Vom Bootsmotor zum Renntriebwerk

Das hätte Rudolf Diesel nie zu träumen gewagt: Sein gleichnamiger Motor sorgt heute sogar für Rennsiege! Motorvision beleuchtet die mehr als hundertjährige Geschichte des Dieselmotors. ( , 15.02.2010)

Dieselmotoren im Rennsport – das war vor Jahren noch undenkbar. Doch Audi beweist 2006 und 2007 das, woran keiner geglaubt hat: Der R10 mit TDI-Motor gewinnt die 24 Stunden von Le Mans. Dieser Sieg bleibt nicht ohne Nachahmer: Auch in der WTCC setzt Seat seit diesem Sommer auf Dieselpferde.

Auf dem Weg zum Rennsport-Diesel liegen mehr als 100 Jahre. Nachdem Rudolf Diesel seinen Motor 1893 zum Patent anmeldete, bestreitet dieser seine ersten Pionierfahrten in Schiffen. Seine berühmte Südpolexpedition übersteht Roald Amundsen 1911 an Bord eines Segelschiffes, das mit Dieselmotor ausgerüstet ist. Doch der Weg zum Einsatz auf vier Rädern war nicht weit. Die Erfindung der Einspritzpumpe von Bosch bringt den Diesel auch unter die Motorhaube: Der Mercedes Benz Typ 260 D ist 1936 einer der ersten Serien-Diesel überhaupt. Ein weiterer Vorreiter ist der Hanomag Rekord. Ein Hanomag ist es auch, der 1939 mit einem 1,9 Liter-Dieselmotor auf der neuen Reichsautobahn bei Dessau mit 165 km/h Höchstgeschwindigkeit einen Weltrekord für Dieselfahrzeuge aufstellt.Es dauert noch bis in die Siebziger Jahre, bis der Diesel Einzug in die Massenproduktion hält: Dem Golf I GLD folgt der legendäre Diesel im Mercedes-Benz Strich-Acht. Das Basismodell 200 D ist der Urahn moderner Diesel-Limousinen. Von der Spritzigkeit heutiger Diesel ist aber noch nichts zu spüren: Ganze 31 Sekunden brauchen die 55 Pferde unter der Haube für den Sprint von Null auf Hundert km/h. Schnell provoziert der lahme Nagler Spitznamen wie „Heizöl-Ferrari“ oder „Bauernbenz“. Dennoch avanciert der Mercedes Strich-Acht Diesel mit Automatik zum meistgefahrenen Taxi seiner Zeit.Fiat gehört zu den Wegbereitern, die versucht haben, dem Diesel sein lahmes Leistungsverhalten auszutreiben. 1988 verpassen die Italiener dem Croma TD einen turboaufgeladenen Dieselmotor. Durch die Leistungssteigerung verliert der Diesel die vormals als phlegmatisch beschriebene Motorcharakteristik. Nach Fiat und dem 156 JTD von Alfa Romeo ist Mercedes-Benz der erste deutsche Hersteller, der 1997 mit dem C 220 CDI einen Diesel mit Common-Rail-Direkteinspritzung auf den Markt bringt. Durch diese Technologie wird der Verbrennungsprozess in Dieselmotoren weiter optimiert. Neben den verbesserten Motorlaufeigenschaften werden zudem die Partikelemissionen reduziert.In Deutschland ist heute jedes zweite Auto ein Selbstzünder. Diese sind dafür bekannt, weniger Treibstoff zu verbrauchen als Benziner. Der beste Beweis: 3,5 Liter schluckt der Smart fortwo cdi auf 100 Kilometern – doch es geht auch anders: Beim VW Touareg V10 TDi sind es neun Liter mehr – Negativ-Rekord! Einer der schnellsten Seriendiesel ist der BMW 635d mit Twin Turbo-Aufladung. Er schafft 250 km/h Spitze.Diesel werden in Zukunft noch sportlicher, sauberer und leiser. Bis 2015 soll in den USA jeder vierte Pkw ein Diesel sein. 2008 wird Audi ein neues Diesel-Ausrufezeichen setzen: Im Q7 wird erstmals ein V12 mit 500 PS zum Zuge kommen - und vielleicht sieht man so einen Motor in Zukunft mal in einem Sportwagen.Einen ausführlichen Beitrag zur Diesel-Historie sehen Sie in DSF Motor, Folge 195.

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