Test HMS Mercedes C 63 AMG

Wertungsprüfung HMS C 63 AMG Kompressor: Schwarze Magie

Schwarz, breit und ungemein stark. Selten passte der alte Slogan besser als beim C 63 AMG Kompressor der badischen Tuningschmiede HMS. Auf dem Leistungsprüfstand lässt der zwangsbeatmete Achtender selbst gestandene Supersportler alt aussehen. Ob er auch fahrdynamisch Wort hält, klärt die Wertungsprüfung. ( , 02.12.2011)

TECHNISCHE DATEN
Mercedes HMS C63 Kompressor
MotorAchtzylinder-V-Motor mit Kompressor-Aufladung
Hubraum6.208 ccm
Leistung478 kW (650 PS) bei 6.600 U/min
Drehmoment870 Nm bei 3.700 U/min
L/B/H in Meter4,73/1,85/1,44
Gewicht1.810 kg
AntriebHeck
Getriebe7-Gang-Automatikgetriebe
Felgengrößevo: 10x19 Zoll; hi: 11x19 Zoll
Bereifung265/30 ZR19 / 295/30 ZR19 Toyo Proxes R888
BremsenScheiben rundum; vo: 405 mm / hi: 330 mm
0-100 km/h3,9 s
0-200 km/h11,1 s
Vmaxüber 320 km/h
Bremsweg (100-0 km/h)34 Meter
Verbrauch18,5 Liter
Grundpreis69.972 Euro
Testwagenpreisab etwa 117.000 Euro
Versicherungsklassenindividuelle Einstufung
Rundenzeit42,4 s
TeststreckeWachau

Warm-Up

Mercedes C 63 AMG – diese abstrakte Kombination aus Buchstaben und Zahlen sorgt in ihrer Zusammensetzung in den meisten Fällen schon allein für feuchte Männerträume. Der schwäbische Potenzbolzen mit den großspurig aufgepumpten Backen ist quasi als letzter Benzikaner komplett downsizingbefreit und ballert die Kraft seiner Testosteron-geschwängerten 6,2 Liter Hubraum noch immer herrlich ungeniert ins vom schlechten Umweltgewissen heimgesuchte Land. Mit seinen hämmernden 457 PS und seinem Monster-Drehmoment von 600Newtonm…. STOPP!!! SCHNITT!!! So geht das nicht!!! ….wie viel hat der? 457? 600? Haha, lachhaft, äußerst lachhaft….oder anders ausgedrückt:
Vergesst alles, was Ihr bisher über diesen milchbubihaften Leistungsverweigerer aus Affalterbach gehört habt, denn heute werden in der Wertungsprüfung andere Geschütze aufgefahren. Dieser pechschwarze Donnervogel aus dem Hause HMS hört auf den Namen „C 63 AMG Kompressor“. Ja richtig gelesen, es gibt Menschen, die eine Zwangsbeatmung bei einem über sechs Liter großen V8 für unabdingbar halten. HMS holt mit der zweiten Luft brachiale 650 PS und 870 Nm, verpasst seinem Über-Daimler dazu feinste Rennsportteile und mit dem eigenen Breitbau-Bodykit eine Optik wie Darth Vader nach einer Überdosis anaboler Steroide. Ob das durch und durch heftige Gesamtpaket funktioniert, gilt es im Folgenden zu klären.

HMS C 63 AMG Kompressor
Das Biest sitzt vorne: HMS setzt dem 6,2-Liter-V8 des C 63 AMG einen Kompressor der dänischen Experten von Xtra-Power auf.

