| BMW Kelleners Sport KS 1-RS | |
|---|---|
| Motor | Sechszylinder-Reihenmotor mit Biturbo-Aufladung |
| Hubraum | 2.979 ccm |
| Leistung | 309kW (420 PS) bei 5.700 U/min |
| Drehmoment | 590 Nm bei 3.100 U/min |
| L/B/H in Meter | 4,38/1,80/1,42 |
| Gewicht | 1530 kg |
| Antrieb | Hinterradantrieb |
| Getriebe | Sechsgang manuell |
| Felgengröße | vo: 8,5x19 Zoll; hi: 9,5x19 Zoll |
| Bereifung | 245/35R19 / 265/35R19 Michelin Pilot Sport PS2 |
| Bremsen | Scheiben rundum; vo: 360 mm / hi: 350 mm |
| 0-100 km/h | 4,6 s |
| 0-200 km/h | 15,1 s |
| Vmax | 283 km/h |
| Bremsweg (100-0 km/h) | 35,5 Meter |
| Verbrauch | 14,9 Liter |
| Grundpreis | 50.500 Euro |
| Testwagenpreis | ab 70.445 Euro |
| Versicherungsklassen | HP 17/ VK 26/ TK 25 |
| Rundenzeit | 43,1 s |
| Teststrecke | Wachau |
Warm-up
Zurückhaltung ist nicht unbedingt eine der Tugenden, die sich das 1er M Coupé auf die Fahnen geschrieben hat. Laut um Aufmerksamkeit bellende Lufteinlässe und Kotflügelverbreiterungen wie frisch von McFit erfreuen die einen und lassen andere verstört zurück. Am schlimmsten trifft es allerdings die Tuner, müssen sie beim ungestümen Münchner Halodri doch wirklich alle Register ziehen, um ihre Maßnahmen zur optischen Radikalisierung überhaupt erkennbar zu machen. Was dabei herauskommt, wenn ein Optimierer seinen Job dahingehend ernst meint, zeigt der Kelleners KS 1-RS. Der schwarz lackierte Kompakt-Bomber ist geradezu übersät mit weißen Sportstreifen, einer Armada an Kelleners-Schriftzügen und trägt weiße Spiegelkappen sowie einen etwas deplatziert wirkenden „dreiteiligen Grilleinsatz aus elektropoliertem Edelstahlgitter“ zur Schau. Vollendet wird der ungehobelte RS-Auftritt von einem unbarmherzig unter die Frontschürze geschraubten Karbon-Brett, das den Auftrieb an der Vorderachse vermindern soll, sich aber vor allem als Schrecken aller Schlaglöcher, Gullideckel und Randsteine dieser Welt hervortut. Sei’s drum, effektvoll ist die äußerliche Darbietung des Kelleners M Coupé allemal und da man in Merzig im Saarland auch technisch ordentlich die Kuh fliegen lässt, freuen wir uns über ein extrovertiertes und hoffentlich forsch knallendes Gesamtkunstwerk. Ob das 1er-Powerpack aus Tunerhand Wort hält? Finden wir es heraus!
