Retro-Muscle Cars im Vergleich

Wertungsprüfung Camaro SS vs. Challenger 392 SRT8 & Mustang GT: Detroit Lions

Chevrolet Camaro SS, Dodge Challenger 392 SRT8 und Ford Mustang GT sind sowas von inkompatibel mit mitteleuropäischen Autogewohnheiten, dass es für uns eine Selbstverständlichkeit ist, die Retro-Muscle Cars in der aktuellen Wertungsprüfung unter die Lupe zu nehmen. ( , 09.09.2011)

TECHNISCHE DATEN
Chevrolet (USA) Camaro SSDodge Challenger 392 SRT8Ford Mustang GT
MotorAchtzylinder-V-MotorAchtzylinder-V-MotorAchtzylinder-V-Motor
Hubraum6.162 ccm6.425 ccm4.951 ccm
Leistung318 kW (432 PS) bei 5.900/min.351 kW (477 PS) bei 6.000/min.307 kW (418 PS) bei 6.500/min.
Drehmoment569 Nm bei 4.600/min.637 Nm bei 4.200/min.529 Nm / 4.250/min.
L/B/H in Meter4,84 m/1,92 m/1,38 m5,02 m/1,92 m/1,45 m4.78 m/1,88 m/1,42 m
Gewicht1.770 kg1.892 kg1.657 kg
AntriebHinterradantriebHinterradantriebHinterradantrieb
GetriebeSechsgang-AutomatikSechsgang manuellSechsgang-Automatik
Felgengröße8x20 Zoll vo./ 9x20 Zoll hi.9x20 Zoll8,5x19 Zoll
Bereifung245/45 R 20 vo. / 275/40 R 20 hi. Pirelli P Zero245/45 R 20 / 245/45 R 20 Goodyear Eagle RSA245/45 WR 19 / 245/45 WR 19 Pirelli P Zero Nero
BremsenScheiben rundum; 355 mm vo. / 365 mm hi.Scheiben rundum; 360 mm vo. / 350 mm hi.Scheiben rundum; 336 mm vo. / 300 mm hi.
0-100 km/h6,0 s5,3 s5,7 s
0-200 km/h---------
Vmax250 km/h293 km/h250 km/h
Bremsweg (100-0 km/h)38,1 m37,8 m36,9 m
Verbrauch15,2 l13,4 l12,9 l
Grundpreis34.420 US-Dollar43.780 US-Dollar35.300 US-Dollar
Testwagenpreis41.500 Euro49.900 Euro39.900 Euro
Versicherungsklassen---------
Rundenzeit54,2 s53,8 s53,5 s
TeststreckeGarchingGarchingGarching

Warmup

Detroit geht es schlecht. Klar, das gilt für die Stadt an sich. In diesem Fall sind aber die Profisportvereine der US-Autometropole gemeint. Beispiele gefällig? Das Footballteam der Lions verpasst Jahr für Jahr die Playoffs und hat es 2008 sogar geschafft, die komplette Saison sieglos zu bleiben. Auch die Pistons aus der NBA befinden sich seit ihrem Titel 2004 auf dem absteigenden Ast und schauen derzeit nur zu, wenn die erfolgreichen Teams in der Meisterrunde antreten. Auch das einst so glorreiche Eishockey-Team der Detroit Red Wings jagt seinen Titelambitionen seit geraumer Zeit vergeblich hinterher, von den Baseballern der Tigers ganz zu schweigen. Aber wenigstens hat die so arg gebeutelte Autoindustrie ihr Sportlerherz wiederentdeckt. Chevrolet Camaro SS, Dodge Challenger 392 SRT8 und Ford Mustang GT sollen nicht nur ihre berühmten Vorfahren fahrdynamisch in den Schatten stellen, sondern auch mit der dick motorisierten Elite aus Europa mithalten können. Doch für welches Muscle Car reicht es zum Titel? Wer muss sich mit den Plätzen auf dem Treppchen zufriedengeben? Und könnten die Wuchtbrummen auch außerhalb des eigenen Reviers jagen gehen? Die Wertungsprüfung gibt die Antwort.

