„Wer Wind sät, wird Sturm ernten.“ Ein abgedroschener Spruch, in dem selten so viel Wahrheit steckte wie bei dieser Metamorphose. Der BMW X6 M wird zum G-Power Typhoon RS Ultimate V10. Oder anders ausgedrückt: Zum schnellsten SUV der Welt. (Thomas Harloff , 16.07.2010)
Der Sturm, der aus Bayern kommt
Taifun – der Sturm, der aus den Tropen kommt. Oder, wie in diesem Fall, aus der bayerischen Provinz. Aresing, Ortsteil Autenzell: Dort befindet sich der Hauptsitz des BMW-Veredlers G-Power, und der hat sich nun etwas ganz Extremes ausgedacht. Einen BMW X6 M, bei dem kaum eine Schraube unangetastet bleibt und der nun auf den ebenso sperrigen wie bezeichnenden Namen „G-Power X6 Typhoon RS Ultimate V10“ hört. Bevor wir ins Detail gehen, hier schon einmal ein kleiner Vorgeschmack: V10 mit Kompressor-Aufladung, 900 PS, 330 km/h Spitze, 675.000 Euro Nettopreis – wer sich hier nicht in Acht nimmt, wird gnadenlos plattgemacht!
Wahnsinn made in Bavaria
Nun gehört es zu den schlechten Eigenschaften eines Taifuns, Schrecken, Leid und Tod über die Betroffenen zu bringen. Insofern kann man die Namensgebung durchaus als fragwürdig bezeichnen. Angesichts derKraft eines solchen Tropensturms kommt die Analogie dann aber wieder hin. Ein Taifun erreicht Windstärken von bis zu 300 km/h – der X6 von G-Power schafft maximal 330 Sachen. 330 km/h – ein Zweieinhalb-Tonnen-Monstrum mit der Aerodynamik einer Schrankwand – Wahnsinn made in Bavaria! Beim Thema Beschleunigung scheint der Name allerdings nicht mehr so recht zu passen. Während sich ein Taifun meist langsam zusammenbraut, stürmt der RS Ultimate V10 aus dem Stand voran, als sei er auf der Flucht vor einem Wirbelsturm: Auf Tempo 100 geht es in 4,2 Sekunden, nach 13 Sekunden fällt die 200 km/h-Marke.
Nach allen Regeln der Tuningkunst
Wahrlich beeindruckende Werte, die laut G-Power mit dem Serienantrieb (Twin-Turbo-V8 mit 555 PS und 680 Nm) nicht zu realisieren sind. Also muss ein neues, deutlich emotionaleres Triebwerk her. Gut, dass das BMW-Regal noch einen V10 - bekannt aus M5 und M6 - bereithält. Dessen Drehfreude gepaart mit Zwangsbeatmung in Form zweier mächtiger Kompressoren – nur diese Kombination kommt für G-Power in Frage. Allein das verspricht schon ungeahnte Power, doch der Tuner möchte das vorhandene Potential komplett ausschöpfen – und überarbeitet den Motor nach allen Regeln der Tuningkunst.
So brutal, wie es Zahlen nicht ausdrücken können
Den Hubraum des Fünfliter-V10 hebt G-Power um zehn Prozent an. Gleichzeitig kommen neue Schmiedekolben des Spezialisten Mahle sowie Pleuel und Kolbenbolzen zum Einsatz. Die Kurbelwelle ist ebenfalls eine Sonderanfertigung. Die Kompressoren stammen - allerdings in optimierter Form - vom Geschwindigkeits-Weltrekordler M5 Hurricane RS aus eigenem Hause. Die vorverdichtete Luft wird von einem wassergekühlten Ladeluftkühler auf die optimale Betriebstemperatur gebracht. Letztlich sorgt die neu abgestimmte Motorelektronik dafür, dass alle Teile perfekt zusammenarbeiten. Brutale Leistungsentfaltung, wie sie die technischen Daten (900 PS und 870 Nm) nicht ansatzweise widergeben können, ist die Folge.
Schaltung statt Automatik, Heckantrieb statt Allrad
Doch damit noch nicht genug der Änderungen. Das serienmäßige Automatikgetriebe fliegt raus und wird durch ein manuelles Sechsgang-Pendant ersetzt. Vier angetriebene Räder sind nach Meinung von G-Power zwei zu viel, weshalb der Typhoon RS Ultimate V10 seine Power ausschließlich Richtung Hinterachse schickt. Und wenn sie schon beim Umbauen sind, weicht die Serien-Bremse einer Carbon-Keramik-Anlage mit 410er Scheiben und Sechs-Kolben-Sätteln. Die Stopper sind in dreiteiligen Schmiederädern beheimatet, die vorne wie hinten 23 Zoll groß und mit Michelin-Reifen der Dimension 315/25 ZR 23 bezogen sind.
XXL, wohin man schaut
Motor, Räder, Bremsen: Dieses Auto ist XXL an allen Ecken und Enden. Da bedarf es für einen in dieser Hinsicht stimmigen Auftritt eines entsprechenden Bodykits. Natürlich muss es Breitbau sein, selbstverständlich versorgt eine mit üppigen Lufteinlässen gesegnete Frontschürze den Ladeluftkühler mit ausreichend Fahrtwind. Dazu Spoiler an Dachkante und Heckdeckel sowie eine Heckschürze, die nicht nur wegen ihrer seitlichen Luftauslässe für Aufsehen sorgt. Angesichts der nur von den Hinterrädern auf den Boden gebrachten Power hoffen wir, dass der Diffusor nicht nur Showzwecken dient. Und die vier Endrohre der Titan-Abgasanlage machen Krawall, da sind wir uns sicher.
Komfort trotz Gewichtsersparnis
Eine Komplettrenovierung des Innenraums rundet die Metamorphose vom BMW X6 M zum G-Power X6 Typhoon RS Ultimate V10 ab. Hauptaugenmerk hierbei: Ein möglichst perfekter Kompromiss zwischen Komfort und Leichtbau. So tragen die vier Carbon-Einzel-Sportsitze ihren Teil zur Gewichtsersparnis von insgesamt rund 150 Kilogramm bei. Der gesamte Innenraum ist mit Leder in Carbonstruktur ausgeschlagen, zweifarbige Nähte schaffen einen willkommenen Kontrast. Die Türverkleidungen bestehen ebenso aus Carbon wie die Mittelkonsole, die sich bis zwischen die Fondsitze erstreckt. Die Tacho-Skala reicht vorsichtshalber bis 400 km/h, das Sportlenkrad dürfte griffig in der Hand liegen. Und all jene, die sich vom Auto nicht ausreichend unterhalten fühlen, können immer noch das Highend-Entertainment-System ausprobieren.
Die Sinnfrage stellen wir beim G-Power X6 Typhoon RS Ultimate V10 erst gar nicht. Wäre auch müßig angesichts des eingangs erwähnten Nettopreises, der mit 19 Prozent Mehrwertsteuer auf 803.250 Euro anwächst. Zumal es insgesamt nur fünf Exemplare geben wird – weltweit, wohlgemerkt. Aber die Konsequenz, mit der G-Power sein Projekt „schnellstes SUV der Welt“ verfolgt hat, ist beeindruckend. In diesem Sinne ein fröhliches „Wer Wind sät, wird Sturm ernten!“