Längs

Natürlich haben wir im Warm-Up ob der Fähigkeiten eines serienmäßigen C-Modells mit Affalterbacher Branding ein wenig geflunkert. Auch mit 457 PS und 600 Nm steckt der 63er den Großteil der automobilen Welt mühelos in die Tasche. Aber wenn doch noch so viel mehr geht! Mit Hilfe eines Kompressors der dänischen Spezialisten von Xtra-Power, einem neuen Fächerkrümmer, der hauseigenen Auspuffanlage mit Downpipes und 200-Zeller-Sportkatalysatoren sowie jeder Menge Abstimmungsarbeit am eigenen Leistungsprüfstand holen die nahe Freiburg beheimateten HMS-Jungs knapp 200 PS und 270 Nm Extra-Spaß aus dem großhubigen AMG-V8. Aber kann von Spaß wirklich die Rede sein? Das zugrundeliegende Setup schreit geradezu nach Gummivernichtung anstelle von anständig zu kontrollierendem Vortrieb. Ob man es aufgrund der immensen Kräfte, die auf lediglich eine bemitleidenswerte Achse losgelassen werden, allerdings glaubt oder nicht: Längs funktioniert im C 63 Kompressor von HMS prächtig – vorausgesetzt, man fährt mit Cupbereifung (in unserem Fall etwas laute, aber sehr kontaktfreudige Toyo Proxes R888). Selbst HMS-Chef Markus Handloser gibt unumwunden zu, dass mit herkömmlicher Straßenbereifung unter Volllast kein Blumentopf mit seinem schwarzen Monster zu gewinnen ist: „0-100 brauchst du da eigentlich gar nicht probieren, bis 200 geht’s dann langsam!“ Tja, welch Glück, dass der Testwagen über Semislicks verfügt. Also drauf auf den Pinsel und in Erfahrung bringen, was 650 PS und 870 Nm Drehmoment mit einer Mittelklasse-Limousine so alles anstellen. Eine ganze Menge, wie sich nach 3,9 beziehungsweise 11,1 Sekunden herausstellt. Das sind, sofern es der Grip-Gott gut mit dem Piloten meint, die Beschleunigungswerte auf 100 und 200. Seinem Serien-Pendant nimmt der C63 von HMS damit 0,6 beziehungsweise 3,5 Sekunden ab. Die Kehrseite: Gerade bis Landstraßentempo müssen sogar die Cup-Reifen hin und wieder vor der Motor-Macht kapitulieren, dem gesichtsverzerrenden Vorschub tut dieser Umstand jedoch nur geringen Abbruch und mal ehrlich - wollen wir uns über zu viel Bumms ernsthaft beschweren? Schluss ist in diesem speziellen Fall von AMG übrigens erst nördlich der 320 km/h. Der Weg dorthin: ziemlich kurz. Wir bewegen uns mit dem reichlich schweren Daimler-Dampfer längsdynamisch zu jeder Zeit auf Supersportwagen-Niveau. Das gilt für den Klang nur eingeschränkt - hier kann jeder Supersportler nämlich mit eingezogenem Schwanz bedröppelt das Weite suchen. Einfach unfassbar, welch archaische Urgewalten aus den vier schwarzen Endrohren der eigengefertigten Klappen-Anlage hervorbrechen. Freut Euch jetzt schon mal auf den in Kürze erscheinenden Clip! Unsere Zwischenbilanz: Längsdynamisch ist der HMS-Benz eine echte Waffe und seine Zutaten in punkto Fahrwerk versprechen für die Kurvenhatz ähnliches.

HMS C 63 AMG Kompressor
Leider ging den Fotoaufnahmen auf der Strecke des Wachaurings ein kurzer aber heftiger Wolkenbruch voraus. Die Fahrwerte und Rundenzeiten waren aber zum Glück schon vorher im Kasten und belegen, dass der vogelwilde Kompressor-Benz auch auf der Strecke ein echtes Tier ist.

Quer

Obwohl der C 63 AMG, sei er nun mit oder ohne Kompressor unterwegs, für die Zeitenjagd auf dem Rund freilich ein gewichtiges Problem mit sich herumschleppt. 1.810 Kilogramm, um genau zu sein, und die lassen sich nicht so einfach wegdiskutieren. Auch wenn HMS-Chef Handloser zweifelsfrei genügend schlagende Argumente auf seiner Seite hat. Ein KW-Clubsport-Fahrwerk beispielsweise, welches die 265er Toyo-Schlappen an der Vorderachse mit drei Grad Negativsturz auf den Asphalt presst. Die Folge: Ein blitzartiges und extrem exaktes Einlenkverhalten, dass man der Breitbau-Wuchtbrumme so sicher nicht zugetraut hätte. Erstaunlich auch, wie gelassen das Wavetrac-Sperrdifferential den Kräftehaushalt zwischen den 295er Walzen an der Hinterachse regelt. Generell hat HMS versucht, mit der vorliegenden Abstimmung so viel Rennsport wie möglich aus der C-Klasse heraus zu kitzeln und vor dem Ergebnis kann man nur den Hut ziehen. Das Auto ist ungemein handlich, sehr zackig, setzt Fahrbefehle in einer Intensität und Genauigkeit um, wie man es eher von einem 300 Kilo leichteren Sportcoupé kennt und besticht – sicher auch dank der Cup-Bereifung – durch fantastische Traktion, Neutralität und sehr hohe Kurvengeschwindigkeiten. Ein weiteres Plus, dass 650 PS, Heckantrieb und ein komplett deaktivierbares ESP eben so mit sich bringen, ist die herrliche Zügellosigkeit des um insgesamt sechs Zentimeter verbreiterten AMG-Hinterteils – freilich nur, wenn man das auch will und den Heckschwenk ausdrücklich provoziert. Ordentlich reizen kann man außerdem die Bremsen des Kompressor-Tiers, aus der Ruhe bringen wird man die Anlage mit monumentalen 405er Scheiben und bearbeiteten Serienbremssätteln an der Front aber eher nicht. Und so kommt es, wie es kommen muss, wenn ein exzellent eingestellter Unterbau auf einen radikal powernden Motor trifft – der HMS C 63 AMG Kompressor walzt und hämmert den Wachauring in aller Vehemenz in Grund und Boden und knallt mit 42,4 Sekunden eine absolute Topzeit in den niederösterreichischen Teer.

HMS C 63 AMG Kompressor
Perfekte Mischung: Dass man mit dem HMS-AMG ein absolutes Renngerät unter dem Hintern hat, merkt man im Innenraum nicht wirklich. Mercedes-typischer Komfort umgibt den Piloten und macht die Zeitenhatz zum angehnemen Vergnügen.

