Ab in die DTM
Eigentlich fing die Erfolgsgeschichte des Alfa 155 schon 1992 an. Die AlfaCorse-Neuentwicklung 155 SuperTurismo gewann 17 von 20 Rennen in der italienischen Tourenwagenmeisterschaft. Dieses erfreuliche Ergebnis inspirierte Alfa Romeo dazu, sich nach stärkerer Konkurrenz umzusehen. Man sollte sie finden, und zwar in der DTM. Zum großen Glück für die italienischen Newcomer wurden die Regularien für Tourenwagen-Rennen zur Saison 1993 massiv geändert. Von 1993 an gab es zwei verschiedene Klassen für Tourenwagen-Rennen: Die FIA-Klassen 1 und 2.
Autos der Klasse 2 mussten sehr nah an den Homologations-Fahrzeugen mit Straßenzulassung sein, während es für Klasse 1-Autos einen beachtlichen Freiraum bezüglich der Entwicklung gab. Alfa entwickelte Fahrzeuge für beide Klassen, aber in der prestigeträchtigen DTM galten die Regularien der Klasse 1.
Das bedeutete, die Erscheinung des Straßenautos musste grundsätzlich erhalten bleiben, bei allem anderen hatten die AlfaCorse-Ingenieure nahezu freie Hand.
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- Die Karosserie sah halbwegs "serienmäßig" aus, war aber komplett aus Karbon. Die ausladende Frontschürze sorgte für gute Kühlung und mächtig Anpressdruck.
Der Star ist der Motor
Das absolute Highlight des 155 V6 TI DTM war sein Antrieb. Ein Hochdrehzal-V6 wurde mit dem neu entwickelten Allradantrieb Q4 kombiniert. Mit lediglich 2,5 Litern Hubraum produzierte der komplett aus Aluminium gefertigte Sauger atemberaubende 400 PS bei 11.500 Umdrehungen. Der Motor wurde vor der Vorderachse montiert. Für eine bessere Gewichtsverteilung setzte man das Sechsganggetriebe separat in die Mitte des Autos. Etwa ein Drittel der Leistung wurde an die Vorderräder geschickt, der Rest ging nach hinten.
Um die Regularien zu erfüllen, wurde das Chassis der 155er Straßenversion beibehalten. Die Karosserieteile sahen auch „serienmäßig“ aus, waren aber alle aus Karbon. Mit Ausnahme des Heckflügels mussten alle Aerodynamik-Teile unterhalb der Höhe der Radnabe angebracht werden. Das Resultat waren tief heruntergezogene Seitenschweller und eine raffiniert ausgeklügelte Frontschürze. Sie sorgte mit diversen Lufteinlässen nicht nur für die nötige Kühlung, sondern auch für beachtlichen Anpressdruck. Die Standard-Lufteinlässe im Grill versorgten die sechs Ansaugrohre mit Luft.
Im Innenraum erinnerte nur noch wenig an die Straßenversion des 155ers. Der Einzelsitz wurde nahezu in der Mitte des Wagens entlang des Getriebes montiert.
Beeindruckende Serie
Alfa schickte zwei 155 V6 TI mit den Werksfahrern Alessandro Nanini und Nicola Larini ins Rennen. Beide hatten Formel 1-Erfahrung und entscheidenden Anteil am Sieg in der Italienischen Tourenwagen-Meisterschaft im Jahr davor.
Von Anfang an war offensichtlich, dass der neuentwickelte 155 ein absolutes Siegerauto ist. Die Hauptkonkurrenz kam von verschiedenen Mercedes-Benz-Teams. Der 190 E war stark, aber AlfaCorse dominierte die Saison mit zwölf von 20 möglichen Siegen. Zehn davon errang Nicola Larini und sicherte sich somit den Fahrertitel.
Der 155 V6 TI fuhr bis 1996 in der DTM, bis diese von der neu gegründeten International Touring Car Championship (ITC) abgelöst wurde. 1994 schien der neue AMG Mercedes auf C-Klasse-Basis im Vorteil zu sein, aber Alfa schaffte es immerhin elf Rennen zu gewinnen. Der Titel ging aber an Mercedes. 1995 ging der TI an einem Elektronik-Overkill zugrunde. 1996 konnte er, mittlerweile im vierten Jahr im Einsatz, zumindest in der zweiten Saisonhälfte sechs Siege in Folge verbuchen, und das gegen eine Konkurrenz mit wesentlich neueren Modellen.
Am Ende der 1996er Saison verkündeten Alfa Romeo und Opel ihren Ausstieg aus der DTM, was effektiv das Ende der Rennserie bedeutete. Trotz fantastischer Rennen mit vorzüglichen Autos bereitete die anhaltende Kostenexplosion der DTM/ ITC ein jähes Ende. Für Alfa war die DTM insgesamt ein großer Erfolg mit beeindruckenden 38 Siegen. Nicht wenige wünschen sich sehnlichst ein Comeback der Mailänder in der heutigen DTM. Der Rennserie, die den Glanz der alten Tage weitgehend vermissen lässt, würde es sicher gut tun.

