Fahrbericht Porsche Panamera GTS

Das gewisse Etwas: Erstkontakt Porsche Panamera GTS

Mehr Kraft, mehr Sportlichkeit, mehr Dynamik für den Panamera. Porsche verpasste seiner Sportlimousine eine Vitaminkur. Der neue Panamera GTS richtet sich an die Kunden, denen ein 4S etwas verweichlicht erscheint. Und die Trainingsmaßnahmen haben sich gelohnt, wie der Fahrbericht zeigt. ( , 24.01.2012)

Für die, die schon alles haben

Wem sechsstellige Beträge für den Autokauf locker aus dem Ärmel schüttelt, gerät leicht in den Verdacht, schon alles zu haben. Und wenn derartigen Zeitgenossen dann noch ein Porsche Panamera 4S mit 294 kW/400 PS etwas schwächlich daherkommt, dann muss ihnen geholfen werden. Vorausgesetzt, sie haben den Betrag von mindestens 116.716 Euro für einen Panamera GTS über. Das sind rund 12.000 Euro mehr als beim Panamera 4S. Dafür bekommt der Kunde beim jüngsten Zugang der Modellfamilie auch anständig Power: nämlich 316 kW/430 PS. Zudem ist der Panamera GTS besser ausgestattet und mit einer ordentlichen Extraportion an Agilität gesegnet, wie der erste Test auf der Rennstrecke eindrucksvoll gezeigt hat.

Porsche Panamera GTS
Die exklusive Farbe "Kaminrot" und schwarze Anbauteile sind äußere charakteristische Merkmale der maximal 288 km/h schnellen Sportlimousine Porsche Panamera GTS.

Gesteigerte Drehfreude

Mit dem GTS wächst die Panamara-Reihe zur wahren Großfamilie, die nunmehr neun Mitglieder umfasst. Das Herzstück ist der überarbeitete V8-Motor mit 4,8 Liter Hubraum. Um die gegenüber dem S4 um 30 PS gesteigerte Leistung zu erzielen, erhöhten die Porsche-Techniker die Nenndrehzahl des Alu-Saugers um 200 Umdrehungen auf jetzt 6.700 Touren. Gleichzeitig steigt die Maximaldrehzahl auf 7.100 Umdrehungen. Bei Drehzahlen oberhalb von 3.500 Umdrehungen öffnen zwei Klappen im Ansaugtrakt. So gelangt zusätzliche Frischluft in die Brennräume. Zwei überarbeitete Nockenwellen und eine neu programmierte Steuereinheit für den Direkteinspritzer runden die Motorkur für den GTS ab.

Porsche Panamera GTS
Der Fahrer des Porsche Panamera GTS spürt jetzt deutlicher die strukturellen Details der Straßenbeschaffenheit, ohne dabei jedoch von allzu derben Stößen belästigt zu werden.

Sinnliches Beschleunigungsvergnügen

In den komfortablen Sportsitz gleiten und den Motor per Knopfdruck starten ist im Porsche Panamera GTS eine Bewegung. Dann den Wahlhebel des siebenstufigen PDK-Getriebes auf der Mittelkonsole in die Position führen, die für den Gangwechsel per Schaltpedal am Lenkrad erforderlich ist. Schließlich das im GTS serienmäßig installierte "Sport-Chrono-Paket" per Knopfdruck im sportlichsten Modus für Getriebe- und Motor-Steuerung fixieren und es geht los. Wer jetzt das Gaspedal durchdrückt, erlebt sein blaues Wunder. Die spontan entfesselte Kraft fixiert die Insassen förmlich in die Rückenlehnen und schnalzt die Tachonadel blitzschnell in die Höhe. Nach 4,5 Sekunden erreicht sie die Tempo-100-Marke. Erst bei 288 km/h endet das Katapultstart-ähnliche Vortriebsvergnügen. Der Schub scheint während der gesamten Beschleunigungsphase kaum spürbar zu erlahmen. Bei so viel Anpressdruck in die Rückenlehnen ist es gut, dass der Fahrer jetzt über die serienmäßig installierten Schaltpaddels am Sportlenkrad schalten kann. Sinnlich untermalend während der Beschleunigung des 1.920 Kilogramm schweren Porsche-Riesen setzt sich ein dumpf-grollender Sound in Szene, der den des Panamera 4S deutlich überstimmt - was um Himmels Willen nicht als Kritik verstanden werden soll.

Porsche Panamera GTS
Der GTS ist das neunte Mitglied der Panamera-Familie von Porsche. Mit 430 PS und einer sportlicheren Auslegung des Fahrwerks qualifiziert sich die Sportlimousine für höchsten Fahrspaß.

Tiefer, straffer, aktiver

Das sportlich ausgelegte Fahrwerk mit Luftfederung und aktiver Fahrwerkssteuerung PASM (Porsche Active Suspension Managment) senkt die Karosserie in der Grundeinstellung nicht nur um zehn Millimeter ab, es ist generell straffer abgestimmt. Der Fahrer spürt jetzt deutlicher die strukturellen Details der Straßenbeschaffenheit, ohne dabei jedoch von allzu derben Stößen belästigt zu werden.

