Test Nissan 370Z

Getestet: Nissan 370Z

In der Fußball-Bundesliga sind Japaner gerade schwer angesagt. Für Sportwagen aus dem Land der aufgehenden Sonne gilt das zumindest in Auto-Deutschland nicht unbedingt. Dabei hätte gerade der Nissan 370Z einen festen Platz im Sportwagen-Establishment verdient, wie unser Test beweist. ( , 01.01.2012)

TECHNISCHE DATEN
Nissan 370 Z
MotorSechszylinder-V-Motor
Hubraum3.696 ccm
Leistung241 kW (328 PS) bei 7000 U/min
Drehmoment363 Nm bei 5200 U/min
L/B/H in Meter4,25/1,85/1,31
Gewicht1.571 kg
AntriebHinterradantrieb
GetriebeSechsgang-Schaltgetriebe
Felgengrößevo: 9x19 Zoll; hi: 10x19 Zoll
Bereifung245/40R19 / 275/35R19 Pirelli Sottozero
BremsenScheiben rundum; vo: 355 mm / hi: 350 mm
0-100 km/h6,0 s
0-200 km/h22,3 s
Vmax255 km/h
Bremsweg (100-0 km/h)36,3 Meter
Verbrauch14,6 Liter
Grundpreis38.750 Euro
Testwagenpreis47.381 Euro
VersicherungsklassenHP 16/ VK 27/ TK 29
Rundenzeit-
Teststrecke

Das ist er

Es gibt sie immer seltener, die letzten Aufrechten unter den Sportwagen. Die ihre Power noch aus frei saugenden, hoch drehenden Motoren schöpfen, welche ihre Kraft an die Hinterräder schicken. Insofern schlägt unser Herz von vornherein höher, als die Testwagenzusage für den Nissan 370Z mit manuellem Sechsgang-Getriebe in die Münchner Redaktionsräume flattert. Kein Turbo, kein Kompressor, dafür „nur“ ein 3,7 Liter großer V6-Saugmotor mit immerhin 328 PS und 363 Nm. Und dazu das Etikett, für günstiges Geld auf Porsche-Niveau zu fahren. Zu schön, um wahr zu sein, oder kann der Japaner Leistung bringen wie seine Landsleute in der Fußball-Bundesliga? Motorvision.de hat genau das überprüft.

Nissan 370Z
Im 370Z-Cockpit geht es recht beengt zu. Die Bedienung hat man aber schnell intus.

Das bietet er

Die motorischen Zutaten lesen sich also schon mal nicht schlecht. Hinzu kommt die erfolgversprechende Antriebsarchitektur mit einem hinter der Vorderachse liegenden Motor und einer die Kraft auf den Boden pressenden Hinterachse. Anders als BVB-Profi Shinji Kagawa, Makoto Hasebe aus der VW-Stadt Wolfsburg oder Atsuto Uchida (Schalke 04) ist der Nissan 370Z aber beileibe kein Hänfling. Mit knapp 1,6 Tonnen Leergewicht fehlt zwar noch ein gutes Stück zu den Ausmaßen eines Sumo-Ringers, er liegt aber dennoch rund 150 Kilogramm über seinem natürlichen Konkurrenten Porsche Cayman S, der sich so grazil über die Rennstrecke bewegt wie Shinji Okazaki vom heimischen VfB, wenn er gegnerische Abwehrreihen auseinanderschraubt. Stellt sich die Frage: Kann der Nissan 370Z dieses Manko mit Technik und Kaltschnäuzigkeit wettmachen oder muss er zu „Quälix“ Magath ins Trainingslager?

Nissan 370Z
Der Nissan liefert ein Maß an Power, Direktheit und Verbindlichkeit, das reichlich Fahrspaß garantiert.

