PRO Verbot der Teamorder: Jessica Fischer
Betrug am Zuschauer
Formel 1-Zuschauer, egal ob an der Rennstrecke oder vor dem Fernseher, lieben den Rennsport weil sie spannende Rennen sehen wollen und nicht wie ein Fahrer seinen Teamkollegen vorbeilässt. Schließlich ist es Rennsport und keine gemeinschaftliche Ausfahrt. Beim Motorsport ist es wie bei jeder anderen Sportart auch: der Beste muss gewinnen. Und dieser Sieg soll auf der Strecke verdient und nicht durch Politik entschieden werden. Und wenn bei Saisonende einem Fahrer nur fünf Punkte auf den WM-Titel fehlen, die ihm sein Teamkollege hätte schenken können, dann ist der Titel eben nicht verdient. Ein ehrlich verdienter Sieg kann nie falsch sein. Beim Hockenheim-GP bleibt ein fader Beigeschmack mit der Gewissheit, dass an diesem Tag nicht der Bessere gewonnen hat.Dass dies bei vielen Fans, die auf spannende Rennduelle hoffen, Unmut auslöst, ist nicht weiter verwunderlich.
Die FIA am Zug
Im Vergleich zu anderen Rennserien, wie beispielsweise Moto GP, wird in der Formel 1 der Rennverlauf ohnehin schon vielmehr durch die Leistungsfähigkeit der Fahrzeuge als durch fahrerisches Könnenentschieden. Überholmanöver sieht man vergleichsweise selten. Mit dem Tankverbot bei Boxenstopps versucht die FIA beispielsweise künstlich mehr Spannung in die Rennen hinein zu bringen. Infolge dessen macht es auch Sinn eine Stallorder zu verbieten, die entscheidend in den Rennausgang eingreift. Wieder hat nicht der bessere Fahrer gewonnen. In diesem Fall wurde es nicht durch das Material, sondern durch Politik entschieden. Natürlich darf Artikel 39.1 der FIA Regularien nicht nur auf dem Papier existieren. Die FIA muss klar definieren, wann Stallorder vorliegt und was als Beweis herangeführt werden kann, um diese zu beweisen. Genügt beispielsweise im Fall Massa-Alonso die Gasanzeige der Black Box, aus der eindeutig hervorgeht, dass Massa auf der Geraden vom Gas geht um Alonso vorbeizulassen? Wird eine Stallorder festgestellt, muss dieser auch eine Strafe folgen, die die Rennteams von deren Anordnung abhält. 100.000 Dollar für Ferrari sind bestenfalls eine Formalie.
Fahrer und Team
Formel 1 ist ein Teamsport. Ein Fahrer allein kann ohne sein Team nie Weltmeister werden. Dennoch ist der Fahrer derjenige, der auf der Strecke die Arbeit des Teams in Punkte und mit Glück in einen Weltmeistertitel verwandelt. Im Gedächtnis der Menschen bleiben die Legenden des Rennsports, große Namen wie Juan Manuel Fangio, Jackie Stewart, Jim Clark oder Ayrton Senna. Kaum jemand erinnert sich daran, wer in diesen Jahren Konstrukteursweltmeister war. Auch wenn der Konstrukteurstitel in finanzieller Hinsicht eine Relevanz hat, sollte der sportliche Aspekt im Vordergrund stehen. Wenn das nicht der Fall ist, kann man sich auch einen korrekt nach Drehbuch ablaufenden Auto-Film ansehen. Hier ist Spannung wenigstens garantiert.
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- Motorvisions-Redakteur Thomas Harloff befürwortet die Abschaffung des Teamorder-Verbots in der Formel 1
CONTRA Verbot der Teamorder: Thomas Harloff
Die Formel 1 ist Mannschaftssport. Basta!
In der Formel 1 treten zwölf Teams gegeneinander an. Insofern ist sie ein Mannschaftssport, bei der die beste Mannschaft sogar mit einem Titel belohnt wird und gute Platzierungen in der WM-Tabelle mit Millionen US-Dollar honoriert werden. Welcher Sinn steckt also dahinter, den Teams zu verbieten, ihre eigenen Interessen über die ihrer Fahrer zu stellen? Teamorder sei Manipulation, Betrug am Fan, schlecht für die Show, sagen die Kritiker, für die Ferraris zugegebenermaßen plumpe Aktion ein gefundenes Fressen ist. Übrigens auch für die, die es bereits selbst versucht haben, viel früher in der Saison. Herr Horner, erinnern Sie sich an den Türkei-Grand Prix und Ihre Frontflügel-Entscheidung in Silverstone?
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- Red Bull-Teamchef Christian Horner verurteilt die Ferrari-Stallorder zutiefst, hat sie aber selbst in der Vergangenheit schon angeordnet
Herr Horner, Herr Hamilton: Wie würden Sie entscheiden?
Das eben benutzte Wort „Kritiker“ kann gut und gerne durch „Heuchler“ ersetzt werden. Herr Horner, wie entscheiden Sie in Ihrer Funktion als Red Bull-Teamchef, wenn Sebastian Vettel beim letzten Saisonrennen unbedingt einen Sieg braucht. Dumm nur, dass Vettel direkt hinter seinem Teamkollegen liegt, der zwar das Rennen anführt, aber keine Titelchancen mehr hat. Wie erklären Sie das gegenüber Herrn Mateschitz, wenn Sie nicht eingreifen und die Konkurrenz den Titel holt? Haben Sie dann nächste Saison noch Ihren Job? Herr Hamilton, werden Sie nicht über Funk einen Platztausch fordern, wenn Sie gegen Saisonende im Gegensatz zu Jenson Button um den Titel kämpfen, Sie Ihr Teamkollege aber nicht wehrlos vorbeilässt und sie bei einem waghalsigen Manöver einen Crash riskieren müssen?
FIA: Der selbstgeschaffene Interessenkonflikt
Kaum vorstellbar, dass McLaren abermals einen Titel opfert wie 2007, als sich Alonso und Hamilton teamintern derart bekriegt haben, dass am Ende Kimi Räikkönen den Titel holte. Auch McLaren und Red Bull werden irgendwann auf eine - nämlich die erfolgversprechendere – Karte setzen. Setzen müssen! Ferrari steht nun schon mit dem Rücken zur Wand, greift nach dem letzten Strohhalm und hat diese Entscheidung deshalb zu Recht schon recht früh in der Saison getroffen. Eine Entscheidung übrigens für das Team, nicht für Fernando Alonso. Felipe Massa hat es sich mit seiner mageren ersten Saisonhälfte selbst verbaut. Alonso hat dagegen den Kontakt zur WM-Spitze halten können und in Hockenheim den Lohn dafür geerntet. Deshalb muss Massa, der übrigens in seinem Vize-Weltmeister-Jahr 2008 auch von Zugeständnissen seines Ferrari-Kollegen Kimi Räikkönen profitiert hat, endlich seine Teamfähigkeit unter Beweis stellen. Denn Ferrari wird es wieder tun. Die anderen Teams auch, das ist einfach unvermeidlich. Ob mit Segen der FIA oder nicht, das ist im Zweifelsfall total irrelevant. Deswegen, lieber Motorsport-Weltverband: Tu Dir selbst einen Gefallen und schaffe diese Regel ab. Wenn nicht, dann schaffe die Weltmeisterschaften ab. Anders wird dieser Interessenkonflikt nicht zu lösen sein.