Dodge Challenger 392 SRT8
Die Fahrleistungen des Dodge Challenger 392 SRT8: Null auf Hundert in 5,3 Sekunden und 293 km/h Topspeed bedeuten jeweils den Bestwert in diesen Disziplinen.

Längs

Die motorischen Zutaten entsprechen bei allen drei Testkandidaten der guten alten amerikanischen Tradition: Massig Hubraum verteilt sich auf acht in V-Form angeordnete Brennräume. Der Platz, den Kolben, Luft und Sprit zum Arbeiten zur Verfügung haben, variiert allerdings zwischen 5,0 (Mustang), 6,2 (Camaro) und 6,4 Litern (Challenger). Trotzdem legen die Treibsätze ähnliche Charakteristika an den Tag: Der Punch ab Leerlaufdrehzahl hat bei allen dreien K.O.-Potenzial, wenn auch einzig der Hubraum-, Leistungs- und Drehmomentriese im Dodge (477 PS und 637 Nm) Vergleichen mit Mike Tyson standhält. Entsprechend flott ist auch die Bein-, Verzeihung, Radarbeit des 392 SRT8: Null auf Hundert in 5,3 Sekunden und 293 km/h Topspeed bedeuten jeweils den Bestwert in diesen Disziplinen. Erstaunlicherweise befindet sich der nominell hubraum-, leistungs- und drehmomentschwächste Motor im zweitschnellsten Auto. Der Mustang GT sprintet in immerhin 5,7 Sekunden auf Landstraßentempo und macht bei 250 km/h elektronisch dicht. Der Camaro gibt längsdynamisch ein eher enttäuschendes Bild ab (6,0 Sekunden von Null auf Hundert, 250 Sachen Topspeed), was jedoch in erster Linie an der allzu trägen Sechsgang-Automatik liegt. Die erlaubt wenigstens manuelle Eingriffe und hält die Gänge selbst dann noch brav, wenn man mit Vehemenz in den Drehzahlbegrenzer rasselt. Das kann beim Mustang nur in den Fahrstufen eins bis drei passieren, die restlichen drei Gänge wechselt die Automatik autark. Trotzdem geht nichts über die formidable manuelle Sechsgang-Box des Challys. Kurz, knackig, exakt – das können Europäer nicht besser bauen. Deren Fahrleistungen sind bei ähnlichen Leistungsdaten allerdings meist deutlich besser, was das beeindruckende Erlebnis, in diesen Muscle Cars Beschleunigungsorgien zu veranstalten, jedoch erst bei der trockenen Datenanalyse schmälert.

Ford Mustang GT
Am meisten Fahrspaß bereitet der Ford Mustang GT, der trotz antiquierter Technologie der flinkste und handlichste ist und mit einer 53,5 die schnellste Zeit in den Asphalt des Test Tracks brennt.