Längs
Wem das Glück zuteil wurde, den Bonsai-M einmal unter seine Fittiche nehmen zu dürfen, der weiß, wie üppig der Drei-Liter-Biturbo-Reihensechser in der kleinen, wenn auch mit 1.570 Kilo nicht gerade leichten Bajuwaren-Bombe anreißt. Kelleners Sport scheut sich dennoch nicht, den Leistungshahn per Software-Modul, größerem Ladeluftkühler und einer Sportabgasanlage samt Downpipes und 200-Zeller-Sportkats noch ein kräftiges Stück aufzudrehen. So werden aus 340 PS und maximal 500 Nm Drehmoment im Handumdrehen 420 stramme Gäule und 590 Nm Hinterachs-Malträtierung. Das Bild mit der leidenden Hinterachse ist beileibe nicht weit hergeholt, wie sich bei ersten „Gehversuchen“ mit dem KS 1-RS herausstellt. Wer auf alarmierend blinkende Lämpchen im Instrumententräger steht, wird den Kelleners-M lieben, denn das ESP-Signal leuchtet quasi immer – nein Moment…es leuchtet wirklich immer! Erster, zweiter, dritter Gang…egal, der aufgepumpte 1er kann vor Kraft kaum laufen. Wer den Regelsystemen per langem Druck auf den ESP-Schalter den Garaus macht, sollte über ein Mario Götze-gleiches Gefühl im Gasfuß verfügen, denn der störrische Bock schlägt beim ambitionierten Beschleunigen aus wie ein gepiesackter Bulle beim Rodeo. Wer jedoch die Eier hat, das Biest zu zähmen, wird dafür mit granatengleicher Durchschlagskraft belohnt und wischt die 100er Marke in 4,6 Sekunden weg. 10,5 Sekunden später durchbricht der schwarz-weiße Wiederborst auch die 200 km/h-Mauer, womit er seinem Serienpendant über zwei Sekunden abnimmt. Trotz ihrer löblichen Gleichmäßigkeit ist die Leistungsentfaltung jederzeit überwältigend. Schub ist eigentlich immer vorhanden, ab etwa 4.000 Touren scheint der saarländische Biturbo aber die zweite Luft zu atmen und drückt dem Piloten seinen PS-Stiefel, untermalt von einer hemmungslosen Klangfanfare der blechern schreienden Edelstahl-Abgasanlage, noch ein wenig kräftiger ins Kreuz. Schneller als man Zweihundertsiebzig sagen kann, ist man dort auch schon angelangt und rast in der Folge zwar nicht der von Kelleners angegeben Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h entgegen, aber die 283 Sachen, die unterm Strich auf unserem GPS-Messer stehen, sind dennoch äußerst respektabel.
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- ...denn das Heck zeigt sich bei zu frühem oder starkem Herausbeschleunigen aus Kurven leicht wie eine Bordsteinschwalbe.
Quer
Äußerst respektabel - das gilt auch für das von Ex-Porsche-Werksfahrer Ralf Kelleners abgestimmte Gewindefahrwerk, auf das man den KS 1-RS gesetzt hat. Auch wenn diese gewisse Nervosität, die dem 1er M in den Genen liegt, nach wie vor evident ist, so packt der Merziger Vollblut-BMW den Kurvenstier noch ein wenig direkter und brutaler bei den Hörnern, lenkt himmlisch schnell ein und gibt mit seiner herrlich schweren Lenkung Asphalt-Feedback nahe am Niveau eines Porsche GT3. Vorsicht ist dennoch allzeit geboten, denn das Heck zeigt sich bei zu frühem oder starkem Herausbeschleunigen aus Kurven leicht wie eine Bordsteinschwalbe. Wer sein Handwerk hingegen versteht, wird in Biegungen, auch dank der toll klebenden Michelin Pilot Sport-Pneus, mit massig Grip belohnt und frisst sich gierig und willig durch Geschlängel jeglicher Art. Bei der Absicherung der enormen Kräfte vertraut Kelleners auf das Original-Bremsmaterial von BMW. Eine gute Wahl, wie sich schnell zeigt, denn die Werks-Stopper agieren bissig, verbindlich und standhaft. Dass auch beim Gestühl auf Serienware vertraut wird, ist generell in Ordnung, gerade weil der Veredler hier mit Tierhäuten in schwarz und weiß noch mehr Luxus in die M-Bude zaubert. Wer jedoch schon einmal in den optionalen BMW-Motorsportschalen Platz genommen hat, weiß, dass die Standard-Sitze nur die zweite Wahl sein können. Jetzt aber Schluss mit dem Gejammere, denn der KS 1-RS legt die Querlatte noch ein Stückchen höher, als es das durch und durch vortreffliche 1er M Coupé ohnehin schon getan hat. Mit einer Zeit von 43,1 Sekunden auf unserem Testtrack am Wachauring reiht sich der kompakte Potenzprotz lediglich zwei Zehntel hinter dem Porsche Carrera GTS von a-workx ein.
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- Wer den Abstand des nachträglich installierten Karbon-Spoilers zur Straße sieht, erkennt sofort, dass es ziemlich oft ziemlich eng wird. Ohne das Kohlefaserbrett ist man sicher besser unterwegs.
