Nach dem überlegenen Jahr 2009 geht Valentino Rossi als großer Favorit in die am Wochenende startende MotoGP-Saison. Doch gleich fünf Konkurrenten des Doktors werden ebenfalls WM-Chancen zugerechnet. (Thomas Harloff , 09.04.2010)
Rossi will den Zehnerpack vollmachen
Das lange Warten hat ein Ende. Nach endlos wirkenden fünf Monaten Winterpause geht es für die modernen Zweirad-Gladiatoren endlich wieder los. In der Königsklasse MotoGP gibt es viele Jäger und einen Gejagten: Ungefähr ein halbes Dutzend Fahrer hat es auf Rekordmann Valentino Rossi abgesehen. Ganze neun Weltmeister-Titel, davon sieben in der Königsklasse, und 103 Grand Prix-Siege stehen in der Vita des Doktors mit der Startnummer 46. 2010 kann Rossi den zweiten Titel-Hattrick seiner Karriere (zwischen 2001 und 2005 konnte er gleich fünf Titel in Folge feiern) perfekt machen. Doch mindestens fünf Fahrer wollen dies verhindern.
Casey Stoner: Topmotiviert zurück zu alter Stärke
Als ob es eines Beweises seiner Stärke bedurft hätte, hat Rossi die Wintertests dominiert. Fünf Bestzeiten an sechs Testtagen – die Kombination aus Valentino Rossi und Yamaha YZR-M1 scheint auch in dieser Saison unschlagbar. Einzig Ducati-Star Casey Stoner konnte ebenfalls eine Test-Bestzeit erobern. Der australische Ex-Weltmeister hat seine Krankheit aus dem Jahr 2009 – eine sehr spät diagnostizierte Laktose-Intoleranz machte ihm schwer zu schaffen – inzwischen im Griff und geht hochmotiviert in die neue Saison. Sofern die Werks-Ducati das Niveau der Yamaha halten kann, sollte Stoner Rossis Hauptkonkurrent um den Titel sein.
Jorge Lorenzo: Konkurrent im eigenen Team
Genau dieses Attribut wird auch Jorge Lorenzo zugeschrieben. Rossis Teamkollege hat schon öfter am Thron des Königs gerüttelt, ist aber stets seiner mangelnden Konstanz zum Opfer gefallen. Auch der Saisonstart 2010 steht für den ambitionierten Spanier unter keinem guten Stern: Bei einem Trainingssturz im Februar zog sich Lorenzo eine Handverletzung zu, die ihn noch immer behindert. Lorenzo kann zwar in Katar antreten, rechnet sich aber keine großen Chancen aus. Es könnte also gut sein, dass er gegen den überaus konstanten Rossi bereits früh ins Hintertreffen gerät und die ganze Saison einem Rückstand nachjagen muss.
Honda: Mit zwei Top-Piloten zurück an die Spitze
Das könnte die Gelegenheit der Honda-Werksmannschafft sein, wieder ins Rampenlicht zu rücken. Im letzten Jahr waren die Japaner nur die dritte Kraft, wähnen sich nach den Testfahrten nun aber näher an den Spitzenteams Fiat-Yamaha und Marlboro-Ducati. Auch hier verspricht die teaminterne Konstellation viel Spannung: Andrea Dovizioso ist der eigentlichen Nummer 1 Dani Pedrosa schon zum Ende der vergangenen Saison bedrohlich nahe gekommen. Dieser Trend hat sich bei den Wintertests bestätigt. Können sich die Honda-Piloten gegenseitig zu Höchstleistungen anstacheln, ist ein langer Verbleib im WM-Kampf drin.
Tech-3-Yamaha: Mit USA-Power in die Top 3
Allerdings muss die Honda-Mannschaft auch nach hinten schauen. Denn das französische Tech-3-Yamaha-Team möchte nur allzu gern in die Top Drei vorstoßen. Um das zu schaffen, vertraut man auf zwei amerikanische Piloten. Neben Routinier Colin Edwards, der in seine dritte Saison bei Tech-3 geht, sitzt 2010 Newcomer Ben Spies auf der schwarz-gelben Semi-Werks-Yamaha. Der ist in der MotoGP zwar ein unbeschriebenes Blatt, hat bei den Superbikes jedoch alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Dem Titel-Hattrick in der stark besetzten amerikanischen Superbike-Meisterschaft AMA hat Spies letzte Saison den WM-Titel folgen lassen. Souverän hat er sich gegen den Ducati-Routinier Noriuki Haga durchgesetzt. Folgerichtig hat Yamaha den 25-jährigen zum MotoGP-Piloten befördert; dort werden ihm zumindest Außenseiter-Chancen auf den Titel eingeräumt.
