Was für Autos gut ist, kann für Motorräder nicht schlecht sein. Dies scheint jedenfalls BMW´s Sicht der Dinge zu sein. Deshalb präsentieren die Münchner, die ihre Motorräder in Berlin produzieren, nun auch diverse Fahrassistenz-Systeme für ihre Zweiräder. Neben einem verbesserten Integral-ABS (eine groß angelegte Rückrufaktion des Vorgänger-Systems zeugt von einer gewissen Unausgereiftheit) handelt es sich dabei um die Antriebs-Schlupf- und Traktionskontrolle ASC. Im Automobilbau ist so ein System, das in Verbindung mit ABS und dem elektronischen Stabilitätsprogramm ESP funktioniert, längst Standard. Auch die MotoGP-Maschinen verfügen längst über eine Traktionskontrolle – zum Unmut der Fans. Denn die so heiß geliebten Drifts sind seitdem selten geworden. Bei den Straßen-Motorrädern betritt BMW mit dem ASC jedoch Neuland. Und auch hier regt sich bei den Traditionalisten Skepsis – berechtigterweise?
Um diese Vorbehalte auszuräumen, lud BMW kürzlich Journalisten aus aller Welt zum „Technologietag“ ins Berliner Motorradwerk ein. Neben einer ausgiebigen Werksführung und der Präsentation der neuen R 1200 R stand dabei auch die Vorführung der neuen Fahrassistenz-Systeme auf dem Programm.
Die Funktionsweise der neuen Systeme
Grundsätzlich arbeiten das neue Integral-ABS, das übrigens vollkommen neu und vom Vorgänger-System losgelöst entwickelt worden ist, und ASC Hand in Hand. Dabei funktioniert das Integral-ABS ähnlich wie ein Auto-ABS: Erkennen Radsensoren und Elektronik, dass das Vorderrad blockiert, sobald der Fahrer die Handbremse betätigt, nimmt das ABS Bremsdruck vom Vorderrad weg und führt es dem Hinterrad zu. Das soll nicht nur zu einem Sicherheits-, sondern auch zu einem Komfortgewinn führen. Da das System automatisch auch das Hinterrad abbremst, lässt sich das Motorrad auch am Berg und mit voller Beladung spielerisch anfahren. Akrobatische Übungen oder Fußbrems-Spielchen, die ausgeprägte feinmotorische Fähigkeiten voraussetzen, sollen damit der Vergangenheit angehören. Das macht das System besonders für Anfänger und Wiedereinsteiger interessant.Auch die Antriebs-Schlupfkontrolle richtet sich an den ungeübten Fahrer. Laut BMW soll es für drehmomentstarke Motorräder und bei wechselnden Verhältnissen mit glatten Untergründen geeignet sein und dort ein Durchdrehen des Hinterrades beim starken Beschleunigen verhindern. Erkennen die Radsensoren des ABS eine Diskrepanz zwischen den Drehgeschwindigkeiten der beiden Räder, greift die Motorsteuerung in den Zündwinkel ein und nimmt damit Leistung zurück. Wird es allzu heikel, kann für eine bestimmte Zeit sogar die Einspritzung komplett unterbrochen werden. Trotzdem soll die Regelung schnell und feinfühlig vonstatten gehen.