So fährt er

Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Zum gestandenen Bundesliga-Spieler reicht es allemal, liefert er doch ein Maß an Power, Direktheit und Verbindlichkeit, das reichlich Fahrspaß garantiert. Um es jedoch mit Meisterschaftskandidaten wie dem bereits erwähnten Zuffenhausener, dem Audi TT RS oder dem Münchner Emporkömmling BMW 1er M Coupé aufnehmen zu können, fehlt das letzte Maß an Explosivität. Hier gibt sich der 370Z dann doch einen Tick zu weich und antrittsschwach, die Lenkung findet zudem nicht immer den direkten Zug zum Tor… sorry, zur Ideallinie. Der V6 bietet neben einem Sound, der so gar nicht japanisch-zurückhaltend klingt, eine typische Saugmotor-Charakteristik – jedenfalls fast. Er will durchaus gedreht werden, um Leistung zu liefern, auf dem Drehzahl-Gipfel geht ihm jedoch spürbar die Puste aus. Das macht aber nix, schließlich hat sich Nissan ein ebenso spaßiges wie sinnvolles Gimmick überlegt – die "SynchroRevControl". Sowohl beim Hoch- als auch Runterschalten wählt dieses System die richtige Drehzahl vor, sodass der Anschluss perfekt gelingt und der Motor nicht kurzzeitig in ein Drehmomentloch fällt. Dass sich der handgeschaltete und winterbereifte 370Z dann aber doch 6,0 Sekunden Zeit lässt, um von Null auf Hundert zu sprinten, und damit sieben Zehntel länger braucht als vom Werk angegeben, ernüchtert durchaus. Bei 250 Sachen sagt die Elektronik: „Bis hier hin und nicht weiter“, aber hier verschwindet nur der Porsche hinter dem Horizont. Positiv: Im Gegensatz zum Vorgänger 350Z, dessen Heck beim heftigen In-die-Eisen-steigen doch allzu leicht wurde, fühlt sich der 370er endlich auch auf der Bremse stabil an. Apropos leichtes Heck: Ein gestandenes Leistungsübersteuern, das bei abgeschaltetem ESP wegen der exakten und direkten Lenkung aber leicht pariert werden kann, legt der Japaner nur allzu gern aufs Parkett.

Nissan 370Z
Der (Grund-)Preis macht den 370Z heiß. Nissan ruft eine Ablösesumme von 38.750 Euro auf. Mit den optionalen 19-Zöllern, Navigation samt Radio und Soundsystem sowie Lederausstattung, Metallic-Lack, Sportauspuff und Einparkhilfe an beiden Fahrzeugenden steigt die Investitionssumme auf 47.381 Euro.

Das kostet er

Der (Grund-)Preis macht den 370Z heiß. Nissan ruft eine Ablösesumme von 38.750 Euro auf – für diesenTarif bieten Porsche, Audi und BMW nur gebrauchte Exemplare auf dem Transfermarkt an. Dafür muss man aber mit einem eng geschnittenen und nicht eben hochwertigen Plastik-Cockpit sowie einem mit 235 Liter sehr kleinen und schlecht nutzbaren Kofferraum Vorlieb nehmen. Mit den optionalen 19-Zöllern, Navigation samt Radio und Soundsystem sowie Lederausstattung, Metallic-Lack, Sportauspuff und Einparkhilfe an beiden Fahrzeugenden steigt die Investitionssumme auf 47.381 Euro. Dann fällt die Entscheidung schon schwerer, denn nun ist der Weg zum mindestens 50.500 Euro teuren BMW 1er M Coupé nicht mehr weit. Audi TT RS (ab 56.750 Euro) oder Porsche Cayman S (Basispreis 62.571 Euro) sind aber immer noch außer Reichweite.

MOTORVISION WERTUNG
Kriterien
(je max. 10 Punkte)
Nissan 370 Z
Gesamtergebnis
(max. 50 Punkte)
34
Längs07
Quer07
Alltag06
Geld06
Wahre Werte08
MOTORVISION FAZIT
Chefredakteur Thomas Harloff Chefredakteur Thomas Harloff
Der Nissan 370Z ist ein munteres Spaßgerät zum – falls man auf die teuren Extras verzichten kann – verlockenden Preis. Die einzelnen Komponenten und die Gesamt-Performance sind gut, aber eben nicht so überragend wie bei den Hauptkonkurrenten aus Süddeutschland. Sportfahrer mit Meisterschaftsambitionen werden sich also weiterhin auf dem Spielermarkt in Stuttgart-Zuffenhausen, Ingolstadt oder Garching bei München bedienen. Wer dagegen mit schmalem Budget ins internationale Sportwagen-Geschäft möchte, ist mit dem Japaner sehr gut bedient.

UMFRAGE

Ist der Nissan 370Z für Euch eine echte Alternative?

  • Ja klar! Er steht schon in meiner Garage!
    48%
  • Nettes, günstiges Coupé! Gegen die deutsche Konkurrenz aber machtlos.
    43 %
  • Gefällt mir gar nicht und kann auch nix!
    9 %
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