Klassiker: Plymouth Barracuda

Shake it, Baby!

Dieser Raubfisch hat Zähne: Der Plymouth Barracuda war der potente Bruder des berühmten Dodge Challenger. Bei Sammlern steht das seltene Muscle Car hoch im Kurs, und Sonnyboy Don Johnson setzte dem Auto ein Denkmal. ( , 13.09.2010)

Der König aller Muscle Cars

Es ist heiß in Detroit, die Sonne brennt auf den Asphalt, und Steve Meehan startet seinen 1973er Plymouth Barracuda. Der bullige V8-Motor lässt das giftgrüne Coupé erzittern, und mit einem satten Brabbeln rollt der Barracuda auf die Woodward Avenue. Auf dieser berühmten Straße zeigte man schon in der Blütezeit der amerikanischen Muscle Cars gern, was man hatte: Mehr Hubraum, mehr Power, mehr verbranntes Gummi auf dem Asphalt. „Für mich bleibt der Barracuda der König aller Muscle Cars“, sagt Steve.

Plymouth Barracuda
Während der Dodge 1970 als völlig neues Modell auf den Markt kam, gab es den Modellnamen Barracuda bereits seit 1964.

Chrysler E-Body

Auf den ersten Blick wirkt der Plymouth wie eine Kopie des bekannteren Dodge Challenger, und das ist auch kein Wunder: Beide Autos teilten sich die sogenannte E-Body-Plattform des Chrysler-Konzerns, zu dem einst neben Dodge auch die im Jahr 2001 eingestellte Marke Plymouth gehörte. Die beiden Autos hatten aber unterschiedliche Radstände und trotz der ähnlichen Optik kein einziges Karosserieteil gemeinsam. Das Erkennungsmerkmal des Barracuda waren – mit Ausnahme des Modelljahres 1971 – die einfachen Scheinwerfer. Der Challenger hatte stets Doppelscheinwerfer.

Plymouth Barracuda
Die beiden Autos hatten aber unterschiedliche Radstände und trotz der ähnlichen Optik kein einziges Karosserieteil gemeinsam.

Anfangs schleppender Verkauf

Während der Dodge 1970 als völlig neues Modell auf den Markt kam, gab es den Modellnamen Barracuda bereits seit 1964. Der Wagen begann als etwas unbeholfene Coupé-Version des Plymouth Valiant und hatte eine riesige Heckscheibe. Das eher altbackene Styling des Autos kam beim Publikum nicht an. Während Ford Mustang und Chevrolet Camaro weiter reißenden Absatz fanden, verkaufte sich der Barracuda bis 1969 nur schleppend.

Plymouth Barracuda
Die Basismodelle des Barracuda waren mit eher zahmen Sechszylindermotoren und kleineren V8-Aggregaten zu haben, und die meisten Kunden bestellten ihre Autos auch so.

Get Hot!

Die neue Generation des Wagens, deren Entwicklung schon 1967 begann, musste deshalb optisch einschlagen wie eine Bombe. „Get hot!“ gab Plymouths Designchef Elwood Engel seinen Leuten am Reißbrett mit auf den Weg. Das Ergebnis enttäuschte nicht: Gegen den Cuda sahen Ford Mustang, Chevrolet Camaro oder Pontiac Firebird ziemlich alt aus. Mit ellenlanger Motorhaube und kurzem Heck flossen die Formen des Wagens harmonisch von Stoßstange zu Stoßstange, durch versenkte Türgriffe und Scheibenwischer vermieden die Designer jeden störenden Einfluss auf den aerodynamischen Gesamteindruck.

Plymouth Barracuda
Die Hochleistungsmodelle bekamen das Kürzel „Cuda“ und waren oft in psychedelische Farben getaucht wie „Sassy Sass Green“, „Jamaica Blue“, „Moulin Rouge“ oder „Vitamin C Orange“.

