Vorfreude auf Niedersachsen
Seltsamerweise beginnen Tage voll von freudiger Erwartung manchmal in Niedersachsen. In Benstorf, um genau zu sein, dem Hauptquartier der mittlerweile 20 Jahre jungen Tuning-Kapazität SKN. Bevor es losgeht, erklärt Ralf Nissel, Geschäftsführer und Mastermind der PS-Schmiede, voller Emotion die Optimierungen an den beiden bayerischen Vollblut-Sportlern und prophezeit uns selbstbewusst fahrdynamische Hochgenüsse.
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- Mit seinem gewaltigen Drehmoment von 569 Nm ist der SKN-Roadster in jeder Lage ein echter Dampfhammer und auf der Autobahn für die ein- oder andere Überraschung gut. Der Spurt von 0-100 dauert knapp 4,5 Sekunden, nach 17 Sekunden liegen 200 Sachen an. Gute 300 km/h Topspeed sind ebenfalls ein Wort. Mit der von SKN optional angebotenen längeren Hinterachs-Übersetzung schafft der Zetti sogar 310. Foto by Peter Wagner
Münchner Elastizitätswunder
Na dann mal rein ins Vergnügen, zuerst im Z4 35i RS Turbo – so die etwas sperrige Bezeichnung - und schauen, ob der Mann Wort halten kann. In dem weißen Klappdach-Roadster mit der auffälligen Folierung gibt der schon ab Werk formidable Dreiliter-Reihensechser mit doppelter Aufladung den Takt vor. Wir nehmen die aktuell stärkste SKN-Version mit nach München, die per Software-Optimierung Stufe 3, einem K&N-Sportluftfilter und einer Milltek Performance-Abgasanlage mal eben 401 PS und 569 Nm Drehmoment aus dem Ärmel schüttelt (Serie: 306 PS und 400 Nm). Schon auf den ersten Metern A7 wird klar, dass SKN mit seinem Z4 ein wahres Autobahn-Monster erschaffen hat. Die gut unter fünf Sekunden für den Spurt auf 100 interessieren hier nur am Rande, die 17 Sekunden auf 200 schon eher. Viel wichtiger aber: Bereits unter 2.000 Touren steht der Großteil des massiven Drehmoment-Brockens herrlich nutzbar zur Verfügung,das selbstgesteckte Ziel einer harmonischen Leistungsabgabe wird bis in die Drehzahl-Peaks von 6.500 bis 7.000 Umdrehungen bestens erfüllt. Die Vehemenz, mit der sich der Zetti jenseits der 250 km/h-Marke bewegt, ist schier beeindruckend. Witzigerweise quittiert der Serien-Tacho bei 280 km/h den Dienst, weit bevor dem SKN-Schützling die Vollgas-Lust vergeht. Knapp 300 Sachen notieren wir am Ende des Tages ins Testbüchlein, mit der optionalen längeren Übersetzung an der Hinterachse sind sogar 310 km/h drin.
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- Im von SKN-Geschäftsführer Ralf Nissel persönlich programmierten Individual-Modus öffnen sich alle vier Klappen der Milltek-Anlage und soundtechnisch brechen sämtliche Dämme. Besonders stolz ist man bei SKN auf die abgasseitige Stoßentladung im Zentralrohr, die schon im unteren Drehzahlbereich für spürbar mehr Drehmoment sorgt. Foto by Peter Wagner
Ingolstädter Klang-Gewitter
Wie schnell der Z4 tatsächlich unterwegs ist, erfahren wir durch den Digital-Tacho des hinterher eilenden Audi RS5, der sich vorher ebenfalls einer tiefgreifenden SKN-Sonderbehandlung erfreuen durfte. Hier kommt Power-Stufe 2 zum Einsatz, die Elektronik-Tuning, einen Sportluftfilter und ebenfalls einen Milltek-Abgasschnorchel, allerdings mit Klappensteuerung, beinhaltet. 