Unfallforschung der Versicherer

Blutzoll junger Fahrer vermeidbar

Über 30 Prozent aller Unfälle mit jungen Fahrern mit Personenschaden könnten vermieden werden. Dafür müsste aber in Deutschland eine Nachbetreuung nach dem Führerscheinerwerb eingeführt werden. ( , 16.12.2011)

"Kritische Situationen erleben junge Fahrer nur in der Praxis. Um sie zu meistern und angelerntes Fehlverhalten direkt wieder auszumerzen, ist eine Nachbetreuung der Fahranfänger unerlässlich", erklärte Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV), anlässlich eines Gesprächs in Bonn. "Feedbackfahrten einige Monate nach dem Führerscheinerwerb bringen eine noch höhere Sicherheit als der Führerschein mit 17", so Brockmann. Noch immer sind in Deutschland junge Fahrer eine Hochrisikogruppe. Ihr Anteil an tödlichen Verkehrsunfällen ist mit rund 28 Prozent überproportional hoch, denn ihr Anteil an der Bevölkerung beträgt nur acht Prozent.

2010 kamen auf deutschen Straßen 508 junge Fahrer bei Unfällen ums Leben. Feedbackfahrten, Fahrsicherheitstraining und psychologische Gruppendiskussion einige Zeit nach dem Führerscheinerwerb sind in Österreich Pflicht. Hier gingen nach Einführung der Nachbetreuung die Unfälle junger Fahrer mit Personenschaden um bis zu 31 Prozent zurück. "Die Nachbetreuung darf den Führerschein nicht viel teurer machen", forderte Brockmann. Das sei aber möglich. So könnte in der regulären Fahrausbildung beispielsweise die Dauer der Nacht- und Autobahnfahrten gekürzt werden. Dann, so schätzt die UDV, würde der Mehraufwand nur bei rund 100 Euro bis 200 Euro liegen. "Viele junge Leute müssten ihre fehlende Erfahrung und höhere Risikobereitschaft nicht mehr mit der Gesundheit bezahlen", so Brockmann. Vorwürfe erhob der Unfallforscher gegenüber dem Bundesverkehrsministerium. Es hätte die Einführung der Mehrphasenausbildung an die Bundesanstalt für Straßenverkehr (BAST) zur Diskussion delegiert.

Die BASt setze aber vor allem auf den Führerschein mit 17. "Dabei schließt sich beides nicht aus", so Brockmann. Die Nachbetreuung sei aber sozial gerechter. So gebe es in manchen Familien kein Auto oder keinen geeigneten erwachsen Mitfahrer. Betroffene Jugendliche könnten daher am Führerschein mit 17 gar nicht teilnehmen.

Entschieden wehrt sich der Unfallforscher gegen die freiwillige Einführung einer Nachschulung. "Hier melden sich nur junge Fahrer, die sowieso schon extrem auf Sicherheit achten", so Brockmann. Das sei nicht die Problemgruppe, die die Unfallforscher erreichen wollten. Mit Freiwilligkeit könnten die Unfallzahlen nicht entschieden gesenkt werden. Uwe Schmidt-Kasparek/mid

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