Alltag

Die Kehrseite der fahrdynamischen (Gold-)Medaille: Der bis in die Haarspitzen gedopte C erkauft sich seine fesselnde Agilität mit gnadenlos markerschütternder Härte, bolzt holpernd und polternd übers Land, dass es schon echter Nehmerqualitäten bedarf, um nicht vor ungefedertem Frust ins Lenkrad zu beißen. Das war’s dann aber auch schon an Alltags-Kritik, der Rest ist schließlich Mercedes-typische Mittelklasse-Manier in all ihrer geschätzten Pracht. Vollausstattung mit Navi, Parktronic, superben Sportsitzen und einer je nach Programm und Bedarf gediegenen oder wieselflinken Siebengang-Automatik. Dazu auch für die Hinterbänkler ein wohlberaumtes Auskommen und ein veritabler Kofferraum, falls der Großeinkauf mal etwas schneller nach Hause muss. Lediglich beim Auspuff könnte leichte Kritik aufkeimen, denn was dem Piloten akustisch die Freudentränen in die Augen treibt, ist im Alltag durchaus dazu angetan, der eigenen Holden – wenn sie sich denn aus Versehen zu nah am Heck des bösen Boliden aufhält – nachhaltig Trommelfell oder Frisur zu demontieren. Auch der Nachbarschaftsfriede könnte in Gefahr geraten, glücklicherweise verfügen die durchdringenden Edelstahl-Rohre jedoch über eine Klappensteuerung, die größeren Klang-Zwist auf Knopfdruck zu verhindern weiß.

HMS C 63 AMG Kompressor
Ein KW-Clubsport-Gewindefahrwerk senkt den Schwerpunkt des HMS C 63 spürbar ab.

Geld

Über Geld spricht man nicht, man hat es. Hier müssen wir es aus gegebenem Anlass leider trotzdem tun, kommt beim Kompressor-geschwängerten 63er doch einiges davon zusammen. 46.000 Euro, um genau zu sein, so viel kostet nämlich der Umbau eines profanen C 63 AMG zum ultimativen Autobahn- und Pistenmonster HMS C 63 AMG Kompressor. Addiert man den C63-Grundpreis, kommt man für die schwarze Bestie also auf etwa 117.000 Euro. Preislich befinden wir uns folglich auf dem Niveau des neuen Rennsterns C 63 AMG Black Series, nur dass HMS für gleiches Geld knapp 130 PS und 250 Nm mehr im Köcher hat. Ein echtes Tuning-Schnäppchen also? Nun, in Anbetracht der fahrdynamischen Fähigkeiten könnte man beinahe gewillt sein, das zu behaupten. Verdient werden will ein derartiger Batzen Geld allerdings auch erst einmal. Vor allem, weil man unbedingt zusätzliche Rücklagen für das süffige Naturell des aufgeladenen Schwaben bilden sollte. Gute 18,5 Liter fließen im Schnitt durch die großvolumigen Brennräume, wer seinen Gasfuß komplett kastriert, kommt mit 12,5 bis 13 Litern aus, weniger geht einfach nicht.

HMS C 63 AMG Kompressor
Schade, dass dieses Bild keinen Ton liefert. Einfach unfassbar welch archaische Urgewalten aus diesen vier schwarzen Rohren herausbrechen.

Wahre Werte

Selten war es so einfach: Leistung, Fahrdynamik, Optik, Sound, Testosteronfaktor – alles Spitze! Und gibt es sonst noch einen Daimler, der an der Ampel oder im Stau regelmäßig euphorischen Beifall erntet? 10 Punkte!

MOTORVISION WERTUNG
Kriterien
(je max. 10 Punkte)
Mercedes HMS C63 Kompressor
Gesamtergebnis
(max. 50 Punkte)
39
Längs10
Quer08
Alltag06
Geld05
Wahre Werte10
MOTORVISION FAZIT
Zugegeben, anfangs waren wir eher skeptisch. Macht derart viel Leistung nicht einfach nur Krawall anstatt echten Vortrieb zu generieren, gerade auf der Rennstrecke? Die Antwort: Ein klares NEIN! Der HMS C 63 AMG Kompressor ist trotz seiner Pfunde ein echtes Renngerät. Knackig, kontrollierbar und natürlich verflucht schnell. Dem extrovertierten Auftritt – gerade auch, was die dramatische Soundkulisse angeht - sollte man allerdings nicht abgeneigt sein. Klar ist auch, dass dieses ganz spezielle AMG-Vergnügen seinen Preis hat. Wer aus seinem sicher nicht unspektakulären C 63 einen wahren Supersportwagen formen möchte, kommt am HMS-Paket aber kaum vorbei.

UMFRAGE

Geht der HMS C63 AMG als echter Supersportler durch?

  • Mit dieser Power und bei diesen Fahrleistungen - auf jeden Fall!
    75%
  • Ein Wahnsinns-Geschoß, aber für einen Supersportler zu schwer!
    25 %
KOMMENTARE
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