500 PS hat das Bayern-Coupé nun zu bieten, stellt zudem 468 Nm bereit - im Vergleich zur Serie ein Anstieg von 50 PS und 38 Nm. Summa summarum sind das 100 Pferdchen mehr, dafür ebenso viele Newtonmeter weniger als beim SKN Z4. Das komplett gegensätzliche Motorenkonzept ist dafür verantwortlich, dass der Audi auf der Bahn bestenfalls Schritt halten, nicht aber davoneilen kann. Okay, auch der Audi knackt die 300 km/h-Marke und schnellt in gut vier Sekunden von Null auf Hundert, wenn der Pilot alles gibt. Doch wer mit dem Bimmer mithalten will, muss darauf achten, dass sich die Drehzahlmesser-Nadel möglichst nah bei 6.700 Touren bewegt. Denn genau da ist der V8-Sauger auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft angelangt, kitzelt die optimierte Elektronik wirklich alles aus dem Triebwerk heraus. Mag der BMW seine schiere Kraft auch spektakulärer bereitstellen als der Audi, so hat dieser akustisch deutlich mehr zu bieten. Wenn der Achtzylinder dem Drehzahlgipfel entgegen jubelt, brüllt er die pure Lust nur so aus den je zwei von einer elliptischen Blende versteckten Doppel-Endrohren heraus. Ungehindert von den bei ziviler Gangart geschlossenen Klappen entfacht der SKN RS5 ein Soundgewitter, das die Tornado-Jäger aus „Twister“ auf den Plan rufen würde. Fast überflüssig zu erwähnen, dass diese Tour Richtung Münchner Heimat die eingangs geschilderte freudige Erwartung nicht nur bestätigt, sondern sogar getoppt hat.
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- Auf der Rennstrecke zeigt sich eine konstruktionsbedingte Schwäche des Z4: Aufgrund von zu viel Grip auf der Hinterachse untersteuert er stark. SKN behält dies bewusst bei, setzt auf ein stabiles, ruhiges Fahrverhalten ohne Tücken. Foto by Peter Wagner
Wie eine zweite Haut
Mindestens so vortrefflich wie die Autobahn-Pace des fast schon barock gezeichneten Münchners sind Stabilität und Unaufgeregtheit, die das feinfühlig abgestimmte Fahrwerk vermittelt. Ein wiedermal geniales Bilstein B16-Gewindefahrwerk sorgt in Verbindung mit den aufgezogenen Conti Sport Contact 5P und etwas mehr Sturz - vor allem an der Hinterachse – für klösterliche Ruhe im Fahrverhalten und gerade die dicken 265er Schlappen hinten (vorne 235er) geben dem Z4-Heck einen immensen Grip. So weit so gut. Was jedoch in schnellen Autobahnkurven oder der beherzten Hatz über die Landstraße hervorragend funktioniert, erweist sich bei einem spontanen Ausritt auf der kleinen Garchinger Rennstrecke dann eher als kontraproduktiv. Der Zetti-Hintern hat einfach zu viel Haftung und kommt später als die Deutsche Bahn beim ersten Schnee. Die Folge: Heftiges Untersteuern – ein Phänomen, welches alle aktuellen Z4 mit sich herumschleppen. Also lieber nochmal eine schnelle Runde Überland. Nicht nur wegen des knapp geschnittenen Innenraums sitzt der SKN Z4 35i RS Turbo hier wie eine zweite Haut, nimmt dich völlig für sich ein. Die Lenkung arbeitet schön direkt, vermittelt sehr viel Kontrolle. Das knackig kurze 6-Gang-Schaltgetriebe verleitet zu mehr Schaltarbeit, als aufgrund des brachialen Drehmoments eigentlich nötig wäre und auch wenn der Sound der Milltek Edelstahl-Abgasanlage schon konstruktionsbedingt (zwei Zylinder weniger) nicht mit dem markerschütternden Bollern im RS5 mithalten kann, so durchfährt den Roadster-Piloten doch ein rotzig-schmutzig, ganz und gar unanständiges Vibrato, das einfach nur Lust macht…Lust, die 401 Pferde freizulassen. Immer wieder.
