Autosalon Genf 2010 - S gibt Nachschlag: Porsche 911 Turbo S

Keiner hat nach ihm gefragt, GT2-Fans werden ihn sogar verteufeln, aber Porsche wird ihn trotzdem bauen: Auf dem Genfer Autosalon feiert der Porsche 911 Turbo S seine Weltpremiere. ( , 26.02.2010)

Liebe Porsche-Jünger, Ihr müsst jetzt ganz stark sein: Einen Elfer, der die Spaßbringer Turboaufladung, Heckantrieb und ein manuelles Sechs-Gang-Getriebe vereint, wird es (vorerst) nicht mehr geben. Denn mit der letzten Auffrischung der Modellreihe hat sich der GT2 aus der 911-Familie verabschiedet. Zwar sorgt Porsche für Ersatz, aber ob der bei Porsche-Puristen gut ankommen wird, darf bezweifelt werden. Der neue Turbo S, der auf dem Genfer Autosalon 2010 (4. bis 14. März 2010) debütiert, soll in die großen GT2-Fußstapfen treten, verlässt mit serienmäßigem Doppelkupplungsgetriebe und Allradantrieb aber dessen Fahrdynamik-Pfade.

Porsche 911 Turbo S Fahrt Heck
Porsche 911 Turbo S während der Fahrt

Neue Fahrleistungs-Dimensionen

Klar, beim Motor haben die Tüftler aus Weissach kräftig nachgewürzt. Mit 530 PS toppt der S den Standard-Turbo um 30 Pferdchen, beim GT2 standen genau so viele Vollblüter im Stall. In Sachen Drehmoment-Maximum legt er die Messlatte sogar nochmals um einiges höher. Die 700 Nm erreicht der Turbo nur zeitweise im Overboost (sonst 650), der GT2 muss sich mit 680 Nm knapp geschlagen geben. Beeindruckende Werte für lediglich 3,6 Liter Hubraum, die insbesondere durch eine geänderte Ventilsteuerung sowie die Erhöhung des maximalen Ladedrucks um 0,2 auf 1,2 bar erreicht werden.

So weit, so bemerkenswert. Genau wie die Fahrwerte, die dank serienmäßiger Hightech-Komponenten, die beim Turbo Aufpreis kosten, nochmals zulegen. Da das Sport Chrono-Paket, die samt Launch Control im Turbo S als kostenlose Dreingabe an Bord ist, dauert der Null-auf-hundert-Sprint nur 3,3 Sekunden (Turbo: 3,6, GT2: 3,7). Von Null auf 200 distanziert der S den Standard-Turbo sogar um acht Zehntel (10,8 s statt 11,6). Die prestigereiche Topspeed-Wertung gewinnt jedoch der GT2: Von den dort gebotenen 329 km/h sind sowohl der 911 Turbo S (315) als auch der Turbo (312) ein ordentliches Stück entfernt.

Porsche 911 Turbo S Cabrio Fahrt
Porsche 911 Turbo S Cabrio während der Fahrt

Zwischen schwachem Trost und Begeisterung

Nun sollten wir davon ausgehen, dass Porsche seine Kundschaft besser kennt als jeder sonst und den Turbo S deshalb mit Bedacht ausschließlich mit Allrad und Doppelkupplungsgetriebe PDK anbieten wird. Trotzdem werden sich jene, die den Schalthebel nur zu gern selbst durch die Gassen schieben und den gepflegten Drift mit etwas weniger persönlichem Einsatz einleiten wollen, ein verständnisloses „Warum!?!“ nicht verkneifen können. So ist es ein schwacher Trost, dass der S trotz amtlicher Extra-Power mit 11,4 Litern im Schnitt genauso „sparsam“ ist wie der ordinäre Turbo.

Da sorgen schon eher Hightech-Goodies wie das dynamische Motorlager und das Porsche Torque Vectoring (PTV) für Begeisterung. Ersteres analysiert automatisch die Fahrweise des Piloten und erkennt, wie flexibel das Triebwerk gelagert sein muss, um bei einer flotten Gangart für einen Fahrdynamikvorteil zu sorgen. PTV beinhaltet ein mechanisches Hinterachs-Sperrdifferenzial und soll durch gezielte Bremseneingriffe am kurveninneren Hinterrad die Untersteuer-Neigung reduzieren und damit die Agilität steigern. Die ebenso serienmäßige Keramik-Bremsanlage Porsche Ceramic Composite Brake (PCCB) dürfte so fest zupacken, dass der Sicherheitsgurt bei voller Beanspruchung hässliche Striemen auf den Oberkörpern der Insassen hinterlässt.