Topmodell Cuda

Die Basismodelle des Barracuda waren mit eher zahmen Sechszylindermotoren und kleineren V8-Aggregaten zu haben, und die meisten Kunden bestellten ihre Autos auch so. Faszinierender jedoch – und heute bei Sammlern natürlich viel begehrenswerter – waren die Hochleistungsversionen. Im Lastenheft des Autos war vermerkt, dass sämtliche Motoren des Chrysler-Konzerns Platz finden sollten. Das erlaubte Aggregate mit bis zu 7,2 Litern Hubraum. Die Hochleistungsmodelle bekamen das Kürzel „Cuda“ und waren oft in psychedelische Farben getaucht wie „Sassy Sass Green“, „Jamaica Blue“, „Moulin Rouge“ oder „Vitamin C Orange“. In der Optionsliste stand sogar das so genannte Mod Top, ein Vinyldach mit Blümchenmuster. Basismotor des Cuda war ein V8-Motor mit 6,3 Litern Hubraum (383 Cubic Inches), der 335 PS auf die Kurbelwelle stemmte. Die stärksten Aggregate waren der Hemi mit 425 PS und der 440 mit 7,2 Litern Hubraum und 375 PS. Für einen Aufpreis von 250 Dollar gab es noch drei Doppelvergaser obendrauf, die die Leistung auf 390 PS pushten.

Plymouth Barracuda
Unter einer Öffnung in der Motorhaube des originalen Cuda 440 von 1970 lugt der „Shaker“ hervor, der mit dem Luftfilter verbunden ist. Der mattschwarze Lufteinlass schüttelt sich wie ein Cocktail-Mixer und versetzt Wagen und Insassen in wohlige Vibrationen. Gegen dieses Macho-Gimmick war jeder Spoiler und Rallyestreifen der Konkurrenz machtlos.

Macho-Gimmick Shaker

Genau dieses Kraftpaket bollert auch im Cuda von Bill DeBlois vor sich hin. Bill arbeitet bei Legendary Motorcar, einem der bekanntesten Händler und Restaurationsbetriebe Nordamerikas in Halton Hills, Kanada. Unter einer Öffnung in der Motorhaube des originalen Cuda 440 von 1970 lugt der „Shaker“ hervor, der mit dem Luftfilter verbunden ist. Bill DeBlois spielt im Stand sanft mit dem Gaspedal, und die „Shaker Hood“ macht ihrem Namen alle Ehre: Der mattschwarze Lufteinlass schüttelt sich wie ein Cocktail-Mixer und versetzt Wagen und Insassen in wohlige Vibrationen. Gegen dieses Macho-Gimmick war jeder Spoiler und Rallyestreifen der Konkurrenz machtlos.

Plymouth Barracuda
Im Innenraum glänzt weißes Leder auf Sportsitzen.

Begehrte Sammlerobjekte

Der wohl bekannteste Plymouth Cuda war übrigens ein 71er Modell. Sonnyboy Don Johnson fuhr das gelbe Cabriolet in der TV-Krimiserie „Nash Bridges“. Bis 1974 wurde der Barracuda gebaut, die Modelle der Jahre 1970 und 1971 sind heute aber die begehrenswertesten – schon allein deshalb, weil durch neue gesetzliche Bestimmungen die Motorleistung nach 1971 erheblich reduziert wurde. „Die Preise für einen originalen Cuda von 1970 können 400.000 US-Dollar erreichen, vor allem wenn es sich um ein Cabrio handelt“, sagt Musclecar-Experte Bill DeBlois. Vor einigen Jahren gab es eine regelrechte Blase auf dem Markt, in der die Preise der PS-starken Chrysler-Klassiker in schwindelerregende Höhen stiegen. Mittlerweile ist die Blase geplatzt und die Preise sind etwas gefallen, doch Cuda und Challenger gehören immer noch zu den teuersten Sammlerobjekten der Muscle Car-Szene. Der gelbe Cuda 440 zum Beispiel, der im Showroom von Legendary Motorcar steht, kostet umgerechnet 55.000 Euro. Wenn also die glorreiche Zeit von Detroits PS-Monstern auch längst vorbei ist – als Wertanlage zeigen Barracuda und Co. auch weiterhin ihre Zähne.