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- Auf der Rennstrecke offenbart der SKN RS5 unerwartete Racer-Qualitäten. Dank des Bilstein Gewindefahrwerks, optimierten Sturzwerten und der gewaltigen 285er Pirellis mit Maserati-Mischung zeigt er ein unerhörtes Gripniveau, beißt sich förmlich in der Kurve fest. Foto by Peter Wagner
Unerwartete Racer-Qualitäten
Lust macht auch der Audi – und zwar auf die oben erwähnte Rennbahn in Garching. Hier offenbart das gedopte Coupé so nicht erwartete Racer-Qualitäten. Wir aktivieren den vom Chef höchstpersönlich programmierten Individual-Modus im MMI, der auf Knopfdruck Lenkung, ESP, Sport-Differential und Konsorten auf besonders spaßig trimmt und zudem die Klappen im Auspuff öffnet. Okay, beim Einlenken am Kurveneingang merkt man dem Audi sein üppiges Leergewicht von gut 1.800 Kilogramm schon an. Aber befindet er sich erst einmal auf der Ideallinie, verlässt er sie nicht mehr. Wie viel Traktion der Audi bietet, ist schlichtweg beeindruckend. Hier macht sich der Feinschliff, den SKN am RS5-Fahrwerk betrieben hat, positiv bemerkbar. Jenes Bilstein-Fahrwerk, das schon im Z4 überzeugt, trägt auch im Audi zum exzellenten Fahrverhalten bei. Dazu die Detailarbeit am Radsturz, die Spurverbreiterungen an beiden Achsen und auch das Sport-Differential aus Audis Aufpreisliste. Alle Komponenten sorgen im Zusammenspiel für Gripverhältnisse, als würde Pattex auf den 285er Reifen kleben. Apropos: Die beim Testwagen aufgezogenen Pirelli P Zeros verfügen über eine eigens für Maserati entwickelte Gummimischung - laut SKN die beste Mischung, die die Italiener zu bieten haben. So kitzeln die Pneus die letzten Traktions-Reserven aus dem Audi heraus, sodass man gar nicht mehr runter will vom Test Track. Einfach imposant, wie lässig man in diesem Auto am Limit fahren kann. Respekt, so ein großes Sportlerherz hätten wir dem RS5 nicht zugetraut.
Schwächen? Schwierig!
Insgesamt, so kann das Fazit nach zwei äußerst sportlichen Wochen definitiv ausfallen, haben die Jungs von SKN mit ihrer Idealvorstellung von Z4 und RS5 zwei faszinierende, wenn auch naturgemäß völlig unterschiedliche Fahrzeugkonzepte auf die dicken Räder gestellt. Der Z4 35i RS Turbo begeistert mit Dampf in jeder Lage, einem sehr souveränen und stabilen Fahrverhalten und absolut akzeptablen Verbräuchen je nach Gangart irgendwo zwischen neun und 13,5 Litern. Der RS5 fasziniert mit seinem wunderbaren Hochdrehzahl-V8. Er will zwar immer bei Laune gehalten werden, belohnt aber gerade „obenrum“ mit unglaublich gierigem Biss. Die Traktion des Allradlers ist schlicht phänomenal und der Sound mit offenen Klappen zählt ohne Übertreibung zum Besten, was wir je gehört haben. Mit über 15 Litern an der Zapfsäule muss aber bei aller Lobhudelei gerechnet werden.
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- Bilstein, BBS, Sportauspuffanlage: Klassischer und optisch stimmiger kann man kaum tunen. Die SKN-Boliden fallen auf, aber nicht unangenehm. Generell gilt: Beide Autos sind im Alltag absolut problemlos zu bewegen. Foto by Peter Wagner
Beide Boliden sind bei aller Sportlichkeit in Sachen Komfort der Serie mindestens ebenbürtig (jeweils ein Verdienst des Bilstein-Gewindefahrwerks) und im Alltag völlig beschwerdefrei zu bewegen. Auch preislich bewegt sich SKN durchaus im Rahmen: Für die Leistungssteigerung des Z4 inkl. Auspuffanlage und Luftfilter werden 3.988 Euro fällig. Die 500 PS im RS5 schlagen mit 4.958 Euro zu Buche (inkl. Auspuffanlage mit Klappensteuerung für 2.990 Euro und Luftfilter für 2x89 Euro). Kritikpunkte? Schwierig! Zu komplett ist die Performance der bayerisch-niedersächsischen Sportgemeinschaft. Chapeau SKN…immer wieder gerne.
Die Fotos entstanden auf der Kartbahn von AK Racing in Garching: www.ak-racing.de