Quer

Schiere Größe, üppige Masse und hemdsärmelige Fahrwerkstechnik – der Mustang GT tritt mit einer starren Hinterachse an – sind nicht gerade die bestenZutaten, um beim sportlichen Kurvenbügeln zu glänzen. Obwohl sie in Relation zur europäischen oder japanischen Hightech-Schwergewichts-Coupé-Elite ins Hintertreffen geraten, machen die drei Amis trotzdem durch die Bank viel Spaß. Am meisten der Mustang, der trotz antiquierter Technologie der flinkste und handlichste ist und mit einer 53,5 die schnellste Zeit in den Asphalt des Test Tracks brennt. Denn er ist auch mit Abstand der leichteste, was ihn beim Einlenken in punkto Direkt- und Exaktheit spürbare Vorteile verschafft. Der Camaro und vor allem der Challenger sind schon deutlich mühsamer davon zu überzeugen, am Kurveneingang der Ideallinie zu folgen. Wer jedoch glaubt, hier handelt es sich um über alle Maßen schwammige und wenig verlässliche Heckschleudern, sieht sich von diesem Trio eines Besseren belehrt. Wie der Ford sind auch der Dodge und der Chevy straff gefedert, folgen Lenkbefehlen nur leicht verzögert und haben ein elektronisches Stabilitätsprogramm an Bord. Die Systeme fangen selbst im eigentlich deaktivierten Zustand zwar verzögert, aber rigoros die auskeilenden Hinterteile ein. Das verschlechtert die Rundenzeiten (53,8 beim Challenger, 54,2 beim Camaro) und schließt sauber gezogene Drifts strikt aus, sorgt aber nicht nur bei den sicherheitsfanatischen Amis für ein ruhiges Gewissen. Und spätestens auf der Landstraße zeigt sich, dass der immer wachsame Rettungsanker durchaus seine Berechtigung hat. Denn gerade der Mustang bockt hier mit seiner eigensinnigen Hinterachse über Gebühr herum, was den Fahrer bei der Routenplanung veranlasst, im Zweifel doch lieber die Strecke mit den besseren Straßenverhältnissen zu wählen. Während der Camaro-Lenker derlei Probleme in Ansätzen nachvollziehen kann, geht es dem Challenger-Piloten, der sich stets über die satte Straßenlage seines Dickschiffes freut, ganz anders. Die 1,9 Tonnen drücken den Herausforderer erbarmungslos auf die Straße und plätten jede Bodenwelle, fast alle Querfugen und die meisten Schlaglöcher.

Chevrolet Camaro SS

Alltag

Spätestens beim konzentrierten Zirkeln durch den Großstadtdschungel merkt man den Testkandidaten an, dass sie für Straßen amerikanischen Ausmaßes entwickelt und geformt worden sind. Groß sind sie alle. Schwer sowieso. Und unübersichtlich erst recht. Doch im Challenger überlegt sich der Pilot noch einmal öfter, ob er jetzt in die Lücke sticht oder die Wahl genau auf diese Parklücke fallen soll. Davon abgesehen erweist sich das Trio aus Übersee als absolut unproblematisch im alltäglichen Fahrbetrieb, auch wenn die Kofferräume und Platzangebote im Fond nicht gerade dem Standard dieser Größenklasse entsprechen. Vom Niveau der - zugegebenermaßen deutlich teureren Konkurrenz, aber dazu später mehr - sind auch die recht sorglos verarbeiteten und weder schick noch hochwertig wirkenden Innenräume entfernt. Wobei der Camaro auch in diesem Punkt Träger der roten Laterne ist: Aus der Entfernung betrachtet sieht das Chevy-Cockpit noch ganz nett aus, bei genauerem Hinsehen entpuppt es sich aber als haptischer Offenbarungseid. Aber sei es drum. Denn warum sollten so rebellische Autos wie diese gerade hier zum Spießertum neigen und so etwas wie Vollkommenheit anstreben?

Ford Mustang GT

Geld

Zum Geiz neigende Freunde leistungsstarker V8-Coupés werden dagegen hellhörig, wenn es um Ami-Imports geht. Wer den Aufwand nicht scheut, kann die Autos auf eigene Faust aus den Staaten importieren und hat es dann mit Einkaufspreisen von umgerechnet 23.800 (Camaro SS), 24.400 (Mustang GT) und 30.265 Euro (Challenger 392 SRT8) zu tun. Dabei bleibt es beim Import zwar nicht, denn Zölle sowie Transport-, Hafen- und Umrüstungskosten kommen noch hinzu. Trotzdem bleiben die Muscle Cars Schnäppchen, wenn man sich vor Augen hält, was die europäische oder japanische Konkurrenz an Einstiegspreisen aufruft. Das bleibt selbst dann noch so, wenn man den einfachen Weg zum professionellen Importeur geht. GeigerCars in München bieten den vollausgestatteten Mustang GT California Special für 39.900, den Camaro SS für 41.500 und den Challenger 392 SRT8 für 49.900 Euro an. Übrigens hat das alte Vorurteil, dass amerikanische Autos beim Durst über die Stränge schlagen, ausgedient. Okay, zweistellig wird es immer, aber selbst mit einem ambitionierten Gasfuß lassen sich die Muskelprotze mit 12,9 Liter (Mustang) bis 15,2 Liter (Camaro) bewegen. Das ist kein Ruhmesblatt, aber auch nichts, wofür man sich in den Detroiter Konstruktionsbüros schämen müsste.

