Gassner Evo-Wintertraining

Schneewalzer mit 380 PS: Evo-Wintertraining von Gassner Motorsport

Hermann Gaßner ist viermaliger deutscher Rallyemeister und absoluter Mitsubishi Evo-Spezialist. In seiner Freizeit bringt er Drift-Novizen das gepflegte Quertreiben bei. Die Motorvision.de-Redakteure haben sich selbst ans Steuer gesetzt, um zu erfahren, wie man den leichten Hintern des Evo bändigt. ( , 10.03.2011)

Spaß ohne Ende – trotz Wecker, Regen, Fiat und Österreich

Manchmal beginnen die schönsten Tage ganz früh am Morgen. Manchmal fangen sie bei nasskaltem Schmuddelwetter an. Manchmal sogar mit einem Trip nach Österreich. Manchmal unternimmt man die Tour in einem Fiat 500 TwinAir, der Zweizylinder-Asphaltblase aus Italien. Und manchmal kommt auch all das zusammen. So wie an diesem Sonntag im Februar, an dem Kollege Stefan Wagner und ich in Richtung Salzburger Hinterland unterwegs sind, um die eigenen Fahrkünste auf ein neues Level zu heben. Denn Gassner Motorsport, die Institution des deutschen Rallyesports, hat zum Evo-Wintertraining geladen. Als Location dient das Gelände von motorevents.at im österreichischen Faistenau. Schneewalzer in 380 PS starken Mitsubishi-Allradsportlern – was ungemütlich beginnt, wird bald zu einem endorphin- und adrenalingeschwängerten Heidenspaß.

Mitsubishi Lancer Evolution IX Gruppe N
Auch nach dem Training ist Hermann Gassner erstaunlich entspannt. Die Teilnehmer hatten ihren Spaß und die Autos sind auch heil geblieben. Jetzt kann er sich auf die anstehende Rallye-Saison konzentrieren.

Entspannung pur bei den Chefs

Warum eigentlich Schnee und Eis statt Asphalt oder Schotter? „Wenn was passiert, sind die Schäden einfach geringer“, gibt Veranstalter und Rallye-Größe Hermann Gaßner eine ebenso einfache wie plausible Antwort. „Da erwischt es höchstens mal eine Schürze, oder man muss mal eine Achse wechseln.“ Aha, so ganz ohne ist die Nummer also nicht, aber der Chef wirkt entspannt und scheint keine große Angst um seine Autos zu haben. Entspannt ist auch Felix Schmitt, der an diesem Tag unser Instruktor ist. In einem kleinen Briefing bereitet er die ungeduldigen Teilnehmer auf das vor, was sie in den nächsten sieben Stunden erwartet.

Mitsubishi Lancer Evolution X
Manöverkritik gibt es sofort: Per Walkie Talkie sagt Instruktor Felix Schmitt jedem Teilnehmer, was er gerade falsch macht. Wer das Erlernte umsetzt, wird jedoch auch gelobt.

Auto und Fahrer in Einklang

Felix weiß genau, was die Drift-Novizen wollen: Fahren, fahren und nochmal fahren. Deshalb hält er seine Einleitung auch kurz und führt die Teilnehmer zu den Autos. Zielsicher steuern Kollege Stefan und ich das Karmin-rote Zehner-Exemplar am Ende der imposanten Evo-Reihe an. „Eine gute Wahl“, sagt Felix. „Der hat die meiste Leistung und erst gestern eine neue Achse bekommen.“ Tja, das geübte Auge der Motorjournalisten… In Kolonne geht es auf die andere Straßenseite, wo eine üppig dimensionierte Eisplatte mit Pylonen auf uns wartet. Die stellen in den ersten Übungen unsere Kurvenscheitelpunkte dar, und rechts und links gibt es eine Menge Platz. Die perfekte Umgebung, um das Leistungsvermögen von Auto und Fahrer in Einklang zu bringen.

Mitsubishi Lancer Evolution X
Erste Gehversuche auf der üppig dimensionierten und mit Pylonen gespickten Eisplatte. Die Hütchen stellen in den ersten Übungen unsere Kurvenscheitelpunkte dar, rechts und links gibt es eine Menge Platz.

Theorie und Praxis

Felix nennt es „Herantasten“. In der Theorie geht das so: Beim Einlenken per Gaslupfer einen Lastwechsel provozieren. Dabei wird das Heck leicht und setzt zum Überholen an. Jetzt am Gas bleiben und gegenlenken, bis man vor dem nächsten Hütchen das Spielchen wiederholt. Am Anfang fahren wir eher Slalom, das Heck bleibt stabil. Zu stabil, wie Instruktor Felix meint: „Mehr Gas, traut Euch! Jetzt einlenken und lupfen. Und am Gas bleiben. Und jetzt in die andere Richtung“, schallt es aus dem Walkie Talkie. Ab dem fünften oder sechsten Anlauf klappt es tatsächlich, wir haben den Dreh raus. Manchmal nehmen wir das zu wörtlich, wenn wir beim 360 Grad-Dreher feststellen, dass wir etwas falsch gemacht haben. Aber mit jeder Fahrt durch die Pylonengasse werden wir sicherer, wir haben das Evo-Heck auch im instabilen Zustand immer besser im Griff.

Mitsubishi Lancer Evolution X
Motorvision.de-Redakteur Stefan Wagner zeigt, was er gelernt hat: Schön im Drift das Evo X-Heck nah am Kurvenaußenrand platzieren. So wird´s gemacht!