Alltag
Im Test des serienmäßigen 1er M Coupés attestierten wir freudig: Ein bisschen hart im Abgang, aber grundsätzlich voll alltagstauglich. Gleiches für den KS 1-RS zu behaupten, wäre hingegen ein astreiner Euphemismus. Das Gewindefahrwerk funktioniert auf der Rennstrecke, wie es soll, im Alltag straft es dafür alle Nicht-Hardcore-Racer mit relativ gleichgültiger Missachtung des Bandscheiben-Fortbestehens. Auch die ausgeprägt nervöse Vorderachse auf schnellen Autobahnetappen ist der Streckenabstimmung geschuldet und zumindest gewöhnungsbedürftig. Richtig tief ins Fleisch des täglichen Umgangs bohrt sich aber der zusätzliche Frontspoiler aus Karbon. Wenn selbst Ameisen verschreckt den Kopf einziehen, mag das für den Hockenheimring einen gewissen Mehrwert haben, für die tägliche Dosis unbeschwerten M-Feelings ist der Abtriebs-Schnauzer hingegen so hinderlich wie Vroni Ferres für eine seriöse Fernsehproduktion. Parkhäuser, Hofeinfahrten und schlechte Dorfstraßen adé. Wir folgern: Die 1.400 Euro für das Kohlefaserbrett lassen sich auch sinnvoller anlegen. Ansonsten ist auch der Kelleners-M eben ein echter M, der im Alltag mit seiner hemdsärmeligen Schroffheit mehr verzückt als nervt.
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- Das Alcantara an den Zierleisten weicht beim Kelleners-1er weißem Lack. Dafür wird das Lenkrad mit dem edlen Stoff bezogen.
Geld
Mindestens 70.445 Euro verlangt das saarländische Rennwerk für seine Interpretation des BMW 1er M Coupés. Wir rechnen geschwind und kommen beim M-Grundpreis von 50.500 Euro auf eine OP-Gebühr von 19.945 Euro. Auch inklusive der 6.900 Euro für den schwarz-weißen Ledertrimm ein dicker Haufen Kohle, aber damit kennt man sich im Saarland ja aus. Wenigstens bleibt die Versicherungseinstufung auf Serienniveau, was man vom Durst des KS 1-RS nicht gerade behaupten kann. Ist der 1er M schon ab Garching kein Kostverächter, so pumpt sein Merziger Tuningderivat durchschnittlich doch etwas arg stramme 15 Liter durch die Brennräume. Wer den wummernden Keil auf der Autobahn richtig fliegen lässt, kann gut und gerne nochmal zehn Liter mehr einplanen, aber von nichts kommt schließlich nichts (woher der Volksmund das nur immer weiß?) und bei derart viel Explosivität im Motorraum verzeihen wir auch die ein- oder andere Spritkapade.
Wahre Werte
Wenn es um den reinen, echten und unverfälschten Fahrspaß geht, um den ungehemmten Auftritt mit aufgeblasenen Backen, quietschendem und rauchendem Gummi und Sound ohne Filter, dann ist der BMW 1er M schon ab Werk die Koryphäe des Jahres. Der Kelleners KS 1-RS legt in dieser Hinsicht vollumfänglich eine ganze Schippe drauf. Passt also! Wahre Werte-Test summa cum laude bestanden!
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- Hinter den neuen 19-Zöllern lauert die hervorragende BMW-Serienbremse. Kelleners hat für das 1er M Coupé auch 20-Zoll-Räder im Angebot.
Tuningmaßnahmen
Leistungskit KS Power 35 M: 7.669 Euro; Gewindefahrwerk: 1.879 Euro; 19 Zoll-Radsatz "Berlin": 1.790 Euro; Edelstahl-Sportabgasanlage: 2.619 Euro; Karbon-Frontspoilerlippe: 1.400 Euro; Dreiteiliger Grilleinsatz: 479 Euro; Lederausstattung: 6.900 Euro
| Kriterien (je max. 10 Punkte) | BMW Kelleners Sport KS 1-RS |
|---|---|
| Gesamtergebnis (max. 50 Punkte) |
37 |
| Längs | 09 |
| Quer | 09 |
| Alltag | 05 |
| Geld | 05 |
| Wahre Werte | 09 |

