Der Tucker Torpedo steht für Innovation und den Traum eines Mannes. Preston Tucker ist mit seiner automobilen Kreation seiner Zeit weit vorausund kann dennoch nicht bestehen. (Jessica Fischer , 01.09.2010)
Ein Mann, eine Vision
Der Tucker Torpedo steht für große Träume, Innovationen und eine übermächtige amerikanische Autoindustrie. Die Geschichte des Preston Tucker erinnert nicht nur in einer Hinsicht an die des John Zachary De Lorean, der Jahrzehnte später den DMC-12, bekannt aus dem Film „Zurück in die Zukunft“, baut. Tucker selbst ist schon früh von Autos fasziniert. Mit elf Jahren lernt er bereits Autofahren. Sein Ziel ist kein Geringeres als das beste Auto der Welt zu bauen. Nach Jobs bei den Big Three in Detroit beschließt Tucker, sein Vorhaben in die Tat umzusetzen.
Tucker 48
Den Namen Torpedo verwendet Tucker ausschließlich zu Werbezwecken. Der richtige Name seines einzigen Fahrzeugmodells ist Tucker 48, benannt nach seinem Entstehungsjahr. Der Wagen ist absolut innovativ und seiner Zeit weit voraus. Besonderen Wert legt Preston Tucker auf Sicherheit. Für die 40er Jahre noch völlig unbekannt, stattet er seinen Wagen mit Sicherheitsglas, Sicherheitsgurten, Scheibenbremsen, gepolstertem Armaturenbrett und Kurvenlicht aus – alles Features, die Jahre später zur Standardausführung eines Autos gehören. Das Design des Wagens entwirft Alexis Tremulis innerhalb von nur sechs Tagen. Er gilt als einer der bedeutendsten Automobildesigner aller Zeiten. Auf seine Kappe gehen unter anderem das Space Shuttle und die Entwürfe der ersten fliegenden Untertassen. Für den Komfort der Passagiere besitzt der Tucker Suicide Doors. Sie sollen das Ein- und Aussteigen erleichtern. Die Karosse hat einen damals wie heute guten cW-Wert von 0,27. Der Clou kommt aber noch.
Zukunftsweisende Motortechnologie
Nach ersten missglückten Versuchen mit einem 9,7 Liter Boxermotor entscheidet sich Preston Tucker für einen 5,5 Liter-Sechszylinder-Boxer mit 168 PS – eine für damalige Verhältnisse beachtliche Leistung. Der Motor stammt ursprünglich aus einem Hubschrauber. Tucker setzt ihn jedoch nicht original ein. Zuerst baut er ihn von Luft- auf Wasserkühlung um. Neben einer hydraulischen Ventilsteuerung baut er eine damals noch völlig unbekannte Benzineinspritzung ein. Zum Vergleich: 1954 ist der Mercedes 300 SL das erste Serienfahrzeug mit Viertaktmotor und Benzineinspritzung. Geschaltet wird manuell mit einem Vier-Gang-Getriebe. Dabei besitzt das Getriebe eine Frühform der Automatik mit elektromagnetischer Vorwahl und Flüssigkeitskupplung.
Ruin einer profitablen Idee
Insgesamt werden lediglich 51 Tucker 48 gebaut. Als die ersten Fahrzeuge ausgeliefert werden sollen, gerät Preston Tucker ins Visier der Steuerfahndung. Er wird angeklagt, Steuern im Wert von 30 Millionen Dollar hinterzogen zu haben. Tucker kann die Behörden von seiner Unschuld überzeugen und wird 1950 freigesprochen.Seine Firma ist zu dem Zeitpunkt schon soweit ruiniert, dass er die Werkshallen schließen muss. Einen nicht unerheblichen Anteil am Untergang von Tucker haben die Detroiter Big Three. Ford, Chrysler und General Motors ziehen mit einer ganzen Reihe von verleumderischen Hetzkampagnen über Tucker her. Darin wird zum Beispiel argumentiert, dass ein Auto, welches Sicherheitsgurte nötig habe, überhaupt nicht sicher sein könne. Preston Tucker zieht sich nach Brasilien zurück und arbeitet dort an seinem neuen Projekt, dem Tucker Carioca. Bevor er seine Idee in die Tat umsetzen kann, stirbt er 1956 an Lungenkrebs. Von den 51 Exemplaren sind noch 47 erhalten. Im August wechselt bei RM Auctions ein Tucker 48 für 1.127.500 Dollar den Besitzer.