Das wird nicht nur Ostalgiker freuen: Der neue Trabi soll tatsächlich gebaut werden. Auf der Frankfurter IAA feiert eine seriennahe Studie des Elektro-Kleinwagen Weltpremiere. (powered by Speed Heads , 01.01.2009)
Einfach, leicht und praktisch – das sind die Attribute des ostdeutschen Kultautos schlechthin, des Trabis. Zwischen 1957 und 1991 erblicken sage und schreibe 3.051.385 Fahrzeuge das Licht der Welt. Mit der politischen Wende in Deutschland kommt jedoch das Aus für das technisch antiquierte Ostmobil – so scheint es. Denn viele Liebhaber pflegen weiterhin ihren Trabi und lassen ihn als Kultauto weiterleben. Doch nun ist es mit dem Trabant nT (new Trabi) Zeit für einen modernen Nachfolger. Der Prototyp lässt sich auf der Frankfurter IAA (noch bis 27. September 2009) bewundern und steht für ein sicheres, zuverlässiges Stadt- und Mittelstreckenauto sowie einen Zweitwagen für Familie und Alltag.
Prägende Merkmale des ursprünglichen Trabant P 601 Universal haben die Designer bei der Neuauflage auf moderne Weise interpretiert. Der nT soll als Trabant wieder erkennbar, dennoch formal eigenständig und unverwechselbar sein. Der Retro-Gedanke soll nie im Vordergrund gestanden haben, vielmehr das Bild, das sich über Jahrzehnte in den Köpfen der Menschen festgesetzt hat. So bietet er neben vielem Neuen eine emotionale Sicherheit und Vertrautheit. Der sich trapezförmig nach unten öffnende Grill, die Front- und Heckleuchten, die Stoßkappen sowie das aufgesetzte Dach sind die tragenden grafischen Elemente. Die gewählten Proportionen, die markanten Stilelemente und die Flächenbehandlung verleihen dem Trabant nT eine dynamische Anmutung. Allerdings ist er im Vergleich zum Urahn deutlich gewachsen und 3,95 Meter lang.
Nix für die Langstrecke, aber optimal für die Stadt
Mit einer Nennleistung von 47 kW (64 PS) treibt ein Asynchron-Elektromotor die Vorderachsen des Trabant nT an. Damit erreicht das rund 1.050 Kilogramm schwere Concept Car eine Höchstgeschwindigkeit von ca. 130 km/h. Gespeist wird das System von einer Lithium-Ionen-Batterie, die zwischen Hinterachse und Mitteltunnel sitzt und eine Reichweite von maximal 160 Kilometern ermöglicht.Völlig ausreichend, wenn man bedenkt, dass der überwiegende Teil aller täglichen Fahrten in Deutschland unter 50 Kilometer am Tag liegt. Nach dieser Strecke lässt sich der Trabant nT über Nacht für etwa ein Euro Stromkosten am normalen Stromnetz wieder voll aufladen. Die Ladezeit beträgt an einem 230-Volt-Netz etwa acht Stunden, an einem 380-Volt-Netz sind es rund zwei Stunden. Zur Unterstützung von Lüftung und Fremdverbrauchern verfügt der Trabant nT über ein 1,80 Quadratmeter großes Solardach.
Noch drei Jahre bis zur Serienreife
Nun soll die Studie bis zur Serienreife weiterentwickelt werden, ab 2012 soll der Trabant nT verkauft werden. Die Initiatoren sind in der Lage, den Schritt von der Projektentwicklungs- zur Produktionsgesellschaft zu begleiten und suchen nun einen finanzkräftigen Investor. Preislich soll der Trabant nT voraussichtlich unter 20.000 Euro liegen.Das Projekt begann vor etwa drei Jahren, als Herpa-Geschäftsführer Klaus Schindler die Idee hatte, dem sich nach wie vor gut verkaufenden Trabant-Miniaturmodell ein moderneres Design zu verpassen. Zwischenzeitlich die Rechte an der Marke „Trabant“ erworben, überraschte Herpa das Publikum der Frankfurter IAA des Jahres 2007 mit dem NewTrabi als 1:10-Modell. Die positive weltweite Resonanz lieferte den Anstoß, dieses Projekt ernsthaft weiter zu verfolgen.