Bad Düben ist eine offiziell ausgezeichnete „Energiesparstadt“. Hoffentlich wird dieser Titel nicht aberkannt, wenn das sächsische Umweltministerium vom ebendort ansässigen Tuner MTE erfährt. Dessen Golf IV R32 geht mit fossilen Brennstoffen ganz sicher nicht sparsam um. Wie auch, wenn der Motor 740 PS leistet?! (Thomas Harloff , 13.07.2010)
Eine durchaus gewollte Mutation
Bad Düben, ein kleines Örtchen nördlich von Leipzig, liegt zwischen der unberührten Natur derDübener Heide und der ehemaligen Chemie-Hochburg Bitterfeld. In diesem Dunstkreis kann es durchaus zu Mutationen kommen, wobei diese im vorliegenden Fall vollkommen beabsichtigt ist. Dank der Firma „Motoren & Technik East“, kurz MTE, die in eben jenem Bad Düben beheimatet ist, mutiert ein VW Golf zum ultimativen Tarnkappenbomber für die Straße. Und das liegt nicht nur am Camouflage-Design, sondern vor allem an den kaum zu übertreffenden Leistungsdaten. Dieser Vierer-Golf R32 hat Prüfstands-verbriefte 740 PS und 800 Nm zu bieten.
Bi-Turbo und weitere feine Zutaten
Damit verdreifacht er die Serienleistung des ursprünglich 237 PS starken VR6-Triebwerks mal eben. Das geht natürlich nur mit Zwangsbeatmung, am besten mit doppelter. Die beiden Garrett-Turbolader setzen den Sechszylinder mächtig unter Feuer und blasen mit einem Ladedruck von 1,6 bar in die Brennräume. Doch damit nicht genug des Motor-Tunings: Die Turbo-Ansaugbrücke fertigt MTE selbst, Einspritzdüsen und Luftmassenmesser kommen in größeren Varianten zum Einsatz. Hinzu kommen ein Ladeluftkühler, die Wasser-Methanol-Einspritzung, Schmiedekolben und neue Pleuel. Ein geändertes Motormanagement stimmt alle Komponenten ab und sorgt letztlich dafür, dass auch wirklich das volle Drehmoment an den vier Antriebsrädern ankommt.
Kraftübertragung – ein heikler Job
Ein heikles Thema bei solchen Leistungsdaten: die Kraftübertragung. Diesen Job übernimmt im MTE Golf IV R32 eine Zweischeiben-Kupplung von Sachs Racing, die für ein maximales Drehmoment von 1.250 Nm ausgelegt ist. An den hauseigenen Abgaskrümmer schließt eine rückstaufreie Edelstahl-Abgasanlage an, für die MTE eigens die Bodengruppe geändert hat. Auch bei der Bremsanlage überlassen die Sachsen nichts dem Zufall: Diese arbeitet an der Vorderachse mit 360-Millimeter-Scheiben und Sechs-Kolben-Sätteln aus dem Hause Brembo. Kompetente Hilfe von außerhalb ist auch beim Fahrwerk angesagt: KW liefert ein Gewindefahrwerk der Variante 3 in Cupsportabstimmung.In Sachen Räderwerk setzt MTE auf den Klassiker: Das Turborad von RH setzt der Tuner ringsum in der Größe 8,5 x 18 Zoll ein, Semislicks im 225/40er Format liefern den angesichts der Leistungsdaten dringend benötigten Grip.
Superschnell auf der Viertelmeile
Und das funktioniert offensichtlich ganz gut. Die Achtelmeile hat der MTE Golf IV R32 schon in 6,8 Sekunden absolviert. Auch die Viertelmeile-Zeit von 11,5 Sekunden fällt unter die Kategorie „superschnell“. Gleiches gilt für den Topspeed: 311 km/h, und das in einem Golf – Porsche- und Ferrari-Fahrer, Ihr solltet Euch auf der Autobahn von nun an auch vor Gölfen in Acht nehmen!
Welches Loch der 740 PS-Umbau in den Geldbeutel der MTE-Kundschaft reißen wird, weiß Firmenchef Stephan Wiede selbst noch nicht. Wer seinen Wolfsburger zum veritablen Porsche- und Ferrari-Schreck mutieren lassen möchte, wird jedoch zwischen 20.000 und 30.000 Euro ausgeben müssen.
GTI. Dieses Kürzel steht seit 1976 für den stärksten VW Golf. Der erste war eine Sensation, hatte 110 PS und brachte bloß 870 Kilogramm auf die Waage. Genügend Argumente, um viele stärkere Limousinen und auch Sportwagen zu ärgern.
Statt GTI heißt es jetzt R32. Dieser stärkste Golf aller Zeiten leistet 241 PS und läuft fast 250. Ein Sportwagen im Golfspelz! Und der...