BEWERTE DIESEN ARTIKEL
rating_image rating_1 rating_2 rating_3 rating_4 rating_5
KOMMENTARE
Ähnliche Artikel

Muscle Cars

Voting: Das ultimative Muscle Car

Aggressives Design, satte Hemi-Power und tiefes V8-Blubbern: wenn ihr ebenfalls an der Muscle-Mania erkrankt seid, stimmt in unserem Voting ab und wählt das ultimativste Muscle Car aller Zeiten!

Retro-Muscle Cars im Vergleich

Wertungsprüfung Camaro SS vs. Challenger 392 SRT8 & Mustang GT: Detroit Lions

Chevrolet Camaro SS, Dodge Challenger 392 SRT8 und Ford Mustang GT sind sowas von inkompatibel mit mitteleuropäischen Autogewohnheiten, dass es für uns eine Selbstverständlichkeit ist, die Retro-Muscle Cars in der aktuellen Wertungsprüfung unter die Lupe zu nehmen.

Chevrolet Camaro Red Flash

Potz Blitz: Chevrolet Camaro Red Flash

Chevrolet hat auf der SEMA-Messe mit einer ganzen Armada schicker Showcars geglänzt. Doch einer hat selbst aus dieser PS-Parade herausgestochen. Sein Name: Camaro Red Flash – und der ist bei diesem Muscle Car definitiv Programm.

Chevrolet Camaro FireBreather

Feuerspeiend nach Hollywood: Chevrolet Camaro FireBreather

Mit seinen Hollywood-Auftritten hat sich der Pontiac Firebird Trans Am zum Kultauto gemausert. Jetzt knüpft der FireBreather an diese Tradition an. In Ermangelung eines Trans Am-Nachfolgers muss jedoch ein Chevrolet Camaro als Basisfahrzeug herhalten.

Dodge Challenger: Hauseigenes Beschleunigungs-Paket

Dodge macht ernst: Mit dem neuen Challenger will man nicht nur die Herzen eingefleischter Muscle Car-Fans im Sturm erobern, sondern auch im Motorsport mitmischen. Die entsprechenden Autos hat Haustuner „Mopar“ jetzt vorgestellt.
Ähnliche Videos

Dragster Plymouth Roadrunner

Dieses brutale Muscle Car ist für die Viertelmeile geboren. Motorvision stellt den Plymouth Roadrunner vor.

Dodge Charger

Der Dodge Charger war DAS Muscle Car der späten 60er. Motorvision stellt den dicken Ami vor.

Was hier so gemütlich und unschuldig vom Parkplatz rollt, ist eines der schärfsten Muscle-Cars der sechziger Jahre. Der Dodge Charger ist das typische Kind einer Ära, in der sportliche US-Autos vor allem eines haben mussten: Einen dicken V8 mit viel Hubraum und noch mehr PS. Nur so waren bei den damals populären Stock-Car Rennen...

Irmscher Chevrolet Camaro i42

Ein Macho auf vier Rädern: Irmscher verwandelt das Retro-Muscle Car Chevrolet Camaro in einen wahren Muskelprotz. Motorvision hat den i42 getestet.

Plymouth Belvedere

Im Film "Christine" ist dieser US-Straßenkreuzer zum Kult geworden. Motorvision stellt den knallroten Hollywood-Star vor.

IAA 2011: 100 Jahre Chevrolet

Chevrolet feiert auf der IAA 100. Geburtstag mit drei Europapremieren.

Ford Mustang

Ford Mustang - eine amerikanische Autolegende. Motorvision hat einen Mustang-Fan getroffen, der uns seine Schätze vorstellt.
MOTORVISION MAGAZIN
MOTORVISION AUF FACEBOOK
AKTUELLES VIDEO
Dirt Showdown Launch Trailer
FACEBOOK EMPFEHLUNGEN
BILDERGALERIEN