwei Personen nur zu freudig kultiviert – und deshalb einfach nicht mehr Platz bieten will. Zudem ist er konsequent unpraktisch, auch in der Bedienung. Bis man sich die Funktionen der stylishen, aber schwer auseinanderzuhaltenden „Toggles“ - so heißen bei Mini die Schalter für Fensterheber, Nebelscheinwerfer und Co. - auf der eigenen Festplatte abgespeichert hat, benutzt man sie lieber gar nicht erst. Anders der Audi: Hochwertig, schick gestaltet und narrensicher zu bedienen – der A1 bietet das beste Cockpit im Kleinwagensegment.

Audi A1 1.4 TFSI
Schon beim Grundpreis des A1 1.4 TFSI (24.250 Euro) langt Audi ordentlich hin. Und dann schaffen sie es auch noch, den Testwagenpreis auf 32.685 Euro zu pushen.

Geld

Das kann man für den Tarif, den Audi beim A1 1.4 TFSI aufruft, aber auch verlangen. Schon beim Grundpreis (24.250 Euro) langen die Ingolstädter ordentlich hin. Dass sie es dann aber auch noch schaffen, den Testwagenpreis mit gut zwei Dutzend Kreuzchen auf der Aufpreisliste auf 32.685 Euro zu pushen, lässt uns verdutzt zurück. Zumindest so lang, bis man sich die Preisgestaltung des Mini zu Gemüte führt. Der summiert sich von 23.650 Euro Grund- auf 33.470 Euro Testwagenpreis. Mann oh Mann, die wollen erst einmal verdient sein. Dafür knausern die Kleinen angesichts der gebotenen Motorpower mit ihren Trinksitten: 8,4 Liter beim Mini und 8,3 Liter im Audi sind nun wahrlich nicht zu viel, um Freudenspender wie diese Turbomotoren für 100 Kilometer mit flüssiger Nahrung zu versorgen.

Mini Cooper S
Mit seinen treu dreinblickenden Kulleraugen geht der Mini unverholen auf Frauenfang. Als Cooper S fällt es ihm jedoch sehr leicht, auch Männerherzen zu erobern.

Wahre Werte

Imagemäßig setzen beide Kontrahenten voll auf die Lifestyle-Karte. Das nimmt man dem Mini eher ab, weil er in seiner Ausrichtung einfach konsequenter ist. Und er macht mehr Spaß als der Audi, was es - ein kurzer Blick in die Zulassungsstatistik verdeutlicht es - den Kunden leichter macht, Unsummen für ihn auszugeben. Ob man sich letztlich mit dem eher femininen Image beider Autos anfreunden kann, muss natürlich jede(r) mit sich selbst ausmachen. Wer sich jedoch von der Prestige-Frage freimachen kann, findet im Mini den spaßigeren Begleiter – und den Sieger unserer Wertungsprüfung. Wer einen motorisch potenten, durchaus agilen Kleinwagen mit einigen praktischen Qualitäten und hochwertigem Innenraum-Ambiente sucht, trifft mit dem Audi die bessere Wahl. Aber wer es ganz nüchtern betrachtet, der sagt sich: Für das Geld kriege ich auch einen top ausgestatteten VW Golf GTI – und zwar den aktuellen.

MOTORVISION WERTUNG
Kriterien
(je max. 10 Punkte)
Mini Cooper SAudi A1 1.4 TFSI
Gesamtergebnis
(max. 50 Punkte)
32 29
Längs0807
Quer0705
Alltag0608
Geld0404
Wahre Werte0705
MOTORVISION FAZIT
Audi A1 1.4 TFSI vs. Mini Cooper S Testredakteur Thomas Harloff
Der Mini Cooper S gewinnt diesen Vergleich, weil er schlicht und ergreifend das dynamischere Auto ist und das auch imagemäßig locker nach außen kehren kann. Der Audi A1 1.4 TFSI kann zwar bessere Alltagsqualitäten in die Waagschale werfen, ist aber (mindestens) genauso teuer und deshalb nur Zweiter in diesem Duell.

Konkurenzfahrzeuge:
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