Eine Sache des Vertrauens

Nach einer kurzen Manöverkritik die nächste Übung: Der Parcours wird um zwei Linkskurven und eine Links-Rechts-Links-Schikane erweitert. Jetzt müssen wir das eben Erlernte anwenden, sonst versenken wir den Evo X im Schneewall. Denn wo eben noch eine ordentlich bemessene Auslaufzone war, stecken jetzt monatelang gefrorene Grenzhügel die Piste ab. Entsprechend vorsichtig tasten wir uns ans Limit, schauen uns an, an welchen Stellen die Strecke besonders rutschig ist. Aber auch hier fassen wir schnell Vertrauen ins Auto und die eigenen Fahrkünste, immer öfter gelingen schön um den Scheitelpunkt gezogene Drifts im ordentlichen Winkel. Einlenken, Gas weg, Lastwechsel, gegenlenken und wieder ans Gas – dieser Ablauf geht uns erstaunlich schnell in Fleisch und Blut über. Zwischendurch zeigt uns Karin Thannhäuser, Mitarbeiterin von Gassner Motorsport und Organisationschefin vor Ort, wie man es noch besser macht. Eigentlich ist sie Rallye-Beifahrerin, aber gelegentlich wirbelt sie auch gekonnt am Volant.

Mitsubishi Lancer Evolution
Eine beeindruckende Evo-Parade: Zwölf Teilnehmer verteilt auf sechs Autos durften beim Evo-Wintertraining im österreichischen Faistenau den totalen Drift-Spaß genießen.

Die Konzentration sinkt, der Hunger steigt

Felix hält uns nun für fit genug, um uns auf den Rundkurs zu schicken. Eine wunderbare Achterbahn mit Kurvenradien, die für Drifts einfach wie geschaffen sind. „Gleich gibt es Mittagessen, aber gewöhnt Euch schon mal an die Kurvenfolge“, gibt uns Felix mit auf den Weg. Noch sind die Evos winterbereift, und das Geläuf ist noch ein wenig glatter als der vorherige Untergrund. In der selektiven Kurvenfolge ist es nicht so leicht, den richtigen Einlenkpunkt zu erwischen. Zudem hat die Vorderachse auf dem vom Dauerregen und -schneefall noch rutschigeren Kurs extrem wenig Grip. In Verbindung mit nachlassender Konzentration und steigendem Hungergefühl sorgt das dafür, dass die meisten Drifts im Dreher enden. Felix überrascht das nicht: „Geht erst mal etwas essen. Nach der Mittagspause klappt es wieder besser.“

Mitsubishi Lancer Evolution X
Die Spike-Reifen sind das wonnige Tüpfelchen auf dem spaßigen I des Querfahrens. Damit ist jeder Drift ein wahrer Genuss.

Auf Spikes folgt die Krönung des Driftens

Eine knappe Stunde später stehen die Evos auf Spike-Rädern. Eine Premiere für die Gesandtschaft von Motorvision, die sich fragt, wie sich das auf das Fahrverhalten auswirken wird. Schon nach den ersten Runden wird klar: Diese Reifen sind das wonnige Tüpfelchen auf dem spaßigen I des Querfahrens. Jetzt ist jeder Drift ein wahrer Genuss. Die Vorderachse hat nun genau den richtigen Grip, sodass sich die vorderen Räder immer exakt an der Stelle befinden, an der wir sie haben wollen - egal, wie viele Hummeln der Evo gerade im Hintern hat. Wo vorhin noch Vorsicht die Mutter der Porzellankiste war, geht jetzt jede Kurve quer. Ach, wie gern würden wir am Streckenrand stehen und uns selbst dabei bewundern, wie wir das leichte Evo-Heck gekonnt am Schneewall entlang zirkeln. Aber noch viel lieber sitzen wir hinter dem Steuer und fühlen im eigenen Popometer, was das Hinterteil des Evos gerade macht.

Mitsubishi Lancer Evolution X
Nicht nur das Team von Motorvision.de zeigt schöne Drifts. Auch die anderen Teilnehmer zirkeln die Evos mit erstaunlicher Lässigkeit quer um die Kurven.

Taxifahrt auf dem heißen Sitz

Als wir anfangen, uns selbst für Drift-Götter zu halten, nehmen uns die Profis noch auf ein paar Runden mit. Hermann Gaßner jr., das derzeit größte deutsche Rallye-Talent und aktueller Pilot in der Super 2000 Rallye-WM, und der Chef höchstpersönlich packen uns auf den heißen Sitz und zeigen uns, wie es die Könner machen. Mit unglaublichem Tempo pendeln sie die Kurven an, setzen die Front exakt an den Kurvenscheitel und ziehen das Heck mit einer Lässigkeit hinterher, dass unsere Mundwinkel immer weiter in Richtung Ohrläppchen wandern. Auch wenn uns diese Taxifahrten vergegenwärtigen, wie wenig wir eigentlich selbst auf dem Kasten haben, sind sie die Krönung eines perfekten Tages. Eines Tages, der sehr früh mit Schmuddelwetter und einem Fiat 500 TwinAir begonnen hat.

Für diesen Winter ist die Driftsaison von Gassner Motorsport leider beendet. Im Sommer stehen einige Schotter-Events auf dem Programm, bevor es Ende des Jahres wieder auf Schnee und Eis geht. Nähere Infos gibt es auf www.gassner-motorsport.de.

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Ein Drifttraining - wäre das auch etwas für Euch?

  • Absolut. Im Drift wird Autofahren zur Kunst - das ist Spaß pur.
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  • Ich kriege das bestimmt nicht hin, aber schaue sehr gerne zu.
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  • Ich kann der Drifterei nicht viel abgewinnen. Ich fahre lieber das Maximaltempo auf der Ideallinie.
    8 %
  • Für mich ist das sinnfreie Benzinverschwendung. Das kann mir gestohlen bleiben.
    4 %
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