Sommerreifentest weckt Zweifel an EU-Label

Überraschende Erkenntnis: Die von der Europäischen Union (EU) ab 2012 vorgesehene Kennzeichnungspflicht für Autoreifen kann in punkto Verkehrssicherheit bei weitem nicht alle an sie gestellten Anforderungen einlösen. (Florian Bauer , 11.03.2010)

Neues Label mit geringer Aussagekraft

Die Europäische Union beschert die Endverbraucher ab 2012 mit einem neuen Label. Ähnlich wie bei Kühlschränken oder Waschmaschinen sollen diese Aufkleber Auskunft über Energieeffizienz und Umweltverträglichkeit der Pneus geben. Der Käufer wird über Abrollgeräusch, Nassrutschfestigkeit und Rollwiderstand informiert. Wichtige sicherheitsrelevante Reifeneigenschaften wie Aquaplaning bleiben jedoch unberücksichtigt. Zu diesem Schluss kommen der ACE und die GTÜ nach einem gemeinsamen Test von zwölf handelsüblichen Sommerreifen. Erstmals wurden dabei die Gebrauchskriterien des EU-Labels berücksichtigt. ACE und GTÜ bewerteten das europäische Zertifikat als unzureichend.

Billigreifen nicht empfehlenswert

​ACE und GTÜ testeten erstmals unter dieser Voraussetzung Sommerreifen der gängigen Größe 205/55 R 16 und nahmen die Einstufung nach dem neuen Label schon mal vorweg. Als klarer Testsieger ging der Continental Premium Contact 2 durchs Ziel, ein ausgewogener Reifen mit Bestnote auf nasser Fahrbahn und relativ geringem Verschleiß. Das Prädikat „sehr empfehlenswert“ vergaben die ACE/GTÜ-Tester an die Reifen Bridgestone Turanza ER 300, Michelin Primacy HP, Dunlop SP Fastresponse und Uniroyal Rain Expert. Nur wenig nach stehen diesen Pneus mit der Note „empfehlenswert“ die Modelle Goodyear Optigrip, Fulda Carat Progresso und Vredestein Sportrac 3. Die Billigreifen im Test waren ihr Geld nicht wert und zudem gar gefährlich. So landeten „Billigheimer“ aus Fernost wie Wanli und Debica wegen sicherheitsrelevanter Schwächen im Bereich „nicht empfehlenswert“.

Durchweg hoher Rollwiderstand

Bei der neuen Label-Kennzeichnung durch die Reifenindustrie werden sieben „Noten“ vergeben. Ein „A“ für die beste bis „G“ für die schlechteste Leistung in jeder Disziplin. Bei der Messung des Rollwiderstandes erweist sich die EU-Einstufung jedoch als wenig Ziel führend. Wer würde noch eine Waschmaschine kaufen, die im Energieverbrauch mit „E“ gekennzeichnet ist? Beim aktuellen Sommerreifentest bleibt dem Kunden aber kaum etwas anderes übrig, denn im ACE/GTÜ-Test konnte nur die Kennzeichnung „E“ als beste Einstufung vergeben werden.

Katastrophales Ergebnis für Wanli

Beim Nassgrip sieht es dagegen etwas besser aus. Zumindest ein „A“ ist beim Testsieger Continental Premium Contact 2 zu finden. Erschreckend hingegen das Billigprodukt aus China, der Wanli mit der schlechten Note „E“. Dort, wo die besten Pneus nach einer Vollbremsung aus 100 km/h bereits zum Stehen kommen, rauscht das Billigprodukt mit mehr als 50 km/h vorbei. Ein Auffahrunfall mit schwersten Verletzungen für die Insassen wäre die Folge.

Aquaplaning nicht Teil des EU-Labels

Wenig hilfreich zeigt sich das Label auch beim Abrollgeräusch. Leisester Reifen im Test ist zwar der Champiro von GT Radial; der gehört jedoch zu den unsichersten bei Nässe. Über das wichtige Kapitel Aquaplaning geht das EU-Labeling galant hinweg. Der Unterschied zwischen dem Billigreifen Wanli, der schon bei 65,9 km/h zum Schwimmer wird, und dem Goodyear, der noch mit 86,8 km/h die Spur hält, ist von großer Sicherheitsrelevanz.

EU-Label optimieren

Fazit: Das neue Reifenlabel beschreibt die Gebrauchseigenschaften von Reifen nur ungenügend. Wichtige Kriterien in Punkto Sicherheit fehlen völlig. Eine gezielte Kaufentscheidung ist danach kaum möglich. Genaue Informationen für den Käufer bieten nur ausführliche Reifentests, wie sie von ACE und GTÜ gemeinsam durchgeführt werden. Beide Organisationen wollen sich dafür stark machen, dass das EU-Label optimiert wird.

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