Die automobilfreundlichste Stadt Deutschlands ist Hamburg. Zumindest behauptet das der jetzt veröffentlichte Städte-Verkehrsatlas des Verkehrsclubs "Mobil in Deutschland". Die Elbmetropole landet im Gesamtklassement vor München, Düsseldorf und Frankfurt. Schlusslicht ist Niedersachsens Landeshauptstadt Hannover.
Allerdings lassen die zugrunde gelegten Kriterien dies auch durchaus kritisch sehen: Die städtische Verkehrsfreundlichkeit misst der Verkehrsclub anhand verschiedener statistischer Werte. Berücksichtigt werden unter anderem die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge in Relation zur Einwohnerzahl der Stadt. Je höher die Fahrzeugdichte ist, desto autofreundlicher sieht der Verkehrsclub eine Stadt. Man könnte hier auch den gegenteiligen Standpunkt vertreten: Weniger Fahrzeuge bedeutet besseres Durchkommen und ist somit autofreundlicher als anders herum.
Ein weiteres Kriterium ist die Einrichtung einer Umweltzone. In der Statistik wird dies als negativ angesehen, weil der Nutzen nicht geklärt ist und somit Autos aus Innenstädten "unnötig" ausgesperrt werden, wenn sie nicht die richtige Plakette haben. Dies hat aber die positive Folge, dass die Innenstädte nicht mehr von Abgasschleudern bevölkert sind. Je weniger Radargeräte, desto autofreundlicher ist eine Stadt, was zu Lasten der Sicherheit geht. Unstrittig ist die jährliche Staulänge, die Anzahl der Taxen im Stadtgebiet und der Tankstellen. Der Aussagegehalt des Rankings ist somit strittig, zumal die Gewichtung der einzelnen Punkte nicht klar ist.
Obwohl Hamburg in der Bewertung des Verkehrsclubs in keiner Kategorie ganz vorn liegt, bietet die Hansestadt insgesamt den autofreundlichsten Verkehr. Pro Einwohner gibt es nur 0,46 Fahrzeuge, denen gemessen an der Gesamtstraßenlänge im Schnitt 4,85 Straßenmeter zur Verfügung stehen. Auf 100 000 Kraftfahrzeuge kommen fast 26 Tankstellen. Eine Umweltzone ist bisher nicht beschlossen, die Innenstadt kann von jedermann befahren werden. Wer trotzdem lieber das Taxi nutzen möchte, wird hier gut bedient: Pro 1 000 Einwohner gibt es 2,11 Taxen. Und was notorische Schnellfahrer freuen wird: Es gibt "nur" 3,64 Radarfallen pro 100 000 Kraftfahrzeuge, was zu den niedrigsten Quoten im Test zählt. In der Gesamtnote reicht dies für die "Schulnote" 2,75, dem Bestwert im Test.
Zweifelsohne ist Hamburg nicht das Maß aller Dinge, in den Einzelkategorien kann man besser und auch schlechter abschneiden. In Bremen, Frankfurt und München kommen beispielsweise fast 0,56 Fahrzeuge auf jeden Einwohner, so viele Autofahrer zählt sonst keine Stadt. Viel Platz haben die Fahrzeuglenker in Leipzig, wo jeder Pkw rund 7,67 Meter nutzen kann, ehe ihm ein anderes Fahrzeug in die Quere kommt. Auch der Stau ist in der ostdeutschen Stadt so gering wie in keiner anderen, 2,4 Kilometer lang kommt es durchschnittlich zu Behinderungen. Die Fahrt nach Leipzig wird allerdings zum Horrortrip, wenn man einen nervösen Gasfuß hat: Fast 18 festinstallierte Blitzer finden sich hochgerechnet auf 100 000 Kfz.
In der Gesamtwertung liegt die Sachsen-Metropole mit der Durchschnittsnote 3,5 trotzdem nicht am Ende: Hannover schneidet mit Durchschnittswertung 4,25 bedeutend schlechter ab. Grund ist unter anderem die nur mit grüner Plakette befahrbare Umweltplakette, eine geringe Fahrzeugdichte sowie fehlende Autobahnringe. Ob dies tatsächlich so schlimm ist, bleibt fraglich.

