Die besonderen Qualitäten des Vitaly Petrov
Experten und Fans waren schon überrascht, als das Renault-Team vor der vergangenen Saison verkündet hat, sein zweites Cockpit mit Vitaly Petrov zu besetzen. Schnell war klar, dass bei der Fahrerbesetzung auch finanzielle Aspekte eine Rolle gespielt haben. Nicht nur, dass Petrovs Gehalt überschaubar war (Gerüchten zufolge lag es im unteren sechsstelligen Bereich), er brachte auch noch reichlich Sponsoren-Geld aus seiner russischen Heimat mit. Eben jene "Qualitäten" dürften auch bei seiner Weiterverpflichtung eine Rolle gespielt haben, denn wirklich überzeugt hat Petrov in der vergangenen Saison nicht.
Erfolgreich in Russland, im Rest Europas dauert es
Dennoch ist Petrov mehr als der klassische „Pay Driver“. Der Karrierestart verlief zwar holprig, Erfolge konnte Petrov lange nur in schwach besetzten heimischen Rennserien sammeln. Doch mit dem Wechsel in die Europäische Formel 3000-Serie, in der Petrov 2006 auf Anhieb Dritter werden konnte, schien der Knoten geplatzt zu sein. Ab 2007 ist Petrov sowohl in der europäischen als auch in der asiatischen GP2-Meisertschaft unterwegs. Dort kann sich der Russe kontinuierlich steigern. 2009 erreicht er im direkten Formel 1-Unterbau den Vizetitel hinter dem Dominator Nico Hülkenberg. Der Weg führte daraufhin folgerichtig in die Königsklasse des Motorsports.
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- Es liegt an Petrov, 2011 öfter solch starke Leistungen zu zeigen wie beim Saisonfinale 2010 - um im nächsten Jahr vielleicht in erster Linie wegen seiner fahrerischen Qualitäten verpflichtet zu werden.
Stark im Training, schwach im Rennen
Sein Cockpit hatte Petrov aber nicht nur seinem Talent und finanziellen Hintergrund zu verdanken. Einerseits war und ist mit Robert Kubica der Teamkollege ein großer Fürsprecher, zum anderen sollte Petrov für Renault neue Märkte im Osten Europas eröffnen. Ähnliches verspricht sich nun Lotus, das mit seinen Straßenautos in den kommenden Jahren eine wahre Marktoffensive plant und eine nicht unerhebliche Anzahl der Sportwagen auch in Russland absetzen möchte. Sportlich hat Petrov jedoch einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Wenn der Russe nicht im grauen Mittelfeld unterwegs war, hat er durch spektakuläre Unfälle auf sich aufmerksam gemacht. Allerdings gab es auch zwei Petrov-Highlights in der Saison 2010: Ein starkes Ungarn-Wochenende, das mit dem fünften Platz endet, und natürlich das Saisonfinale in Abu Dhabi, wo die fahrende Schikane Petrov dem Ferrari-Piloten Fernando Alonso einen dicken Strich durch die WM-Rechnung gemacht hat. Es liegt an Petrov selbst, öfter solche Leistungen zu zeigen - um im nächsten Jahr vielleicht in erster Linie wegen seiner fahrerischen Qualitäten verpflichtet zu werden.

