TechArt GTsport: Einfach nur ein Dreckstück

Nach meinem gestrigen Ausritt mit dem TTP Cayman geht es mit einem Mini Cooper Cabriolet nach Stuttgart. Dort steht ein Date mit dem TechArt GTsport auf dem Programm. (powered by Speed Heads , 01.01.2009)

Das Grinsen weicht bei der vergleichsweise mutmaßlichen Schneckenfahrt weiterhin nicht von meinen Lippen. Warum? Die Antwort ist simpel: TechArt. Kaum auf dem Hof vorgefahren, sehe ich den GTsport auf Basis des Caymans schon spitzbübisch neben einem GTstreet stehen. Weiß wie die Unschuld will er sich präsentieren. Das hat in etwa die Wirkung, als wenn sich Mike Tyson einen Heiligenschein aufsetzt, bevor er ans Ohrenknabbern geht.

TechArt gab dem GTsport eine unverwechselbare Optik. In der Front prangt eine dominante Frontschürze mit vier extra Scheinwerfern. Die enormen Lufteinlässe reduzieren allzu großen Auftrieb bei hohem Tempo, weiter unterstützt durch den ausziehbaren Carbon-Splitter. Carbon ziert ebenfalls die Rückspiegel. Die TechArt-Seitenschweller beruhigen derweil den Luftstrom zwischen den vorderen und hinteren Radhäusern.

TechArt GTsport - Seitenansicht
Der GTsport ist das genaue Gegenteil vom TTP: Nichts mehr mit lässig mit einer Hand in die Kurve schaukeln lassen. Hier soll gearbeitet werden!

Carbon, wohin das Auge blickt

Für so wenig Auftrieb wie möglich sorgt der Heckflügel mit ausziehbaren Gurney-Flap aus Carbon. Schlussendlich ziert ein Carbon-Diffusor das Heck. Insgesamt schuf TechArt den Grad zwischen einem erfrischend dynamischen Design und hoher Funktionalität. Abgerundet wird das noch durch die fetten 20-Zoll-Formula-Räder im Fünfspeichen-Design mit ContiSportContact 3-Pneus. Zurückhaltung? „Nee, lass ma´ stecken“, denke ich mir.Nachdem die Formalitäten im Schnellverfahren abgefertigt wurden, reiße ich dem Verwahrer des wertvollen Schlüssels diesen quasi schon im Laufschritt aus der Hand. Mit einem Knopfdruck offenbart sich mir das Innere des GTsport. Selten habe ich einen derart sauber verarbeiteten Innenraum gesehen. Der Ruf von TechArt, ein Porsche-Interieur noch mal edel aufarbeiten zu können, wird hier komplett bestätigt - nicht zuletzt dank der hausinternen Sattlerei.

TechArt GTsport - Frontansicht 2
Hubraum? 3,8 statt 3,4 Liter! Leustung? 385 PS! 0 auf 100? 4,9 Sekunden! Topspeed? 303 km/h!

Geheiligt sei der Herr der Schlüssel…

Im Gegensatz zum TTP, offenbart der TechArt GTsport schon auf den ersten Blick seine Leidenschaft für Rennstrecken. Und das hört auch im Innenraum nicht auf: Alcantara, soweit das Auge reicht, rote Sechspunkt-Gurte und die dazu passenden Sportsitze. Wer möchte, kann sich in der hausinternen Sattlerei auch feinstes Leder in den Cayman einpflanzen lassen. Das würde aber diesen herrlichen GT3-Charakter zerstören.Gerade will meine linke Hand den Schlüssel umdrehen, da kommt der heilige Schlüsselverwahrer auf mich zugerannt und spricht die heiligen Worte: „Ich muss noch einen GTstreet für einen Auftrag auf ein freies Flughafengelände bringen. Willst Du da vielleicht mit?“ Manche Fragen können einfach nur blöd sein. Natürlich! Schlüssel gedreht, der Motor erwacht, Gänsehaut! Der Sound ist - wie soll ich es dezent beschreiben - einfach nur geil. Vor mir fährt das GTstreet Turbo Cabriolet und führt mich, na wohin wohl, im TechArt-Tempo zum Flughafengelände.