Tech-3-Yamaha: Mit US-Power in die Top 3
Allerdings muss die Honda-Mannschaft auch nach hinten schauen. Denn das französische Tech-3-Yamaha-Team möchte nur allzu gern in die Top Drei vorstoßen. Um das zu schaffen, vertraut man auf zwei amerikanische Piloten. Neben Routinier Colin Edwards, der in seine dritte Saison bei Tech-3 geht, sitzt 2010 Newcomer Ben Spies auf der schwarz-gelben Semi-Werks-Yamaha. Der ist in der MotoGP zwar ein unbeschriebenes Blatt, hat bei den Superbikes jedoch alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Dem Titel-Hattrick in der stark besetzten amerikanischen Superbike-Meisterschaft AMA hat Spies letzte Saison den WM-Titel folgen lassen. Souverän hat er sich gegen den Ducati-Routinier Noriuki Haga durchgesetzt. Folgerichtig hat Yamaha den 25-jährigen zum MotoGP-Piloten befördert; dort werden ihm zumindest Außenseiter-Chancen auf den Titel eingeräumt.
Viele Neulinge bei Suzuki und den Privatteams
Für den Rest des Feldes wird nicht viel vom Rampenlicht übrigbleiben. Das gilt auch für das Suzuki-Werksteam, das im letzten Jahr deutlich ins Hintertreffen geraten ist. Trotz des erfahrenen Loris Capirossi am Lenker wird Suzuki genug damit zu tun haben, die Honda- und Ducati-Privatteams hinter sich zu lassen. Dort tummeln sich zahlreiche Piloten, die aus der 250er WM in die Königsklasse aufsteigen und sich dort einen dauerhaften Platz sichern wollen. So starten 2010 mit 250er Weltmeister Hiroshi Aoyama (Interwetten-Honda), Vize Héctor Barberá (Aspar-Ducati), der Dritte Marco Simoncelli (Gresini-Honda), Alvaro Bautista (Suzuki; Vierter) und Aleix Espargaró (Pramac-Ducati, 17. Gesamtrang) gleich fünf Piloten im MotoGP-Feld, die letztes Jahr noch eine Klasse tiefer unterwegs waren.
Das Warten auf die Regel-Revolution
Auch wenn es für seine Konkurrenten schwer sein wird, Valentino Rossis Zehnerpack in punkto WM-Titeln zu verhindern: Ein wenig mehr Spannung als die vergangene Saison sollte das MotoGP-Jahr 2010 durchaus bieten. Ein weiterer Alleingang Rossis könnte ungeahnte Auswirkungen haben, schließlich hat auch die Motorrad-WM mit den Folgen der weltweiten Wirtschaftskrise zu kämpfen. Der Sponsorenschwund macht auch vor der Motorrad-Königsklasse nicht Halt, entsprechend klein ist auch in diesem Jahr das Starterfeld. Zum Saisonstart treten lediglich 17 Piloten an. Zwar kommt zum Auftakt der Europasaison mit FB Corse ein weiteres Team hinzu, doch selbst Traditions-Herstellern wie Kawasaki und BMW ist die Serie schlichtweg zu teuer. Ähnlich wie in der Formel 1 gibt es zwar nun auch in der MotoGP eine Motorenbeschränkung auf maximal sechs pro Saison, doch das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Tiefgreifende Regeländerungen, welche die Kosten senken und die Chancengleichheit im Feld erhöhen sollen, sind erst für 2012 angekündigt. Bis dahin wird die Rennserie durchhalten müssen – genau wie Rossis Gegner, falls sie die Auspuffrohre des Doktors wieder nur von hinten sehen.