Porsche 911 Turbo S Innenraum
Innenraum des Porsche Turbo 911 S

Weg von der Religion Porsche?

Ist Porsche nun konsequent und trägt mit dem neuen Turbo S den geänderten Ansprüchen seiner Kundschaft Rechnung? Oder verwässern die Schwaben mit der Abkehr vom kompromisslosen, aber keineswegs unberechenbaren Quertreiber die eigenen Sportwagen-Gene? Die Antwort wird wie immer die solvente Klientel geben, die auch für den 911 Turbo S tief in die Tasche greifen muss und ab Mai 2010 zugreifen kann. Okay, er bringt viele sonst aufpreispflichtige Features serienmäßig mit, darunter dynamisches Kurvenlicht, 19-Zoll-Räder mit Zentralverschluss, adaptive Sportsitze sowie eine exklusive Bi-Color-Lederinnenausstattung. Doch Einstiegspreise von in Deutschland 173.241 Euro für das Coupé und 184.546 Euro (Cabrio) könnten einige zur Abkehr von der Religion „Porsche“ bewegen. Gut möglich also, dass aus ehemaligen Porsche-Jüngern schon bald Ferrari-, Lamborghini- oder Aston-Martin-Anbeter werden – zumindest bis zum nächsten GT2.

BEWERTE DIESEN ARTIKEL
rating_image rating_1 rating_2 rating_3 rating_4 rating_5
KOMMENTARE
Ähnliche Artikel

speedArt BTR-II 650 Evo

Geschwindigkeit als Kunstform: Porsche 911 Turbo von speedArt

650 PS, 900 Nm, 335 km/h Topspeed: Mit dem BTR-II 650 Evo auf Basis des Porsche 911 Turbo lässt es Tuner speedArt mal wieder richtig krachen. Dieser beflügelte Bolide ist ein Paradebeispiel dafür, dass auch Technik zur Kunst werden kann.

Turborenner für Straßensportler

Der neue Porsche 911 GT2 präsentiert sich im Fahrbericht als bärenstarkes und hochpräzises, aber keineswegs unkomfortables Sportgerät.

Praxistest Porsche 911 Turbo

Porsche 911 Turbo: Die alltägliche Dosis Sport

Für viele Autofans ist ein Porsche 911 das höchste aller Sportwagengefühle. Das können jedoch nur die behaupten, die den 911 Turbo noch nie bewegt haben. Denn ein Turbo lässt jeden normalen Elfer wie einen dummen Jungen dastehen.

Tuner Grand Prix 2009: TechArt triumphiert

Für die Créme de la Créme der deutschen Veredler ist der Tuner Grand Prix das Event des Jahres. TechArt ist bei der diesjährigen Auflage der totale Triumph gelungen.

Sturm im Cockpit

Wenn der loslegt, weht ein Orkan durchs Cockpit: Auf dem Genfer Autosalon präsentiert TechArt die offene Variante des GTstreet.
Ähnliche Videos

Porsche 911 Turbo

Der aktuelle Porsche 911 Turbo, die Grand Prix-Strecke in Estoril und Patrick Simon - eine ebenso spektakuläre wie reifenmordende Kombination.

Porsche 911 Turbo

In Patrick Simons Händen wird der Turbo auf dem Grand Prix-Kurs in Estoril zum Zeitenjäger und Driftmeister.

Porsche 911 Turbo vs. GT3

Bruderkampf auf der Rennstrecke: Porsche 911 Turbo oder GT3 - welcher Elfer ist schneller?

Der neue Porsche 911 Turbo im Test

Patrick Simon bittet den neuen Porsche 911 Turbo auf dem Grand Prix-Kurs in Estoril zum Tanz.

Porsche 911 GT3 vs. Turbo

Turbo oder GT3 - welcher Elfer hat auf der Rennstrecke mehr zu bieten? Patrick Simon macht den Vergleich.

Porsche 911 Turbo

Tim Schrick testet den Porsche 911 Turbo und trifft dabei Walter Röhrl.
MOTORVISION MAGAZIN
MOTORVISION AUF FACEBOOK
AKTUELLES VIDEO
Dirt Showdown Launch Trailer
FACEBOOK EMPFEHLUNGEN
BILDERGALERIEN