Porsche Panamera GTS
Das sportlich ausgelegte Fahrwerk mit Luftfederung und aktiver Fahrwerkssteuerung PASM senkt die Karosserie in der Grundeinstellung nicht nur um zehn Millimeter ab und ist beim Porsche Panamera GTS generell straffer abgestimmt.

Eine Ode an die Fahrwerksingenieure

Das wahre Können der Fahrwerksingenieure des GTS offenbart sich jedoch erst auf der Rennstrecke. Hier erweist sich das überarbeitete Fahrwerk mit seiner um zehn Millimeter verbreiterten Spur an der Hinterachse als ein riesiger Fortschritt. Der GTS liegt wie ein Brett auf der Piste. Die Lenkung reagiert direkt und agil selbst auf feinste Lenkbefehle und hält den Panamera dabei so sicher in der Spur, als wäre er auf den sprichwörtlichen Schienen unterwegs. Das Fahrwerk ist ausgesprochen neutral ausgelegt. Erst bei extrem hohen Kurventempi oder Lastwechseln drängt das Heck spürbar zum Kurvenaußenrand. Dies geschieht aber nicht abrupt, sondern ausgesprochen sanft und mit ein wenig Übung jederzeit beherrschbar. Kräftig zupackende Bremsen, spendiert vom Panamera Turbo, die sich an der Vorderachse mit jeweils sechs Sätteln in die innenbelüfteten Doppelscheiben mit 390 Millimetern Durchmesser krallen, verzögern die schwere Fuhre in allen Situationen und selbst nach höchster Beanspruchung ohne Fehl und Tadel. Alles in allem bietet der Porsche Panamera S eine Fahrdynamik, mit der die zuständigen Porsche-Mannen selbst den letzten Zweifel an ihrer einzigartigen Domäne verscheuchen. Natürlich helfen auch die vielen installierten elektronischen Helferlein, den Panamera GTS sicher und trotzdem dynamisch auf Kurs zu halten.

Porsche Panamera GTS
Der Lackton "Kaminrot" bleibt exklusiv dem GTS vorbehalten. Der Mehrpreis von rund 12.000 Euro gegenüber dem 4S ist berechtigt, und für uns steht fest: Der GTS ist der beste und ausgewogendste Panamera im Porsche-Programm.

Exklusive Signalfarbe

Optisch präsentiert sich der GTS unverwechselbar mit riesigen Lufteinlässen an der Front, einem automatisch ausfahrbaren Vierwege-Heckspoiler, Bi-Xenon-Scheinwerfern, 19-Zoll-Felgen sowie jeder Menge jetzt in Schwarz gehaltener Außenteile wie Auspuffendrohre, die Schwellerverkleidung und der Heckdiffusor. Der Lackton "Kaminrot" bleibt exklusiv dem GTS vorbehalten. Ach ja. Vor lauter Freude an der Leistung und Fahrspaß darf die umfangreiche Aufwertung des Innenraums beim Panamera GTS natürlich weder unterschlagen noch ungelobt bleiben.

Porsche Panamera GTS
Der Innenraum des Porsche Panamera GTS gibt sich mit einer unverwechselbaren sportlichen Note aufgewertet.

Als GTS die erste Wahl

Der Mehrpreis von rund 12.000 Euro für den Panamera GTS gegenüber dem 4S ist berechtigt. Der GTS bietet nicht nur mehr Leistung und eine spürbar gesteigerte Fahrdynamik, sondern auch eine deutlich umfangreichere Ausstattung. Damit relativiert sich der Aufpreis und Ausstattungsbereinigt schwindet der Preisunterschied gegen Null. Somit werden viele Kunden nicht lange überlegen und sich für den deutlich gesteigerten Fahrspaß entscheiden. Für uns steht fest: Der GTS ist der beste und ausgewogendste Panamera im Porsche-Programm.

Porsche Panamera GTS
Die Fahrleistungen des Porsche Panamera GTS: 0 auf 100 km/h in 4,5 s, 0 auf 200 km/h in 17,9 s, 288 km/h Topspeed.

Technische Daten Porsche Panamera GTS:

Viersitziges Coupé; Länge/Breite/Höhe/Radstand: 4,97 Meter / 2,11 Meter / 1,41 Meter / 2,92 Meter; Leergewicht: 1.920 kg; Gepäckraumvolumen: 445 - 1.263 Liter.
Motor: 4,8-Liter-V8-Ottomotor mit 316 kW / 430 PS, Allradantrieb, max. Drehmoment: 520 Nm bei 3.500 min, Beschleunigung 0 - 100 km/h: 4,5 s, Höchstgeschwindigkeit: 288 km/h, Versicherungseinstufungen stehen noch nicht fest, Verbrauch insgesamt EU-Zyklus: 10,9 l/100 km Super Plus, CO2-Ausstoß: 256 g/km; Euro 5; Preis: 116.716 Euro

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