TechArt GTsport - Felge
Der TechArt GTsport steht auf fetten 20-Zoll-Formula-Räder im Fünfspeichen-Design mit ContiSportContact 3-Pneus

Harte Arbeit statt lässigem Schaukeln

Wenn einer wie ich im flachen Hamburg mit langweiligen, unspektakulären, geradegezogenen Straßen lebt, ist selbst der kurvige Trip über die Landstraßen außerhalb von Stuttgart mit solch einer Rennsemmel ein Erlebnis par exellence, für das sich so manch eine langbeinige Schönheit hinten anstellen darf - na gut, ein Platz ist ja noch frei. Aber Schnauze halten - ich will den aufgemotzten Boxer-Sound hören, fühlen und erleben!Der GTsport ist das genaue Gegenteil vom TTP. Nichts mehr mit lässig mit einer Hand in die Kurve schaukeln lassen. Dieser Cayman macht seinem Namen alle Ehre. Hier soll gearbeitet werden. Die Lenkung ist fühlbar straffer, die TechArt-Schaltwegverkürzung braucht Kraft, das TechArt-Vario-Plus-Gewindefahrwerk unterstützt das PASM-Dämpfungssystem in jeder Kurve. Wer den GTsport ein wenig fliegen lässt, wird automatisch straffer abgedämpft.

TechArt GTsport - Frontansicht 1
Die dominante Frontschürze beherbergt vier extra Scheinwerfer. Enorme Lufteinlässe reduzieren, unterstützt vom ausziehbaren Carbon-Splitter, den Auftrieb

Vergewaltigung eines Potenzprotzes

Stahlharte Eier hat er, der kleine Schnappi. Die natürlich auch potent besetzt wurden. Neben einer Hubraumerweiterung von 3,4 auf 3,8 Liter stieg die PS-Leistung auf 385 PS an. Damit knackt der GTsport locker die 300er-Mauer bis auf eine Höchstgeschwindigkeit von 303 km/h. Erreicht wurde das durch Sportnockenwellen, ein modifiziertes Saugrohr mit speziellem Luftfiltersystem sowie einer Aluminium-Ansaugspinne. Darüber hinaus pimpt die Edelstahl-Hochleistungsabgasanlage und die überarbeitete Motorelektronik die Leistung weiter hoch.Nach den ersten Einführungskurven kommen wir im Traum aller Verschleißteilvergewaltiger an. Eine breite Landebahn nur für uns! Der Schlüsselwächter schickt mir sein „Go - Feuer frei“. Schweiß – Stillstand – PSM deaktivieren – Kupplung – Gasschübe – Kupplung kommen lassen – Power – 407 Nm – Hochdrehen – Atmen – 2. Gang – 4,9 Sekunden auf 100 km/h – Tunnelblick – Schneller – 3. Gang – Atmen – Schneller – Halt – Nein – Bremsen – Scheiß drauf – Kupplung – Runter schalten – Kommen lassen – Drift!!! – Haha! – STOPP!

TechArt GTsport - Heckansicht
Für so wenig Auftrieb wie möglich sorgt der Carbon-Heckflügel mit ausziehbaren Gurney-Flap. Schlussendlich ziert ein Carbon-Diffusor das Heck

Vollgasschübe im Stuttgarter Raum

Dreckstück! Du mieses kleines Dreckstück. Ich liebe Dich! Was sucht eigentlich die langbeinige Braut mit dem grünen Gesicht noch hier? Dampf ab, ich bin versorgt. Dieser Rennalligator hält wirklich, was sein Name verspricht: Fahrspaß pur. Mit jeder Kurve gibt es ein Schuss mehr Vertrauen in das Fahrwerk. Das Sperrdifferential lässt das Heck erst mit ein wenig Vorarbeit ausbrechen. Dann lässt sich der Driftmodus stundenlang aktivieren. Die Bremsen stammen aus dem Carrera S und haben keine Probleme, das 1.300-Kilo-Reptil schlagartig zu bändigen.Auf dem Rückweg geht es direkt in Richtung Autobahn: Vollgasschübe im Stuttgarter Raum. Einwohner aus der Gegend sollten diesen Witz verstehen. Mehr als 260 km/h wollen mir nicht gelingen. Liebend gerne hätte ich noch eine Rennstrecke anvisiert, doch dafür reichte einfach die Zeit nicht.Nach knapp sieben Stunden und einigen hundert Kilometern ist auch dieser ab 115.000 Euro teure Spaß vorbei. Zerknirscht entreißt mir der Schlüsselwart meine Liebe. Vor mir steht jetzt wieder das Mini Cooper Cabriolet und wartet mit geduldigen 115 PS darauf, von Stuttgart nach Hamburg dirigiert zu werden. Knurr ...

