Spezial: 100 Jahre Alfa Romeo

Teil 5: Alfa Giulietta SZ

Alfa Romeo und Zagato – diese Kombination versprach schon immer Sport vom Feinsten. Alfas erfolgreiche Giulietta verkaufte sich vor allem als Familienkutsche, doch die Giulietta SZ ist für die Rennstrecke geboren. ( , 31.05.2010)

Die Giulietta – klein und günstig

Mit dem 1900 hatte Alfa Romeo seinen ersten Ausflug in die Großserie begonnen, mit der Giulietta gingen die Italiener noch einen Schritt weiter. Der Wagen war erheblich günstiger, deutlich kleiner und trotzdem mit einem für damalige Verhältnisse agilen 1,3-Liter Motor bestückt. Der Wagen wog 870 Kilogramm und hatte 53 PS. Die Giulietta wurde 1955 auf der Turiner Automesse vorgestellt und bis 1964 produziert. Mehr als 131.000 Limousinen, 36.000 Coupés (Sprint) und 27.000 Cabrios (Spider) liefen vom Band.

Das bei Bertone gestylte Coupé Giulietta Sprint leistete 65 bis 79 PS und war bis zu 170 Km/h schnell. Für Freunde des Leichtbaus schob Alfa noch die Sprint Veloce hinterher, die 100 Kilo weniger auf den Rippen hatte als das normale Coupé. Optional gab es ein Fünfganggetriebe. Das Auto erschien auch als Sprint Speciale in einer Version mit aerodynamisch optimierter Karosserie, die ein wenig an die „Disco Volante“ erinnerte. Das Top-Modell schließlich war ab 1962 die Giulietta 1600 Sprint mit ihrem 91 PS starken 1,6-Liter Motor, die allerdings deutlich schwerer war.

GiuliettaSZ_seite
Zagato baute das Aluminium-Blechkleid für die Giulietta SZ. Beid der flachen Silhouette ist Kopf einziehen angesagt.

Nur 210-mal SZ

Die seltenste und faszinierendste Variante aber ist die Giulietta SZ, die von 1959 bis 1962 nur 210-mal das Licht der Autowelt erblickte. Der schlanke Flitzer wurde vom renommierten Karosseriebauer Zagato eingekleidet und hatte eine Aluminiumhaut. Das Chassis basierte auf der Sprint Speciale. Das Gewicht lag zunächst bei 854 Kilogramm inklusive Ersatzrad und Werkzeugtasche. Damit war die SZ zwar etwas schwerer als die erste Sprint Veloce, doch mit ihrem 97 PS starken Vierzylinder machte sie das wieder wett.

Die SZ gab es in zwei Versionen. Die SZ der ersten Serie hatte eine etwas höhere Karosserie und Scheinwerferabdeckungen. Die zweite Version war noch windschlüpfriger gestaltet und verfügte über ein so genanntes Kamm-Heck mit scharfer Abrisskante und großer Heckscheibe. Der deutsche Wissenschaftler Wunibald Kamm, der als einer der Erfinder der Aerodynamik im Autobau gilt, lieferte Inspirationen für zahlreiche Designer – nicht nur bei Alfa, sondern auch bei Ferrari oder Porsche experimentierte man mit Abrisskanten.

GiuliettaSZ_kammheck
Die zweite Version der SZ hatte ein sogenanntes Kamm-Heck mit scharfer Abrisskante und großer Heckscheibe.

Vor allem schnell

Die SZ, die Alfa Romeo in seiner historischen Sammlung hütet, hat nicht nur das urige Kamm-Heck, sondern ist auch auf 770 Kilo abgespeckt und hat 100 PS unter der Haube. Wer hinter das Steuer gleitet, muss erkennen, dass der Zweisitzer wohl vor allem für kleine Italiener mit gegelten Haaren gedacht war – der Kopf macht sofort Bekanntschaft mit dem Dachhimmel. Dafür bewundert man die Schlichtheit des Cockpits: Drei Rundinstrumente sagen einem alles, was man wissen muss, ansonsten gibt es praktisch nur Pedale, Lenkrad und Schalthebel.

Die SZ stürmt mit einem munteren Röhren los und fliegt mit Leichtigkeit um die Kurven. Das Heck tanzt zwar gerne mal aus der Reihe, lässt sich aber flugs wieder einfangen. Eine geordnete Unterhaltung ist bei höheren Drehzahlen – und die SZ liebt hohe Drehzahlen – zwar nicht mehr möglich, doch die Giulietta soll ja vor allem schnell sein. Und das war sie: Die Höchstgeschwindigkeit gab Alfa damals mit 200 Km/h an, schneller als alle anderen Giuliettas.

GiuliettaSZ_zagato

Die Legende lebt

Das „Julchen“ in all seinen Varianten war so erfolgreich für Alfa Romeo, dass man heute an die Legende anknüpfen will. Die neue Giulietta ist zwar nicht mehr so leicht und bislang nur als Limousine zu haben, doch in Sachen Sportlichkeit heißt es klotzen, nicht kleckern – das Top-Modell QV bringt 235 PS auf die Straße.

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