Motorsport-Maniacs mit Xbox 360 im Digital Living Room bekommen Zuwachs in der Simulations-Abteilung. RacePro heisst der neue Rückspiegel-Drängler vom Dienst. (Florian Maier , 01.01.2009)
Der Motorsport-Schützling aus dem traditionsreichen Atari-Rennstall wurde von den SimBin Studios entwickelt. Die schwedische Softwareschmiede hat in der Vergangenheit bereits mit den PC-Simulationen „GTR“ und „Race – The WTCC Game“ für Aufsehen gesorgt. Der Blick auf die Spielverpackung verstärkt die Erwartungshaltung: „350 ultra realistic car models“, „extensive multiplayer features“. Aston-Schwingen, Audi-Ringe und Gumpert-Greif-Löwen-Hybrid geben neben vielen anderen Logos und Emblemen weiteren Aufschluss darüber, dass hier keine finanziellen Mühen gescheut wurden.
Am Anfang steht der Hubraumzwerg
Ist die Disc im Laufwerk, erwartet den Spieler nach einer kurzen Orientierungsphase der Karriere-Modus. Hier gilt es, 33 Verträge zu erfüllen, die aus jeweils drei Rennen bestehen. Für den Sieg gibt es keinen Schampus, sondern virtuelles Kleingeld und Autos. Insgesamt 48 an der Zahl. Die skrupellose Zahl von 350 kommt zustande, indem jede Lackierung als eigenständiges Modell gezählt wird.Hat man sich seinen Weg durch den abwechslungsreichen, aber zum Ende hin teils langwierigen Karriere-Modus gebahnt, sind die gewonnen Wagen für den Meisterschafts-Modus mehr als nützlich. Dieser wurde spielerisch durch Anhebung der fahrtaktischen Intelligenz der Widersacher eine ganze Ecke anspruchsvoller gestaltet. Der Schwierigkeitsgrad ist in drei Stufen individuell anpassbar und legt fest, ob das Fahrzeug auf Elektronik-Gehilfen zurückgreift. Fährt man im Profi-Modus, gehören sie alle wie die – leider nicht optimal geratene – Ideallinie dem Teufel. Dann wartet aber auch nach jedem noch so kleinen Fahrfehler wahlweise die Kiesbett- oder Leitplankenhölle auf den Piloten. Eine echte Simulation eben! Neben Karriere und Meisterschaft, gibt es auch noch die Optionen Zeitangriff, offenes Training und Einzelrennen.
Geteilte Optik trifft Killer-Sound
Was die Soundkulisse angeht, muss man den Entwicklern ein Lob aussprechen: Authentischer sind Motoren, Getriebe und Rest-Peripherie von Rennwagen auf dem weißen Riesen aus Redmond noch nicht erklungen. Das realistische Bollern, Krachen, Brüllen und Fauchen treibt Benzinblütigen die Freude in die Augen. Die Unebenheiten der Fahrbahn werden über Vibration an das Eingabegerät weitergeleitet, was für eine gelungene, puristische Renn-Atmosphäre sorgt.Leider gibt die Präsentation Anlass zur Kritik: Die Menüs wirken etwas trist, es gibt keine Siegertreppchen oder beispielsweise Videosequenzen. Das größte Manko des Titels ist der Spielgrafik immanent: In der Verfolger-Perspektive tritt zeitweise unschönes Bildflackern auf. Das Problem kann aber beispielsweise durch das Umschalten in die Cockpit-Perspektive deutlich abgeschwächt werden. Diese ist der Konkurrenz in Sachen Optik, Detailreichtum und Fahrbarkeit voraus. Auch die Wagen sind sehr detailreich gestaltet und warten mit beeindruckenden Umgebungs-Spiegelungen auf. Auch die Verformungen nach einem Crash sind – nach der Fixierung via Patch – optisch gelungen dargestellt, die Sounduntermalung von Unfällen wurde inzwischen ebenfalls mit zufriedenstellendem Ergebnis überarbeitet. Feintuning-Füchse freuen sich über tiefgehende Tüftelmöglichkeiten, von Dämpfungscharakteristik bis zur Getriebeübersetzung ist alles justierbar.Die implementierten Strecken gleichen ihren Vorbildern bis auf den letzten verschlissenen Curb. Die Kulissen dürften hier sämtliche Geschmäcker bedienen. Ob Stadtkurse a la Pau, Macau und Porto, Traditionsstrecken wie Brands Hatch, Laguna Seca oder das altehrwürdige Autodromo Nazionale di Monza. Es ist für Jeden etwas dabei. Das gleiche gilt für die Fahrzeugauswahl: Geraden-affine Caterhams, brettharte WTCC-3er und Formel 3000-Boliden sind ebenso im Furhpark enthalten wie Aston Martin DBRS9, Audi R8, Saleen S7R und Mini-Cooper.
Smart Repair
Die Multiplayer-Spielmodi in RacePro sind wie versprochen zahlreich: bei LAN-Renn-Partys können bis zu zwölf Xbox 360 Konsolen miteinander verbunden werden. Wer nur eine Konsole sein Eigen nennt, geht aber nicht leer aus. Im innovativen Hot-Seat-Modus treten zwei Spieler in einem oder zwei Fahrzeugen gegeneinander an. Dabei wechselt das Eingabegerät in bestimmten Zeitabständen die gierigen Zockerhände. Eine Praxis, die verwirrungsgeschwängerte Rennspaßorgien garantiert. Atari und SimBin liefern mit RacePro eine gute Rennsimulation ab, die einige kleinere Schönheitsfehler mit sich herumträgt. Racing-Sim-Begeisterte werden mit dem exklusiv für die Xbox 360 erhältlichen Game trotzdem ihren Spaß haben. Start your engines!