Dodge Challenger 392 SRT8
Der Dodge Challenger 392 SRT8 präsentiert seinen mächtigen 6,4-Liter-V8 mit 477 PS bei 6.000/min. und strammen 637 Nm.

Wahre Werte

Wer diesen drei Autos in die Augen schaut, muss schon abgebrüht sein, um nicht sofort eingeschüchtert die weiße Flagge zu hissen. Nur ein Mercedes G 55 AMG, ein Freightliner-Truck mit nackten Frauen als Airbrush-Dekor oder ein XXL-Bulldozer mischen Oktan mit einer so großen Menge Testosteron wie diese Muscle Cars. Entsprechend protzig ist ihr Auftreten, üppig ihr Überholprestige, selbstbewusst bis arrogant ihre Ausstrahlung. Kurz: Sie sind automobile Ausgeburten der Unvernunft. Okay, mit stets wachenden elektronischen Fahrassistenten und im Vergleich zu ihren Urahnen gezügeltem Durst sind sie etwas angepasster als Mustang, Challenger oder Camaro der späten 60er und frühen 70er Jahre. Trotzdem kultivieren sie ihre Eigenheiten, ihr unangepasstes Wesen und ihre Unvollkommenheit. Gerade das macht sie so charakterstark, und wir lieben sie dafür.

MOTORVISION WERTUNG
Kriterien
(je max. 10 Punkte)
Chevrolet (USA) Camaro SSDodge Challenger 392 SRT8Ford Mustang GT
Gesamtergebnis
(max. 50 Punkte)
35 38 39
Längs050807
Quer050506
Alltag070607
Geld100910
Wahre Werte081009
MOTORVISION FAZIT
Dodge Challenger 392 SRT8, Ford Mustang GT und Chevrolet Camaro SS Testredakteur Thomas Harloff
Mit dem Ford Mustang GT gewinnt das handlichste Auto diesen Vergleich. Sein Fahrverhalten kommt dem eines wahren Sportwagens am nächsten, er geht toll geradeaus und ist – nicht zu vergessen – der günstigste. Der Dodge Challenger 392 SRT8 ist der Sieger der Herzen und der „Aggressive Leader“ in diesem Vergleich, kann Größe und Gewicht fahrdynamisch aber nicht ausgleichen und ist zudem der teuerste – Platz zwei. Für den Chevrolet Camaro SS bleibt nur der dritte Platz, denn er hinkt in fast allen Kategorien – vor allem beim Antrieb – hinterher. Trotzdem vermag auch er mit Leichtigkeit dieses wunderbare Gefühl zu vermitteln, wie es nur US Cars können: Ein Outlaw der Straße und so wunderbar unangepasst und unvernünftig zu sein. Gut gebrüllt, Löwen!

Konkurenzfahrzeuge:
UMFRAGE

Welches Retro-Muscle Car ist Euer Favorit?

  • Ich finde den Challenger am schärfsten.
    40%
  • Ganz auf Eurer Linie: Der Mustang ist der beste!
    25 %
  • Der Camaro ist doch das wahre Highlight in diesem Vergleich.
    19 %
  • Ich kann mich nicht entscheiden. Ich finde alle drei sehr scharf.
    16 %
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