Fazit:

Zwei unterschiedliche Konzepte bringen es auf den Punkt. Der Porsche Cayman S ist zu mehr bestimmt, als nur unter dem Elfer herumzudümpeln. Ich für meinen Teil habe meine Schrotflinte geladen und muss kurz zur Bank meines Vertrauens, um etwas Geld zu erwirtschaften.Teil 1: Porsche Cayman Viagra: TTP Cayman meets TechArt GTsport
powered by www.speedheads.de

KOMMENTARE
Ähnliche Artikel

Porsche Cayman Viagra: TTP Cayman meets TechArt GTsport

Porsche kneift! Wie sonst kann es sein, dass sich der Zuffenhausener Automobilkonzern nicht traut, eine ordentliche Rennsemmel a la GT3 vom Cayman S auf den Markt zu bringen?

TTP Cayman Stufe 2: Der tollwütige Wolf im Schafspelz

Im bayerischen Kolbermoor, direkt an der Grenze zu Österreich, ließ TTP-Chef F. Pietz den Cayman von der Leine. In einer kleinen, unscheinbaren Werkstatt wurde der Cayman TTP geboren.

Neue Sonderlinge von Porsche

Mit den neuen Sondermodellen Cayman S Sport und Boxster S Design Edition 2 setzt Porsche beiden Baureihen die Krone auf.

Porsche Cayman: Mittelmotor-Sportler mit mehr Biss

Der Cayman von Porsche schnappt bald noch bissiger zu. Mit mehr Power aus neuen Motoren und einem Facelift rollt das Einsteigercoupé der Sportwagenschmiede Ende Februar in die Schauräume der deutschen Händler.

Das neue Extrem für Straße und Rennstrecke: Porsche 911 GT3

Der neue Porsche 911 GT3 kommt und präsentiert sich stärker, schneller und präziser als sein Vorgänger.
Ähnliche Videos

Porsche Cayman S

Ist der Cayman ein richtiger Porsche? Der Motorvision-Test der S-Version gibt die Antwort.

Porsche 911 Carrera S Facelift

Evolution statt Revolution - das ist Porsches Motto in der Weiterentwicklung des 911ers. Und auch der 997 ist nach dem Facelift wieder ein Stückchen besser geworden.

Der neue Porsche Boxster

Mehr Leistung, weniger Gewicht, attraktiveres Design: Das sind die Schlagwörter zum neuen Porsche Boxster. Erst im April kommt die dritte Generation des Porsche-Einstiegsmodells auf den Markt, doch Motorvision.de zeigt Euch schon jetzt die ersten Bilder des Mittelmotor-Roadsters. Video von UnitedPictures.TV

Mythos Porsche 911

Die Geschichte des Porsche 911: Von der Premiere auf der IAA 1963 bis zur jüngsten Evolutionsstufe 997.

Porsche Cayman R

Der Porsche Cayman R ist das Topmodell und die absolute Fahrmaschine innerhalb der Cayman-Baureihe. Patrick Simon testet den 330 PS starken Mittelmotor-Sportwagen aus Zuffenhausen.

Porsche Boxster S

Motorvision hat sich den Einstiegs-Porsche für den Tracktest geschnappt. Tim Schrick, übernehmen Sie!
MOTORVISION AUF FACEBOOK
AKTUELLES VIDEO
Ennstal Classic
FACEBOOK EMPFEHLUNGEN